International Toastmasters

Hier lernen Bonner, wie sie Vorträge halten

Bei den Toastmasters duzt man sich: Moderatorin Sigrid neben den besten Rednern des Abends Monica, Julia und Christian.

Bei den Toastmasters duzt man sich: Moderatorin Sigrid neben den besten Rednern des Abends Monica, Julia und Christian.

Hochkreuz. Die Organisation International Toastmasters übt mit Teilnehmer, wie sie gute Vorträge vor Publikum halten. Besondere Herausforderung: Die Reden müssen auf Englisch präsentiert werden.

Das Social Impact Lab an der Heinemannstraße liegt in der Nachbarschaft von Ministerien und Bundesämtern. Hier treffen sich jeden Donnerstagabend die Bonn International Toastmasters. Sie sind in der Region der einzige Rhetorik-Club, der seine Reden auf Englisch hält. Mehr als 100 solcher Clubs gibt es in Deutschland, fast 17.000 international. Gut zwei Dutzend Mitglieder und Gäste haben sich bei der vergangenen Veranstaltung im Social Impact Lab versammelt.

„Die Leute sollen Spaß am Reden haben“ sagt der Präsident des Clubs, Johannes Bartels. Der Abend ist minutengenau durchgeplant. Zeit zum Begrüßen und Plaudern ist trotzdem, denn 20 Minuten vor Beginn der Tagesordnung ist schon ein guter Teil der Teilnehmer eingetroffen. Zwar werden die Reden auf Englisch gehalten, aber man unterhält sich auch auf Deutsch – es scheint, als wäre es für den einen oder anderen nicht einfach, sich für den Abend von seiner Muttersprache zu verabschieden. Die meisten Mitglieder kommen aus Deutschland. Aber Bonn ist eine internationale Stadt,und deshalb ist auch der Club international, sagt Johannes – bei den Toastmasters duzt man sich.

Spontane Reden und gute Vorbereitung

Die ersten vier Redner haben sich gut vorbereitet. Julia zum Beispiel erzählt, wie sie mit einer Übung die sorgsam gehegte Komfortzone ihrer Heimatstadt Bonn durchbrochen hatte. In London nahm sie an einem Seminar teil. Dort erhielt sie den Auftrag: Zeichne drei Dinge, die dich geprägt haben – eine „schwierige, aber wichtige Aufgabe“, wie Julia nun auf Englisch berichtet und mit der Frage ans Publikum schließt: „Was würdest du auf dein Bild malen?“. Das Publikum wird sie später zur am besten vorbereiteten Rednerin wählen.

Die folgenden Reden entstehen spontan. Die Clubmitglieder im Publikum bekommen eine Frage gestellt, 30 Sekunden zum Nachdenken und zwei Minuten für die Rede. Wer aufgerufen wird, muss auch reden – nur Gäste dürfen ablehnen. Die erste Frage lautet: Was fällt dir zu Abu Dhabi ein? Monica, Lehrerin, erzählt von einem Spiel für Schulklassen, das diesen Namen trägt. Der „Table Topic Master“, der diesen Teil des Abends moderiert, war vorher gerade erst aus Dubai eingetroffen und hatte möglicherweise mit einer anderen Antwort gerechnet. Den Preis für die beste spontane Rede bekommt Monica trotzdem.

Die gesamte zweite Hälfte des Abends dient dazu, den Rednern eine Rückmeldung zu geben – zum Stil, zur Vortragsweise, zur Grammatik, aber auch zur Anzahl der benutzten Füllwörter. Auch hier wählt das Publikum einen Preisträger. An diesem Abend ist es Christian, der Julias Rede bewertet hat. Man könnte dabei vermuten, dass hier gelegentlich Konflikte auftreten. Doch das Feedback geht ziemlich konstruktiv und freundlich vonstatten. Auch Johannes kann nicht sagen, dass es bei diesem Anlass zu Streit gekommen wäre. „Die Leute wollen ja auch reden lernen“.