Erfahrungsaustausch

Hebammen können nur wenige Mütter in Bonn betreuen

Eine Hebamme hält ein Neugeborenes.

Eine Hebamme hält ein Neugeborenes.

Bonn. Eltern und Geburtshelferinnen sprechen im „Erzählcafé“ über die Folgen der Schließung des Kreißsaales im Malteser-Krankenhaus.

In einem Café in Beuel hat Lisa von Reiche von dem Verein „Hebammen für Deutschland“, ein Erzählcafé organisiert, wo Betroffene über die Schließung des Kreißsaals im Malteser-Krankenhaus reden können. Es war das letzte in Bonn, welches noch Geburten mit Beleghebammen angeboten hat.

Der Einladung folgten 18 Mütter und Hebammen. Die immer wieder genannten Personalprobleme halten die anwesenden Hebammen für vorgeschoben, alle Hebammenstellen seien zum Zeitpunkt der Schließung voll besetzt gewesen. Der Vorschlag eines hebammengeführten Kreißsaales sei ohne Begründung von der Klinikleitung abgelehnt worden. Von der Klinik war dazu am Dienstag keine Erklärung zu erhalten. „Unsere Frauen haben am Telefon geweint“, sagen die Hebammen des Maltesers, die nach der Schließung ihre betreuten Mütter anrufen mussten, um die schlechte Nachricht zu überbringen. „Das war die schwerste Arbeit“, berichtet eine Hebamme, die die werdenden Mütter an andere Krankenhäuser verweisen musste.

Katharina war noch wenige Tage vor der Schließung mit ihrer Beleghebamme im Malteser-Krankenhaus für einen vorsorglichen Ultraschall, da war die Welt noch in Ordnung. „Jemand anders hat mir die Entscheidung weg genommen, wie und wo ich mein Kind bekomme“, sagt sie. Sie hatte sich bewusst für eine Beleggeburt in einer kleinen Klinik entschieden und jetzt durfte ihre Hebamme nicht mehr bei der Geburt dabei sein. Am Ende kam ihr Sohn Oskar anderthalb Wochen nach der Schließung zu Hause zur Welt – im Beisein ihrer Hebamme.

Die Wahl des Geburtsortes, der Art der Entbindung und der dabei anwesenden Person sollte jede Frau selber treffen können, so die Anwesenden. Doch wie sieht die Situation in Bonn aktuell aus? Wer in eine Klinik mit Rundumversorgung möchte, hat die Wahl zwischen der Uni-Klinik und dem Marien-Hospital. Geburtshilfe bieten zudem auch das Haus Elisabeth des Gemeinschaftskrankenhauses und das Johanniter-Krankenhaus an.

Frauen, die sich eine von Hebammen begleitete Schwangerschaft und Geburt wünschen, müssen sich bis zur sechsten, spätestens achten Schwangerschaftswoche bei einer Beleghebamme oder in einem Geburtshaus melden. „Wir müssen fast täglich Müttern absagen“, berichten die Hebammen beim Erzählcafé. Das gelte auch für die Nachsorge, ihnen werde sogar teilweise privat Geld angeboten, so verzweifelt seien die Frauen. Die Beleghebammen, die vorher im Malteser waren, mussten in die Kliniken nach Bad Honnef und Troisdorf-Sieglar wechseln. Entsprechend verschiebe sich auch das Einzugsgebiet der betreuten werdenden Mütter. Deshalb sehe es für Schwangere in Bonn aktuell schlecht aus mit einer Beleggeburt. Carola Hauck, Produzentin des Films „Die sichere Geburt – wozu Hebammen?“ sagte in einem Interview, dass sich 17 Prozent der Schwangeren eine Beleggeburt und damit eine Eins-zu-eins-Betreuung wünschten. Aktuell könnten die Hebammen deutschlandweit nur zwei Prozent der Mütter dies ermöglichen. Eine Lösung könnten Hebammenhäuser mit Schichtsystem sein, da vor allem junge Kolleginnen mit Kindern nicht in Rufbereitschaft arbeiten könnten. In diesen Häusern könnten Schwangere rundum betreut werden.

Die Teilnehmer forderten zudem, dass die Krankenkassen und die Politik ihre Verantwortung anerkennen und die Hebammen, Ärzte und Eltern bei Lösungsangeboten mehr unterstützen. Die bundesweite „Erzählcafé-Aktion“ will die aktuelle Situation der Geburtshilfe verdeutlichen. Betroffene sprechen dort über ihre Erfahrungen.