Pantheon strebt Kooperation mit Theater Bonn an

Halle Beuel statt Beethovenhalle

BONN. Die Quartiersuche des Pantheon, das durch den Abriss des Bonn Centers heimatlos wird, bekommt eine neue Wendung. Die diskutierten Ausweichorte Kammerspiele Bad Godesberg und eine Option, ins Studio der Beethovenhalle zu ziehen, sind offenbar seitens des Pantheon vom Tisch.

Dafür rückt die Schauspielhalle Beuel mit ihrer insgesamt 1600 Quadratmeter großen Fläche in den Fokus. Martina Steimer, künstlerische Leiterin des Pantheon, ist mit einem Papier zur Standortfrage "Stadtentwicklung ist Kultur!" an die Öffentlichkeit getreten, das über die Standortfrage hinaus eine kulturpolitische Debatte anzetteln will. "Wir haben uns entschieden, die Option des Umzugs ins Studio der Beethovenhalle nicht weiter zu verfolgen."

Das Pantheon habe einen neuen Partner gefunden, verkündet Steimer: Man will mit dem Theater Bonn den Campus der Halle Beuel "mit seinen vielen, teilweise historischen Hallen zu einem attraktiven Ort machen", und zwar für mögliche Aktionen des Theaters, das Pantheon und "neu anzusiedelnde Initiativen". In seltener Einigkeit und mit einer gemeinsamen, interfraktionellen Erklärung haben sich die Fraktionen von CDU, SPD, der Grünen, der FDP und Linken im Rat der Stadt Bonn positiv zu den Plänen geäußert. Was nicht verwundert: Die Fraktionen waren beteiligt an dem Konzept.

Steimer will eine "Bestandsgarantie"

Man könne sich "in einer Zusammenarbeit vieles vorstellen und gemeinsam sicher auch erreichen", meint Steimer. Gekoppelt ist diese Vision eines Campus' in Beuel an eine kulturpolitische Forderung: Steimer will eine "Bestandsgarantie und weitere Unterstützung der städtischen Bühnen und auch die Erhaltung der Kammerspiele".

"Wir sind ein Traumpaar", sagte Generalintendant Bernhard Helmich zur Intitiative des Pantheon, er sieht darin eine "attraktive Variante". Helmich könnte sich vorstellen, ab 2016 die Halle Beuel abzugeben und die Theaterarbeit auf die Kammerspiele und die Werkstatt zu konzentrieren. Voraussetzung: Dass die Zukunft des Schauspiels mit einer funktionierenden Hauptspielstätte garantiert und dem Theater hierfür auch über 2018 hinaus ein Etat zugesichert werde, "der den bisherigen Spielbetrieb in vollem Umfang ermöglicht". "Es ist ein Modell, das vor dem Hintergrund der Spardebatten dem Pantheon und dem Schauspiel eine Zukunft bieten könnte", sagte Helmich.

Mit dem Szenario könnten aber, so der Theaterchef weiter, die angepeilten Einsparmöglichkeiten durch die Aufgabe der Spielstätte Kammerspiele nicht gehalten werden.

Auf dem Gelände der städtischen Halle Beuel stünden, so Helmich, neben der Hauptspielstätte Halle Beuel noch die früher vom Theater Bonn genutzten Malersaal und Lampenlager zur Verfügung, beide allerdings seit einem Jahr aus Brandschutzgründen geschlossen.

In ihrer gemeinsamen Erklärung unterstützen der Ratsfraktionen das Projekt, "dass das Pantheon in der Halle Beuel eine neue Heimat finden kann", ausdrücklich. "Nachdem auf der Suche nach einer geeigneten Spielstätte verschiedene Varianten geprüft wurden, ist ausschließlich das Gelände an der Halle Beuel geeignet und zeitnah realisierbar", so die Fraktionen einhellig.

Für den Standort spreche zudem, dass dort auch die für das wirtschaftliche Bestehen des Pantheon notwendige Gastronomie betrieben werden könne. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch begrüßt den "vielversprechenden Lösungsansatz", will aber das Theater nicht aus der Sparpflicht entlassen: "Es ist dabei nicht hilfreich, wenn das Theater Bonn sich bei dieser Gelegenheit offenbar aus den gemeinsamen Bemühungen verabschieden möchte, unseren Kindern und Enkeln ab 2021 keine neuen Schulden mehr aufzubürden."

Beuel als lachender Dritter

Beuels stellvertretender Bezirksbürgermeister Ralf Laubenthal sieht seinen Stadtbezirk als lachenden Dritten: "Wir werden die Beteiligten bei der Umsetzung nach Kräften unterstützen und den Herren Litzmann und Schwaderlappen bei ihrem schweren Gang über den Rhein mit Rat und Tat zur Seite stehen."

In enger Absprache mit dem Pantheon und dem Theater haben die Fraktionen gestern Abend einen gemeinsamen Dringlichkeitsbeschluss im Kulturausschuss eingebracht mit dem Auftrag an die Verwaltung, Verhandlungen zwischen der Intendanz der Bonner Bühnen und den Betreibern des Pantheon aufzunehmen. Der Beschluss bezieht sich aber nur auf die eine Seite des Konzepts: Pantheon in die Halle Beuel. Die Kammerspiele werden nicht erwähnt, es ist lediglich von einem "Zukunftsplan für die Bonner Bühnen" die Rede.

Der Linken-Politiker Jürgen Repschläger versuchte seine Ratskollegen noch umzustimmen: "Der Deal muss zur Voraussetzung haben, dass die Kammerspiele erhalten bleiben." Ohne Erfolg.