Gerhard Lorth im Interview

Hardtbergs Altbürgermeister bemängelt Investitionsstau

Gerhard Lorth vor dem Duisdorfer Rathaus, seiner alten Wirkungsstätte.

Gerhard Lorth vor dem Duisdorfer Rathaus, seiner alten Wirkungsstätte.

Hardtberg. Um deutliche Worte und eine klare Kante war Gerhard Lorth nie verlegen. Vor zehn Jahren gab er sein Amt als Hardtberger Bezirksbürgermeister ab, das er 24 Jahre lang inne hatte. Aber auch im Ruhestand kann sich der 73-Jährige noch über das ein oder andere aufregen, das schief läuft. Mit ihm sprach Rolf Kleinfeld.

Herr Lorth, wie fühlt man sich als langjähriger Polit-Rentner?

Gerhard Lorth: Gut, ich habe keine Entzugserscheinungen. Aber ich habe das genau so geplant, 2008 das Bezirksamt abzugeben und 2010 nicht mehr für den Landtag anzutreten.

Seitdem halten Sie sich auffällig heraus mit politischen Bewertungen. Warum?

Lorth: Ich verfolge alles, aber will nicht als Besserwisser auftreten. Ich bin noch politisch, aber kein Politiker mehr. Trotzdem: Wenn ich um Rat gefragt werde, sage ich auch etwas.

Sagen Sie doch mal, was Sie an der Politik von heute stört?

Lorth: Es dauert alles zu lang, alle Verfahren brauchen zu viel Zeit. Selbst ein Briefmarken-Bebauungsplan dauert fünf Jahre, und das ist noch schnell. Man hätte damals das Beschleunigungsgesetz der Deutschen Einheit auf alle Verfahren übertragen müssen. Für die Bürger sind die Dinge auch nicht mehr nachvollziehbar bei diesen langen Zeitspannen.

Bürgerentscheide wie jetzt zu den Bonner Bädern gab es früher nicht. Schade?

Lorth: Nein, ich bin kein Freund dieser Bürgerbeteiligung. Wofür sind Politiker denn noch gewählt, wenn nachher die Entscheidungen über Bürgerbegehren oder Ratsbürgerentscheide abgewickelt werden?

Haben Sie eine Meinung zu den Bonner Bädern?

Lorth: Wenn ich was zu sagen hätte, würde das Kurfürstenbad renoviert. Punkt. Die Bad Godesberger fühlen sich vernachlässigt und sind frustriert. Das sitzt ganz tief und war bei Beuel früher im übrigen auch mal so. Deshalb muss man etwas für die Bad Godesberger tun.

Eine ihrer Forderungen war immer, wer bestellt bezahlt. Immer noch?

Lorth: Auf jeden Fall. Wenn der Bund uns Entscheidungen aufdrückt, muss er dafür bezahlen. Zum Beispiel bei den Kosten für Flüchtlinge. Die müsste der Bund zu 100 Prozent übernehmen. Außerdem ist das Steueraufkommen ungerecht verteilt. Bund und Länder halten viel zu viel Geld für sich zurück, die Städte und Gemeinden versinken in Schulden.

Was betrachten Sie im Rückblick als ihre Erfolge?

Lorth: Dass bei der S 23 die Finanzierung des zweigleisigen Ausbaus und der zusätzlichen Haltepunkte geklappt hat. Und dass ich die Abbruchgenehmigung für den alten Brünkerhof erreicht habe. Erst danach konnte das gesamte Areal bebaut werden.

Bei der S 23 redet man darüber, die Strecke auf elektrische Oberleitungen umzustellen. Ein guter Plan?

Lorth: Diese Elektrifizierung ist überflüssig wie ein Kropf. Die Bahn ist schnell genug. Man sollte die Züge lieber länger machen oder Hybrid-Fahrzeuge anschaffen.

Sie haben auch das Neubaugebiet Grüne Mitte durchgesetzt, gegen viele Widerstände.

Lorth: Genau. Das ist ein wunderbares Wohngebiet geworden. Und danach sind die Sozialdemokraten, die immer dagegen waren, genau dorthin gezogen, wo wir von der CDU angeblich die Fehlplanungen gemacht haben.

Wie finden Sie es, dass die Ex-Gallwitz-Kaserne bald zu einem riesigen Neubaugebiet wird?

Lorth: Gut ist das, denn irgendwann ist es mit der Nachverdichtung von Wohngebieten zu Ende. Aber wir haben noch mehr Flächen. Die Grüne Mitte ist erst zur Hälfte bebaut. Und in Lengsdorf-Süd gibt es fast 20 Hektar, für die eine fertige Planung vorliegt, die aber still und leise beerdigt wurde.

Warum?

Lorth: Da müssen Sie andere fragen.

Die Ansiedlung des Telekom Dome auf dem Hardtberg war auch Ihr Projekt. Zufrieden damit heute?

Lorth: Darauf bin ich stolz. Es ist überhaupt sehr zufriedenstellend zu sehen, was alles in meiner Zeit entstanden ist.

Noch ein Wort zur Entwicklung von Duisdorf bitte.

Lorth: Um Duisdorf ist mir nicht bange, auch nicht um die Fußgängerzone. Hotels und Ärzte bringen viel Publikum, es gibt viele Büros, und die Gastronomie läuft. Es gibt in Duisdorf sogar drei Studentenwohnheime, und das liegt an der guten Bahnanbindung. Früher wäre doch nie ein Student zu uns nach draußen gekommen.