Sprengung des Bonn-Centers

Hier haben Sie die beste Aussicht auf den 60-Meter-Turm

Bonn. Es wird nicht leicht, die Sprengung des Bonn-Centers am Sonntag aus der Nähe zu beobachten. Der GA hat einige Stellen aufgespürt, von denen aus sich der Fall des Kolosses gut sehen lässt.

Noch an diesem Samstag sind die Experten damit beschäftigt, die 1500 Löcher mit Sprengstoff zu füllen. Gegen 11 Uhr sollen 250 Kilogramm Sprengstoff das Gebäude in die Knie zwingen. Die Feuerwehr baut für die Detonation eine 180 Meter lange Nebelwand aus Wasser auf. Man sollte sich aber nicht zu sehr darauf verlassen und seine besten Sachen anziehen. Es dürfte trotzdem mächtig stauben.

Die Staubwolke dürften vor allem die Zuschauer in der Nähe einhüllen. Wer glaubt, er könne eine Drohne aufsteigen lassen, um das Spektakel mit einer Kamera einzufangen, sei gewarnt: Das ist innerhalb der Sicherheitszone verboten.

Es gibt praktisch keine Stelle, von der aus das komplette Bonn-Center zu sehen ist: Die unteren Etagen sind nicht zu erkennen. Eine seitliche Ansicht bietet sich von der Schranke am Kessenicher Rheinweg aus. Dort ragt die Ruine über einige Mehrfamilienhäuser auf. Auf der Oskar-Walzel-Straße gibt es zwei Positionen: einmal an den Bahnschienen direkt nördlich der Reuterbrücke sowie an der Einfahrt der Straße von der Reuterbücke aus, wo es früher zum Autohaus ging.

Am meisten Platz ist wohl im Viertel um Eduard-Otto-Straße und Ahrweg. Auch an der Ecke Graf-Stauffenberg- und Lotharstraße lässt sich die Sprengung gut verfolgen.

Deutlich schlechter ist der Venusberg. Vom Weg unterhalb der Uni-Kliniken aus schimmert das Bonn-Center zwar immer wieder zwischen den Bäumen hindurch, ist aber auch schon fast anderthalb Kilometer Luftlinie entfernt. Das bedeutet übrigens auch, dass weiter entfernte Neugierige sich nicht auf die Sprengsignale verlassen sollten. Schall legt pro Sekunde rund 333 Meter zurück. Während sie den Countdown von zehn bis null noch hören, könnte schon alles in Schutt und Asche liegen.

Apropos Schutt: Der wird in den nächsten vier Monaten an Ort und Stelle zerkleinert und mit Lastwagen abtransportiert. Laut Kim Schlabow von AWR-Abbruch steht die weitere Verwendung noch nicht fest. Das Material könne unter anderem wiederverwendet werden: etwa fürs Fundament bei Neubauten oder für Betonfertigteile.

Beste Sicht beim privaten Public Viewing

Überwältigt von der großen Resonanz auf ihre Facebook-Einladung zum Spreng-Public-Viewing ist Corinna Baumeister. Die Finanzberaterin wollte eigentlich nur ihre Kunden erreichen, um sie zum Frühstück auf Logenplätzen in ihr Büro an der Reuterstraße einzuladen, das beste Sicht aufs Bonn-Center bietet. „Es haben sich aber auch viele Fremde gemeldet“, erzählt sie und lacht. Darunter waren Familien mit Kindern oder auch Senioren.

Weil nicht viel mehr als 30 Leute ins Büro passen, entschied am Ende das Los. „Die Familien mit Kindern sind aber auf jeden Fall dabei“, sagt Baumeister. Extra eingeladen hat sie auch ein Ehepaar, das sich im Bonn-Center kennengelernt hat, sowie einen Mann, der am Sonntag Geburtstag hat. Weil nicht alle einen Platz am Fenster finden würden, müsse ein Teil auch mit der Straße vor dem Haus vorlieb nehmen. „Ich denke, wir beantragen bei der Stadt noch die Genehmigung für einen Pavillon“, sagt sie mit Blick auf die Wetterausicht. Für Sonntag ist Regen gemeldet.

Logenplätze hat auch Norbert Britz zu bieten. Er wohnt in der Rosenburg am Venusberghang, „von wo aus man eine perfekte Sicht hat“. Eingeladen zum Frühstück mit Sprengung hat er allerdings nur Freunde und Bekannte.

Mit einem abstrusen Fall im Zusammenhang mit der Sprengung musste sich die Staatsanwaltschaft Bonn befassen. Sie hatte ein Schreiben erhalten, in dem Strafanzeige gegen OB Ashok Sridharan und Art Invest erstattet wurde wegen des Verdachts versuchter Sachbeschädigung an „Wohn- und Eigentum von Bürgern“. Doch der Adressat ist frei erfunden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft ihrerseits Anzeige gegen Unbekannt wegen Urkundenfälschung gestellt.

Wer die Sprengung von zu Hause verfolgen möchte, kann dies über den Live-Stream des General-Anzeigers tun.