Offenes Singen in der Endenicher Burg

Grooven unterm Dach

Hansjörg Schall spielt Gitarre, die Teilnehmer singen dazu Lieder aus ganz verschiedenen Genres.

Hansjörg Schall spielt Gitarre, die Teilnehmer singen dazu Lieder aus ganz verschiedenen Genres.

ENDENICH. "Offenes Singen und Grooven" heißt es in regelmäßigen Abständen auf dem ausgebauten Dachboden der Endenicher Burg. "Dat mät mir nix, wat is ät warm, kolossal warm..." singen die zwölf Frauen und Männer. Alle wippen im gleichen Rhythmus von einem Fuß auf den anderen hin und her.

Das Fenster ist bei der schwülwarmen Luft geöffnet, und der sanft rauschende Wind durch die Blätter des alten Baumes gegenüber macht die Stimmung unter dem Dach perfekt.

Einen imaginären "Harvey" sollen sich die Teilnehmer dann vorstellen. "Der steht hinter euch", erklärt Gesangspädagoge Hansjörg Schall, und alle lachen. "Ihr dreht euch einfach um und singt »Hallo Harvey« und dreht euch dann wieder nach vorne und groovt einfach im Takt weiter." Wird gemacht, und es klappt auf Anhieb. "Der Brustkorb wird gelockert, und ihr seid auch ein bischen abgelenkt und singt einfach drauf los", erläutert Schall die Übung in seinem schwäbischem Singsangakzent, während er gleichzeitig auf seiner Gitarre begleitet.

Tonleitern, auch von seiner Gitarre begleitet, folgen in der Aufgabenstellung. Dann sogar zweistimmig. Die Männer tief, die Frauen hoch, dann werden die Tonleitern wieder einstimmig gesungen. Zwischendurch gibt es noch einen "Tagesverfassungsblues". Selbst komponiert von Hansjörg Schall, was dem ausgebildeten Jazzsänger nicht weiter schwerfällt. Immer wieder improvisiert er. Auf alles - und wenn es nur eine kleine Bemerkung über Kontaktlinsen ist. Schon wird ein Blues daraus oder eine Jazzphrase.

"Humor ist mir wichtig", erzählt der in Sindelfingen geborene Hansjörg Schall. Das Repertoire, das er mit seinen Teilnehmern meist in spontanen Gesangstreffen singt, mit schüchternen Anfängern genauso wie mit Profis, beinhaltet Jazz, Pop, Lieder und selbst geschriebene oder eigens arrangierte Stücke. Auch Karnevalslieder gehören mittlerweile mit zum Programm. "Über die Texte der Karnevalsmusik bekommt man in Bonn sofort Kontakt", weiß Schall aus eigener Erfahrung.

"Singen ist etwas Tolles. Singen ist ein Menschenrecht", meinte Tenor Wolfgang Lechner zwischendurch begeistert. Ines Schäfer hatte "am Samstag einfach Lust zum Singen", erklärte sie ihre spontane Teilnahme. Nach gut zwei Stunden war dann Schluss. Sogar ein kleiner mehrstimmiger Chor war zum Schluss zustande gekommen. Mit - wie die Sänger und Sängerinnen fanden - schönen Tönen.

Das nächste offene Singen in der Endenicher Burg ist am 10. Oktober. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.voice-connection.de.