Firmensitz

Haribo verlässt Kessenich - aber nicht ganz

Haribo

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Kessenich. In das Gebäude des Haribo-Konzerns ziehen demnächst Untermieter ein. Ganz weg aus Kessenich ist der Goldbär damit aber noch nicht.

Was ist Kessenich ohne den Duft nach Lakritz? Als Hans Riegel in einem Hinterhof an der Bergstraße seine erste Produktionsstätte einrichtete, erfüllte der Geruch allerdings noch nicht die Straßen im Bonner Süden. Erst nach und nach baute der gelernte Bonbonkocher seine Firma zu internationaler Bekanntheit auf. Trotz des Umzugs des Hauptfirmensitzes Ende April auf die Grafschaft soll auch in Bonn ein Teil von Haribo erhalten bleiben.

Ausgestattet mit einem Kupferkessel, einem Sack voll Zucker und einer Marmorplatte startete Hans Riegel seine kleine Bonbonproduktion. Am 13. Dezember 1920 ließ der gelernte Bonbonkocher seine Firma als „Hans-Riegel-Bonn“, aus dem er das Akronym „Haribo“ ableitete, in das Handelsregister eintragen. Seine ersten Süßigkeiten, wie den Tanzbären, lieferte er noch mit dem Fahrrad an die Kioske aus. Als erste Mitarbeiterin unterstützte ihn seine Frau Gertrud. Zehn Jahre nach der Firmengründung war das Unternehmen bereits stark gewachsen – rund 160 Mitarbeiter waren für Riegel tätig. Der Unternehmer ließ daher 1930 den Firmensitz in Kessenich erweitern. Zwischen 1930 und 1933 entstand das Hauptgebäude der heutigen Fabrik.

Ein Stück Haribo bleibt

In den Kriegsjahren musste das Unternehmen mangels Rohstoffen die Produktion reduzieren. Nach dem frühen Tod von Hans Riegel im Alter von 52 Jahren, führte seine Frau die Geschäfte weiter, bis die Söhne Paul und Hans aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten und in das Unternehmen einstiegen. Zwischenzeitlich waren in Kessenich bis zu 1350 Mitarbeiter beschäftigt.

Mit dem Umzug auf die Grafschaft hat das Unternehmen zwar den Hauptgeschäftssitz nach Rheinland-Pfalz verlagert, ein Stück Haribo bleibt dennoch in Kessenich bestehen. Ein Teil der Produktion soll weiterhin in der Heimatstätte des Goldbären stattfinden, dafür bleiben die Produktionshallen und die Betriebsverwaltung stehen. In der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft werden neben dem Firmensitz auch das Zentrallager sowie moderne Produktionsstraßen errichtet. Das in den 1960er Jahren entstandene Verwaltungsgebäude an der Hans-Riegel-Straße wird deshalb nicht mehr benötigt. Für das Objekt hat das Unternehmen bereits einen Mieter gefunden. Die rund 4000 Quadratmeter großen Büroflächen wird in Zukunft die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) nutzen. Anfang kommenden Jahres will die BGHW einziehen, der Mietvertrag ist auf die nächsten 15 Jahre festgeschrieben. Aber auch ein paar Kilometer weiter südlich tut sich etwas. Auf dem Haribo-Gelände an der Friesdorfer Straße entsteht ein neues Gebäude für die Bad Godesberger Polizeiwache. Voraussichtlich 2020 sollen die Beamten dort ihre Arbeit aufnehmen. Für den Fabrikverkauf entsteht ebenfalls ein neues Gebäude.