Energieberatung in Bonn

Hausbesitzer können viel Geld sparen

Eine dickere, mehrschichtige Außenisolation soll für eine bessere Wärmedämmung sorgen.

Eine dickere, mehrschichtige Außenisolation soll für eine bessere Wärmedämmung sorgen.

Bonn. Die Bonner Energie Agentur und die Verbraucherzentrale haben ihre Sanierungskampagne 2017 gestartet. Sie raten, keine vorschnellen Entscheidungen zu treffen.

Aus Sicht von Energieberater Stephan Herpertz ist der Fall der Hildebrands ein gutes Beispiel dafür, warum eine eingehende und vor allem kompetente Sanierungsberatung wichtig ist. Das Ehepaar hatte 2013 im Ellerviertel ein sanierungsbedürftiges Haus Baujahr 1929 gekauft und sich aufwendige und teure energetische Modernisierungsmaßnahmen aufschwatzen lassen, darunter eine Kombination aus Wärmepumpe und Solarthermie – der Porsche unter den Heizmethoden, meint Celia Schütze von der Bonner Energie Agentur.

Nötig wäre das nicht gewesen, um das Haus auf den jetzigen Kfw-70-Standard zu bekommen, erklärte ihr Mitarbeiter Herpertz bei einem Pressetermin zur Bonner Sanierungskampagne, die in dieser Woche gestartet ist. Mit dieser wollen die Energie Agentur und die Verbraucherzentrale NRW erreichen, dass sich die Leute erst beraten lassen, bevor sie für eine Wärmepumpe ein 80 Meter tiefes Loch in den Vorgarten bohren lassen. Außerdem, berichtete Andrea Hillebrand, hätten sie für die Fußbodenheizung den kompletten Boden herausgerissen, obwohl der noch in Ordnung gewesen sei. Das alles habe weit mehr als 150.000 Euro gekostet.

Herpertz sei in vielen Punkten skeptisch gewesen, als er die energetischen Maßnahmen in der Wohnung besichtigte, sagte sie – immerhin hatte er gegen die Wärmedämmung mit Polystyrol an der Außenfassade nichts einzuwenden. Die Familie hatte sich an die Energie Agentur gewandt, weil sie nach all den Maßnahmen einen übermäßig hohen Energieverbrauch beklagte.

Jetzt ist alles richtig eingestellt, die Hillebrands verbrauchen neben der haushaltsüblichen Energie nur Strom für die Wärmepumpe, sparen aber Öl und Gas, womit sie durchaus günstiger wegkommen. Von daher beklagt sie sich nicht. Dennoch appelliert Schütze an die Bonner: Sie sollen sich an Spezialisten wenden und sich lieber ein bisschen länger beraten lassen, als vorschnelle Entscheidungen zu treffen.

Die Sanierungskampagne 2017 soll die Bonner dazu animieren, indem bis zum 23. Juni die Beratungskosten von 60 auf 30 Euro reduziert werden. Allerdings können die insgesamt sieben Mitarbeiter der Agentur in dieser Zeit nur rund 80 Beratungen durchführen, man sollte sich also zeitig melden. Darüber hinaus ist diese Zahl nur ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts einer fünfstelligen Zahl sanierungsbedürftiger Häuser.

Das sind laut Helmut Wiesner, Bonns Dezernent für Planung, Umwelt und Verkehr, alle vor 1979 entstandenen Wohngebäude. In diesem Jahr gab es die erste verbindliche Wärmeschutzverordnung, seitdem wird unter energetischen Gesichtspunkten geplant und gebaut. „Die Sanierung ist ein wichtiges Feld im Klimaschutz“, sagte er. „40 Prozent des Energieverbrauchs findet in den Haushalten statt.“ Um diesen Wert zu senken, sollten im privaten Bereich möglichst viele Menschen Geld in die Hand nehmen.