Infoveranstaltung in Bonn

Großer Andrang und Proteste beim Tag der Bundeswehr in Bonn

Auf dem Marktplatz findet der Tag der Bundeswehr statt.

Auf dem Marktplatz findet der Tag der Bundeswehr statt.

Bonn. "Willkommen Neugier" lautete das Motto des diesjährigen Tages der Bundeswehr, der am Samstag auf dem Marktplatz viele Teilnehmer und Besucher hatte. Doch es gab auch Proteste.

„Willkommen Neugier“ lautete das Motto des vierten Tages der Bundeswehr, der am Samstag in 16 deutschen Städten und zum dritten Mal auch in Bonn ausgerichtet wurde. Man wolle in das „Herz der Stadt“, sagte Generalleutnant Martin Schelleis bei seiner Begrüßung auf der Bühne vor dem Alten Rathaus mit Oberbürgermeister Ashok Sridharan und NRW-Innenstaatssekretär Jürgen Mathies. Der Inspekteur der Streitkräftebasis lud dazu ein, „mit ganz normalen Soldaten und zivilen Mitarbeitern ins Gespräch kommen“. Und mit Gegendemonstranten: Mehrere Friedensorganisationen und Parteien hatten Stellung bezogen und machten mit Aktionen auf sich aufmerksam.

In Kontakt kommen wollten auch Andreas und Tim, beide 18 Jahre alt und aus Bergisch Gladbach angereist. Sie interessierte das Berufsspektrum bei der Bundeswehr abseits vom Dienst an der Waffe. „Die Auslandseinsätze sehe ich kritisch“, sagte Andreas. Die Bundeswehr sei als Verteidigungsarmee gegründet worden und sollte dabei auch bleiben. Beide sehen die Bundeswehr als mögliches Sprungbrett für eine Karriere.

Auch Stefan Koller vom Zentrum für Geoinformationswesen der Bundeswehr stellte seine Arbeit vor. Der Biologe ist dort einer von vielen Quereinsteigern. „Wir gewinnen Daten über Geofaktoren“, sagte er. Dazu gehörten Topographie, Vegetation, Wetter, Bebauung, Zugvogelaufkommen und Umwelteinflüsse. „Unsere Arbeit ist anspruchsvoller, seit die Bundeswehr an Auslandseinsätzen teilnimmt“, so Koller. Seitdem gibt es auch die Feldpost, die ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Sie war eine der Institutionen der Bundeswehr, die sich am Samstag vorstellten, von Marine, Luftwaffe und Heer über die Militärseelsorge und das „Haus der Betreuung“ des Soldatenhilfswerks bis zum Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge und dem Veteranenverband. Die Veranstaltung war gut besucht, aber die vielen Stände ließen wenig Platz.

Marius, Lisa und Benjamin hatten unterschiedliche Meinungen zur Veranstaltung. „Ich finde sie gut, denn es ist ein wichtiger Job, den die Soldaten erledigen“, sagte Benjamin. Marius fand dagegen die Soldaten in Uniform, „die mit Luftballons Kindern den Dienst an der Waffe schmackhaft machen wollen“, abschreckend. Die Bundeswehr könne sich ja präsentieren, „aber vielleicht nicht in so einer Volksfestatmosphäre“. Lisa meinte, der Tag biete die Möglichkeit, sich eine Meinung zu bilden.

Demonstranten meldeten sich lautstark zu Wort, als Schelleis sprach, später auch bei der Übertragung der Rede von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus Oldenburg. Ihnen hatte man einen Teil des Marktplatzes überlassen, nach dem Motto „Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst“. Bunteste Aktion war „Unicorns against Uniforms“: Als Einhörner verkleidet verteilten die Aktivisten Flugblätter. Sie kritisierten den großen Wehretat, die teuren Auslandseinsätze und die Rekrutierung von 17-Jährigen mit Genehmigung der Eltern. „Panzer und kleine Kinder im öffentlichen Raum sind nicht die Werbung, die wir wollen“, sagte Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative. Immerhin würden keine Schusswaffen mehr vorgeführt.