Köpfe der Stadtpatrone verschwinden in Holzkisten

Hauptphase der Sanierung des Bonner Münster beginnt

Im Inneren des Bonner Münster wird fleißig gearbeitet.

Im Inneren des Bonner Münster wird fleißig gearbeitet.

Bonn. Die Hauptphase der Generalsanierung des Bonner Münsters hat begonnen. Das bleibt auch für die in Granit gehauenen Köpfe der Stadtpatrone Cassius und Florentius nicht ohne Folgen.

Jetzt sind auch die Bonner Stadtpatrone auf dem Platz vor dem Bonner Münster aus dem Blickfeld der Passanten verschwunden: Damit die von dem Bildhauer Iskender Yediler in Granit gehauenen Köpfe von Cassius und Florentius während der Sanierung an der seit vergangenem Jahr geschlossenen Basilika keinen Schaden nehmen, haben Arbeiter sie am Dienstag komplett eingehaust. Auch das Münster selbst ist inzwischen zu einem großen Teil von einem hohen Holzzaun umgeben. Die Hauptphase der auf rund 20 Millionen Euro kalkulierten und voraussichtlich bis Ende 2020 angelegten Sanierung hat begonnen.

Ein anderes Kunstwerk, das 20 Jahre lang am Münster die Blicke auf sich gezogen hat, ist bereits verschwunden: Das Stahlkunstwerk „Ausgleich nach dem Bildersturm“, eine vierteilige Installation aus geschmiedetem und gewalztem Stahl von Ansgar Nierhoff, ist schon im Frühjahr abgebaut worden. Das sei bei den Granitköpfen der beiden Stadtpatrone, die jeweils sieben Tonnen wiegen, nicht möglich gewesen, sagt Reto Bellinger vom Aachener Architektenbüro Hahn Helten. Was mit dem stählernen Werk „De Musica IV“ von Eduardo Chillida nahe dem Hauptportal geschieht, das Kinder gerne als Klettergerüst nutzten, sei noch offen, sagt Bellingers Kollegin Maike Scholz. Vermutlich werde es aber auch eingehaust.

In der Kirche zeigen Scholz und Bellinger auf den Boden in den Seitenschiffen, die komplett mit Plastikfolien abgedeckt sind. Dort werden in den kommenden Tagen die einen Meter tiefen und etwa 50 Zentimeter breiten Elektroschächte von alten Leitungen befreit und auf jeder Seite um einige Meter verlängert. „Wir müssen die komplette Elektrik erneuern“, sagt Bellinger. An ihrer Seite haben die Arbeiter dann die Archäologen der Denkmalpflege, die unter dem Boden des Münsters viele historische Funde vermuten. Die Basilika wurde ab der Mitte des 11. Jahrhunderts auf einem Gräberfeld christlicher Märtyrer errichtet, die heute als Cassius und Florentius verehrt werden. „Wir hoffen, dass bei früheren Sanierungsarbeiten schon einiges entdeckt werden konnte, damit das bei uns nicht so lange dauert“, sagte Bellinger und lacht.

Auf die Arbeiten für die Elektrik folgt eine der größten Einzelmaßnahmen: die Sanierung der Fassade. Die Basilika muss dafür außen wie innen komplett eingerüstet werden. „Die Risse, die man oben im Gewölbe sehen kann, ziehen sich durch bis zur Außenfassade und müssen von beiden Seiten saniert werden“, erklärt Scholz. Und noch etwas haben Sondierungsarbeiten zutage gebracht: Weil die Bauherren des Münsters die Außenstreben einst zu niedrig anbringen ließen, sind die Gewölbemauern über die Jahrhunderte hinweg um bis zu acht Zentimeter nach außen gekippt, erklärt Bellinger. Um diesen Prozess aufzuhalten, werden zwischen den Gurtbogen unterhalb des Gewölbes Edelstahlanker gezogen. „Das sieht man oft in Kirchen, die im Übergang von der Romanik zur Gotik errichtet wurden.“