Metal-Bands in Bonn

Hardcore-Fans geben sich die volle Dröhnung

Die Hardcoreband "Quantum" spielt im Rock + Pop Zentrum.

Die Hardcoreband "Quantum" spielt im Rock + Pop Zentrum.

Bad Godesberg. Im Rock- und Popzentrum finden lokale Bands wie „Reset, Reflect“ eine Bühne für ihre Musik. Die Subkultur kämpft jedoch noch um Anerkennung.

Am Freitagabend gab es nur eine Regel: Ohrenstöpsel raus. Denn die vier „Bands Quantum“, „Betray your idols“, „Reset, Reflect“ und „Their Decay“ grölten im Rock und Pop Zentrum (RPZ) ganz schön in die Ohren der Besucher. Eingefleischte Metal- und Hardcore-Fans hatte es allerdings nicht abgeschreckt – sie gaben sich die volle Dröhnung. „Die Hardcore-Szene in Bonn und Umgebung ist nicht besonders groß. Deshalb wollen wir genau solchen Subkulturen im RPZ eine Bühne bieten. Einnahmen sind dabei hintergründig“, erklärte Geschäftsführer Cyrus Valentine.

Warum gibt es so wenig Angebote für die Metal- und Hardcore-Szene in Bonn? Valentine vermutet, dass es in der ehemaligen Bundesstadt keine passenden Bühnen für Konzerte gibt. „Die Fangemeinde ist nicht so ausgeprägt wie im Pop, Rock oder Hip Hop, dementsprechend kommen auch nicht so viele Gäste.“ Für kleine Kneipen, die gerade am Wochenende Umsatz machen müssen, lohne sich so eine Veranstaltung nicht, glaubt Valentine.

Die fünf Jungs von „Reset, Reflect“ aus dem Raum Bonn, Köln und Koblenz machen vor allem die sozialen Medien dafür verantwortlich. „Heutzutage sind alle auf Facebook. Dort hat man als Band wenig Gestaltungsmöglichkeiten“, so Gitarrist Timo (29). Vor einigen Jahren bewegte sich die Szene hauptsächlich auf MySpace, dort konnte man die eigene Seite frei gestalten und mit Musik und Videos bestücken.

Außerdem findet Drummer Yan, dass es vor einigen Jahren noch mehr Bühnen für Metal und Hardcore in Bonn gab. „Seit es die ,Rheinkultur' in der damaligen Form nicht mehr gibt, haben wir keine wirkliche Bühne mehr.“ Sänger Sven witzelte schon immer: „Wir werden niemals in Bonn spielen.“ Dass doch noch Wunder geschehen, hat die Stadt dem RPZ zu verdanken. „Das Team und die Location sind super. Wir freuen uns, dass es endlich einen Ort gibt, an dem unsere Szene hier zusammenkommen kann“, freuen sich die Jungs.

Die fünf Jungs von „Their Decay“ aus Limburg versuchen, Konzerte in ganz Deutschland zu geben. Carlo Mess und Murch (beides Künstlernamen) sehen auch das Internet als Grund an, dass das Interesse an lokalen Bands aus dem Hardcore und Metal-Bereich sinkt. „Durch das World Wide Web kann sich jeder präsentieren, es gibt eine große Auswahl an Bands. Man muss heute sehr innovativ sein und sich von anderen abheben“, findet Murch. „Doch wie soll man das Rad neu erfinden?“, fragt er.

Ständig werde man mit den großen Künstlern wie Linkin Park verglichen. Auch sei die Technik so weit, dass heute jeder im eigenen Zuhause Songs aufnehmen und qualitativ hochwertig veröffentlichen kann. „Es ist einfach schwer, sich von anderen abzuheben“, so Carlo Mess. Die sozialen Medien forderten einen auf, ständig Inhalte zu liefern, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Egal was, Hauptsache Inhalt – das sei die Devise. Bei ihnen stehe die Qualität im Vordergrund.