Mehrere Verletzte am Bonner Hofgarten

Haftbefehle nach blutiger Auseinandersetzung

BONN. Nach der Auseinandersetzung mit mehreren Verletzten am Bonner Hofgarten hat die Staatsanwaltschaft an diesem Montag Haftbefehl gegen drei mutmaßliche Täter erlassen. Auch gibt es erste Erkenntnisse zum Auslöser des Streits.

Einen Tag nach der höchst blutigen Auseinandersetzung an der U-Bahnhaltestelle „Uni/Markt“ hat die Staatsanwaltschaft an diesem Montag gegen zwei Männer im Alter von 20 und 26 Jahren sowie eine 22-jährige Frau Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung erlassen. Laut Polizeisprecher Robert Scholten sei kein Messer bei der Auseinandersetzung benutzt worden, sondern Flaschen und Scherben. Auch habe der Streit nichts mit der Drogenszene zu tun. Vielmehr hätten sich zwei Gruppen bestehend aus den drei Tätern und den vier Opfern zufällig getroffen und seien dann wegen einer „Nichtigkeit“ in Streit geraten.

Es war ein Bild des Schreckens, das sich am Sonntag gegen 9 Uhr an der U-Bahn-Haltestelle Universität/Markt bot. Der Treppenabgang mit Flatterband abgesperrt. In einer großen Blutlache liegt Kleidung. Überall nummerierte Spurenmarkierungen der Kriminalpolizei. Spritzenreste, Verbandsmaterial und Einmalhandschuhe sind zu sehen – Spuren der Notfallbehandlung durch Sanitäter und zwei Ärzte. In Richtung der Straße Am Hofgarten sind Schuhe und weitere Kleidungsreste verstreut. Ermittler sichern herumliegende Flaschen – möglicherweise hatten auch sie eine Rolle bei dem Angriff gespielt. „Hier ist schon sehr, sehr viel Blut geflossen“, sagt ein erfahrener Polizist.

Der Notruf kam in der Nacht zum Sonntag gegen 3.44 Uhr: An der Haltestelle waren mehr als zehn Personen brutal aufeinander losgegangen. Die Polizei schickte mehrere Streifenwagen los. Vor Ort fanden die Beamten vier Männer, die Stich- und Schnittverletzungen erlitten hatten. Ein 20-Jähriger schwebte in Lebensgefahr und wurde nach der Notversorgung in die Universitätsklinik gebracht. Bis zum Nachmittag besserte sich sein Zustand nach Polizeiangaben. Die drei anderen Männer (18, 26 und 35 Jahre alt) kamen mit leichteren Verwundungen ins Krankenhaus.

Ermittlungen wegen versuchtem Tötungsdelikt

Unter Tatverdacht nahm die Polizei in der Nacht die zwei Männer im Alter von 20 und 26 Jahren sowie die 22-jährige Frau fest, die nun dem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Mordkommission unter Leitung von Dietmar Kaiser ermittelte in Abstimmung mit Staatsanwalt Sebastian Weikinger zunächst wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes.

Nach GA-Informationen soll es sich bei den beiden festgenommenen Männern um Libanesen handeln, bei der Frau um eine Deutsche. Die Verletzten stammen demnach aus Afghanistan, dem Irak und dem Iran.

Die Spurensicherung am Sonntag dauerte mehrere Stunden. Die Stadtwerke konnten die Haltestelle deshalb erst wieder gegen Mittag bedienen. An der weiträumigen Absperrung musste die Polizei immer wieder mit Fußgängern und Joggern diskutieren, die trotzdem passieren wollten.