Kommentar zum Melbtal

Hände weg vom Melbtal

Gefährlicher als je zuvor ist diese Treppe, nachdem der BLB Geländer und Handläufe entfernen ließ.

Gefährlicher als je zuvor ist diese Treppe, nachdem der BLB Geländer und Handläufe entfernen ließ.

Ippendorf. Die Bonner lieben ihre Naherholungsgebiete. Das Melbtal, den Stadtwald, den Kottenforst, den Ennert. Und wenn dort plötzlich Fußwege gesperrt werden, ist mit Volkes Zorn zu rechnen.

Das war so, als die Stadtförsterei an der Waldau vor drei Jahren den schönsten Pfad durch den Kopfbuchenwald dicht machte, und das ist jetzt so bei den Pfaden, die durchs idyllische Melbtal führen.

Die Bürokratie hat dabei mal wieder mit aller Macht zugeschlagen. Anstatt in Ruhe und peu á peu defekte Treppenstufen und ausgetretene Brückenbretter zu erneuern, sperrte der Landesbetrieb den ganzen Wald großräumig ab, kümmerte sich aber nicht um genau die Stellen, die wirklich Gefahren darstellen, nämlich die morschen Brückenübergänge. Sie sind offiziell weiter nutzbar. Auch die stillgelegte Treppe hoch zum Uni-Institut stellt erst jetzt eine wirkliche Gefahr dar, weil der Landesbetrieb die Pfosten und Geländer entfernen ließ.

Das spricht erstens nicht für Fingerspitzengefühl, und schon gar nicht für Ortskenntnis und Wissen um die Gewohnheiten der Melbtal-Nutzer. Andererseits passt es wiederum zu der Peinlichkeit, dass die zuständige Behörde angeblich überhaupt nichts von den „Einbauten“ im Wald – also den Treppen und Brücken – gewusst hat.

Ein Waldstück wie dieses ist auch anders als ein einzelner Waldweg nicht abzusperren – dafür ist das Gelände zu großräumig. Insofern war die Reaktion der Nutzer vorhersehbar. Denn die ärgert noch etwas anderes, weshalb sie offenbar zur Selbsthilfe gegriffen und die Absperrungen beiseite gestellt haben (ohne sie im Übrigen zu zerstören).

Dass im Wald plötzlich Schilder stehen, die auf ein Privatgrundstück hinweisen und das Betreten untersagen, mag zwar formalrechtlich stimmig sein, aber auch das Betreten eines privater Forstes ist in Deutschland erlaubt. Und Flächen des Landes NRW sind öffentliche Flächen, die in letzter Konsequenz den Bürgern und Steuerzahlern gehören. Und die kann man nicht aussperren. Also: Hände weg vom Melbtal.