Festival in Bonn

Green Juice Festival wird zur großen Party im Schlamm

Trotz Matsch und mäßigem Wetter waren die Besucher beim Green Juice bester Laune.

Trotz Matsch und mäßigem Wetter waren die Besucher beim Green Juice bester Laune.

Bonn. Nach der wetterbedingten Absage am Freitag konnte das Green Juice Festival am Samstag wie geplant stattfinden. Es wurde zu einer riesigen Party im Schlamm mit jeder Menge guter Laune.

Ob Wiese oder Acker, Hauptsache es rockt: Mit Gummistiefeln und jeder Menge guter Laune haben rund 5500 Menschen am Samstag den zehnten Geburtstag des Green Juice Festivals gefeiert und sich von dem schlammigen Boden nicht aus der Fassung bringen lassen. Ausgelassen genossen sie die krachende Musik von Bands wie Milenia, den Hamburger Party-Experten Le Fly oder dem Headliner Madsen, tanzten im Matsch und hatten mitten in Bonn-Vilich viel Spaß.

Eine glückliche Wendung für die Veranstalter, die einen Tag zuvor die geplanten Auftritte von fünf Bands kurzfristig absagen mussten, weil die Sicherheit der Besucher angesichts eines völlig überfluteten und selbst für Rettungswagen unbefahrbaren Geländes nicht hätte gewährleistet werden können. „Die Beschaffenheit des Geländes lässt einfach keinen sicheren Festivalbetrieb zu“, erklärte Pressesprecher Johannes Klockenbring dazu.

Freigabe am Freitag wäre zu riskant gewesen

„Wir kommen mit Fahrzeugen nicht aufs Gelände, sodass also weder die Bands ihr Equipment noch Händler ihre Waren zu den Imbiss- und Getränkebuden bringen können. Und wenn einem Besucher was passiert und der Notarztwagen im Schlamm stecken bleibt, wäre das erst recht eine Katastrophe.“ Auch Gerd Mainzer, Leiter der Polizeiwache Ramersdorf, verwies auf den Sicherheitsaspekt: „Bei den herrschenden Bedingungen wäre eine Freigabe des Geländes für mehrere Tausend Besucher einfach zu riskant.

 

„Dann müsst ihr jetzt eben doppelt so viel Gas geben“, rief Le-Fly-Frontmann Schmiddlfinga am Nachmittag – und die Menge folgte ihm nur allzu gerne bis in die späten Abendstunden.

Die Begeisterung des Publikums war überall spürbar. „Es ist schon cool hier“, sagte etwa Pia Wolff, die vor allem wegen Madsen nach Vilich gekommen war. „Zum letzten Mal war ich glaube ich vor sechs Jahren hier, aber die Atmosphäre ist noch genau so toll wie damals.“ Eigentlich hatte sie schon am Tag zuvor zusammen mit ihrer Freundin Leonie Weller auf das Gelände kommen wollen. „Das war natürlich schade“, erzählte diese. „Wir sind dann ins Bla gegangen, wo Lygo gespielt hat, allerdings war es da tierisch voll. Es gab ja noch eine große Party im Brückenforum, da sind wir dann aber nicht mehr hingegangen.“

Royal Republic spielte Akustik-Set

Besagte Party hatten die Organisatoren um die Brüder Simon und Julian Reininger ursprünglich für all jene geplant, die nach den Freitagskonzerten immer noch Lust auf Musik hatten; nachdem der Festivaltag in seiner eigentlichen Form ins Wasser gefallen war, hatten sie kurzerhand umdisponiert, die Veranstaltung im Brückenforum vorverlegt und alle gebuchten Bands überreden können, zumindest ein paar Stücke in der Halle zu spielen (die Headliner Royal Republic traten unter ihrem Pseudonym The Nosebreakers mit einem Akustik-Set auf).

„Das hat wieder einmal gezeigt, was für ein großartiges Team wir haben“, erklärte Julian Reininger. „Die Hälfte der Leute ist mit mir rübergefahren, hat aufgebaut, sich hinter die Theke gestellt und gut 2000 Besuchern einen schönen Abend geboten, während mein Bruder mit etwa 20 Mann hier vor Ort geackert hat, Lavasteine und Bodenplatten verlegte und so dafür sorgte, dass wir heute überhaupt hier stehen können. Ich bin restlos begeistert.“

Kann das Festival 2018 wieder stattfinden?

Das sah auch das Publikum so. „Es ist echt klasse, was die Junge hier auf die Beine stellen“, erklärte Jonas Wehner. „Die wenigsten Veranstalter hätten wahrscheinlich beides gleichzeitig hinbekommen, die Party im Brückenforum und die Arbeiten hier auf dem Gelände.“ Auch wenn letzteres am Samstag trotz aller Bemühungen weiterhin eine Schlammgrube war.

 

„Ja“, sagt Elias Wehner lachend, „beim Springen und Tanzen bleibt man leider manchmal stecken. Aber sonst ist es super.“ Die Stimmung kippte selbst dann nicht, als es pünktlich zum (hervorragenden) Auftritt von Itchy einen kurzen Regenschauer gab. Jacken an oder Planen drüber und weiter gings. Sänger Sebastian Hafner ließ es sich auch nicht nehmen, auf einem vom Publikum getragenen Koffer ein kleines Gitarren-Solo zu spielen. Und als dann schließlich um 21.40 Uhr Madsen auf die Bühne kamen und voller Elan abrockten, rastete die Menge völlig aus.

Würde es also nur danach gehen, könnte Green Juice im nächsten Jahr weitermachen. "Die wirtschaftlichen Folgen der Absage am Freitag müssen wir allerdings noch genau prüfen und sehen dann, wie es um das Festival steht. Wir tun auf jeden Fall alles dafür, dass es auch ein Green Juice Festival 2018 gibt! Momentan sieht die Lage finanziell ziemlich problematisch aus", so Reininger. „Wir haben schon einen Termin und wir haben Bock“, meint er jedoch hoffnungsvoll weiter.