Salafistenszene

Grillfest in Tannenbusch mit Zündstoff

Im Grünzug Nord in Tannenbusch trafen sich zahlreiche Anhänger der Salafistenszene, die den Reden bekannter Prediger lauschten. Das belegt dieser Screenshot einer Facebook-Seite.

BONN. Das "Grillfest muslimischer Mitbürger", wie es die Polizei einen Tag danach am Pfingstmontag noch genannt hatte, entpuppt sich zunehmend als Treffen radikaler Muslime, sogenannter Salafisten, und ihrer Prediger.

Prominente Redner im Grünzug Nord am Waldenburger Ring waren unter anderem Pierre Vogel und sein Mitstreiter Sven Lau, der von Mitte Februar bis Mai in Untersuchungshaft saß, weil er verdächtigt wurde, eine terroristische Vereinigung in Syrien unterstützt zu haben.

Die Anklage gegen ihn wurde schließlich zurückgenommen, da laut Staatsanwaltschaft Stuttgart Zweifel bestanden, ob die Vorwürfe gegen Lau für eine Verurteilung ausreichen. Redner war auch Abu Dujana, Bonner Kopf des radikalislamischen Netzwerks "Die wahre Religion", das mittlerweile europaweit auf Straßen Korane verteilt.

Aus Ludwigshafen war Bernhard Falk angereist, Jahrgang 1967, ein ehemaliger militanter Linksterrorist, der von 1999 bis 2008 im Gefängnis saß und dort zum Islam konvertierte. Veranstalter war nach GA-Informationen der ehemalige Sprecher des Bonner Rats der Muslime, Karim Lakhal.

Er organisiert nicht nur regelmäßig große Treffen für Salafisten, sondern gehört wie Abu Dujana und Lau zu Unterstützern der Organisation "Helfen in Not". Diese stuft der Verfassungsschutz als extremistisch-salafistische Bewegung ein, die Hilfsgüter nach Syrien transportiert, dort aber auch den Bau von salafistischen Koranschulen finanziert.

Auch am Mittwoch, drei Tage nach dem Treffen, konnte die Polizei nicht sagen, ob der Staatsschutz der Bonner Polizei im Bilde war. Immerhin hatten Lakhal und andere Mitglieder der Szene schon Tage zuvor für das "Grillfest mit Vorträgen" am Waldenburger Ring geworben. Auf Anfrage, was und ob die Polizei im Voraus überhaupt etwas wusste und ob sie das Treffen im öffentlichen Raum nicht hätte verhindern können, ja müssen, konnte Polizeisprecher Christoph Schnur am Mittwoch keine Antwort geben.

Widersprüchliche Angaben gibt es in Bezug auf die Teilnehmerzahl. Die Polizei sprach von etwa 100 Teilnehmern, Bernhard Falk sagte dem GA am Mittwoch, es seien 100 Männer und 100 Frauen dort gewesen, streng voneinander getrennt, "darüber hinaus gab es ein reges Kommen und Gehen". Ein Anwohner, ein ehemaliger Bundespolizist, nannte eine Zahl von rund 400 Teilnehmern.

Anders als die Polizei bekundete Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann, dass die Stadt von der Veranstaltung nichts wusste, sprich von der Polizei auch nicht darüber informiert worden war. Der Ordnungsdienst war dementsprechend ahnungslos nach Anwohnerbeschwerden zum Grünzug Nord gefahren. Jetzt läuft, wie berichtet, ein Bußgeldverfahren, "denn die Veranstaltung hätte angemeldet werden müssen, weil unter anderem eine Beschallungsanlage zum Einsatz kam", so Hoffmann.

Ob die Zusammenkünfte Gebetstreffen, Benefizveranstaltungen oder Grillfeste genannt werden, spielt aus Sicht des NRW-Verfassungsschutzes eine untergeordnete Rolle: "Offensichtlich nutzen die Protagonisten die ganze Bandbreite, um Jugendliche in die Radikalisierungsfalle zu locken." In einer solchen "Paten"-Rolle für salafistische Jugendliche sieht die Berliner Islamismusexpertin Claudia Dantschke auch Bernhard Falk.

Der zeigte dem GA gegenüber Verständnis für all die Männer und Frauen, die nach Syrien in den Dschihad reisen. Wie sie strebt auch Falk ein "Kalifat", einen Gottesstaat an: "Muslime haben ein Recht auf einen eigenen Staat - zur Not mit Waffengewalt."