Sportentwicklungsplan für Bonn

Gutachter untersucht Bonner Sportanlagen

Bettina Wittek trainiert im Fitness-Center im Sportpark Nord - mit Blick ins Stadion, das die Stadtverwaltung bald modernisieren will.

Bettina Wittek trainiert im Fitness-Center im Sportpark Nord - mit Blick ins Stadion, das die Stadtverwaltung bald modernisieren will.

Bonn. Nach jahrelangen Diskussionen startet die Stadt Bonn ein 190.000 Euro teures Projekt. Das Ziel ist, ein Sportentwicklungskonzept aus einem Guss zu erstellen.

Geredet haben Rat und Stadtverwaltung schon lange darüber, jetzt sollen Fakten auf den Tisch: Die Stadt Bonn hat einen Gutachter beauftragt, der einen Sportentwicklungsplan zur Zukunft der größtenteils maroden Freianlagen und Hallen erarbeiten wird. Der 190 000 Euro schwere Auftrag ging an den Sportwissenschaftler Robin Kähler (siehe „Der Gutachter“) und soll binnen zwei Jahren in konkrete Empfehlungen münden.

Der Gutachter und sein Team sollen eine Bestandsaufnahme der 100 städtischen Sporthallen und 52 Freiluftplätze machen, die Bedürfnisse der Vereins-, Freizeit-, Betriebs- und Schulsportler untersuchen und eine Perspektive für die nächsten 20 Jahre entwerfen. Vereine und Schulen werden schriftlich befragt – auch zum baulichen Zustand ihrer Anlagen. Ausgewählte Sportstätten soll der Gutachter nach Rücksprache mit dem städtischen Gebäudemanagement genauer in Augenschein nehmen.

„Wir stoßen damit eine sportpolitische Diskussion an“, betont Martin Schumacher, der Beigeordnete für Kultur und Sport. „Wir wollen mit den Bürgern überlegen, wie wir Bonn trotz der bekannten Finanzsituation als Sportstadt profilieren.“ Nach einer noch nicht terminierten Auftaktveranstaltung in den kommenden Wochen werde es Angebote für Bürgerbeteiligung geben. Am Ende könnten laut Schumacher „drei bis vier starke Schwerpunkte“ stehen, während die Stadt „in anderen Bereichen womöglich kürzer treten“ werde. Der Gutachter habe aber keine Vorgabe, nach Spar- oder Schließungspotenzial zu suchen.

Das ist dem Stadtsportbund Bonn (SSB) wichtig, in dem 80.000 Sportler aus 380 Vereinen organisiert sind. „Entscheidend an diesem längst überfälligen Projekt ist, den tatsächlichen Bedarf zu analysieren“, sagt SSB-Geschäftsführer Bernd Seibert. Er sieht den Sportentwicklungsplan als Auftakt für einen dauerhaften Prozess. Dabei könnten Sportvereine auch Betrieb und Pflege städtischer Sportanlagen übernehmen, damit die Kommune Geld spart. Ein Pilotprojekt für drei Objekte hat der SSB jedoch vorerst auf Eis gelegt, weil die Stadtverwaltung nicht in der Lage war, konkrete Angaben zu Betriebskosten, Energieverbrauch und Sanierungsbedarf zu machen.

All diese Daten soll Gutachter Kähler nun für ein Sportstättenkataster ermitteln. Bei Sanierungsentscheidungen werde es aber nicht nur um bauliche Aspekte gehen, unterstreicht Sportamtsleiter Stefan Günther. Ein Kriterium sei auch, welche soziale Bedeutung zum Beispiel eine bestimmte Turnhalle im Stadtviertel habe.

Bonn will rund 10 Millionen Euro investieren

Die Stadt will allein in diesem Jahr 9,7 Millionen Euro in Sportstätten investieren. Vier neue Kunstrasenplätze stehen auf dem Plan; zwei weitere, seit 2016 im Bau, sollen fertig werden. Der Sportpark Nord und die Anlage in Pennenfeld müssen laut Sportamt „dringend“ modernisiert werden. Auch bei älteren Flutlichtanlagen zeichne sich erheblicher Sanierungsbedarf ab. Aufmöbeln will die Stadt die Baseball-Anlage in der Rheinaue, weil dort 2018 die Baseball-Europameisterschaft ausgetragen wird.

Was Flutlicht, neue Zäune und die Ertüchtigung des Platzes kosten, ist unklar. Die Planung habe begonnen, so Sportamtsleiter Günther. Er hat den Rat überzeugt, ihm für das Koordinieren der nötigen Maßnahmen eine zusätzliche Stelle zu bewilligen. Aus haushaltstechnischen Gründen finanziert die Stadt die Stelle in den ersten beiden Jahren mit 72 000 Euro aus der Sportförderung für die Vereine (1,3 Millionen Euro jährlich). SSB-Geschäftsführer Seibert: „Wir haben sofort zugestimmt. Die Stelle ist nötig.“