13 Trauerhallen sollen geschlossen werden

Grabstätten stehen in Bonn auf dem Prüfstand

Trauerhäuser auf Bonner Friedhöfen sollen geschlossen werden. Das Foto zeigt die Trauerhalle in Mehlem.

Trauerhäuser auf Bonner Friedhöfen sollen geschlossen werden. Das Foto zeigt die Trauerhalle in Mehlem.

Bonn. Das Friedhofskonzept wird bis 2019 fortgeschrieben - das beschloss der Bonner Stadtrat. Schließungen sind nicht ausgeschlossen. Die Ausgestaltung der Friedhofsgebühren hingegen ist nicht Teil des Konzeptes.

Über Jahre wurde das Papier entworfen, umformuliert, überarbeitet und diskutiert. Nun ist das Friedhofskonzept endgültige in Form gegossen. Ohne Debatte winkten die Politiker im Stadtrat das knapp 140 Seiten starke Schriftstück durch, das zuvor in den Bezirksvertretungen teilweise ausführlich debattiert worden war. Vor allem die geplante Schließung einer Reihe von Trauerhallen hatte die Gemüter erhitzt. Die Ausgestaltung der Friedhofsgebühren hingegen ist nicht Teil des Konzeptes.

Insgesamt sollen 13 Trauerhallen – gegen einigen Widerstand in den jeweiligen Ortsteilen – geschlossen werden, davon zwei im Stadtbezirk Bad Godesberg (Lannesdorf und Mehlem), drei in Beuel (Geislar, Holzlar und Vilich-Müldorf), fünf im Bonner Westen (Röttgen, Kottenforst, Lengsdorf alt und neu, Ippendorf alt) sowie jene auf den Friedhöfen in Kessenich (neu), Lessenich und Graurheindorf.

Bis auf wenige Ausnahmen werden die Kühlzellen auf den Friedhöfen zurückgebaut. Zudem werden Friedhofsbesucher künftig dort nicht mehr die öffentlichen Toiletten nutzen können. Sie sollen aus Kostengründen nur noch bei Beerdigungen geöffnet sein – allerdings nur auf Nachfrage.

40 Friedhöfe in Bonn

Im Rat ging es nun wieder ums Große und Ganze. Ausgangspunkt für das neue Konzept waren einerseits die für eine Stadt in der Größe Bonns ungewöhnlich große Zahl von 40 Friedhöfen und andererseits die Veränderungen in der Bestattungskultur gewesen. Durch den erhöhten Anteil an Urnengräbern wird auf lange Sicht weniger Friedhofsfläche benötigt; zugleich aber müssen die ungenutzten Flächen gleichermaßen gepflegt werden. Langfristig kommt somit zumindest theoretisch auch die Arrondierung von Flächen infrage. Konkret stehen der alte Friedhof in Ippendorf und der alte Kessenicher Friedhof mittelfristig auf der Streichliste.

Von zusätzlichen Schließungen, einer weiteren Zentralisierung und damit verbundenen weiteren Wegen, wie sie in den Ortszentren schon befürchtet werden, steht in dem Konzept dezidiert nichts. Aus Sicht der Verwaltung, so hieß es jetzt in der Beschlussvorlage für den Rat, seien „derzeit keine weiteren Flächenreduzierungen oder Schließungen von Friedhöfen möglich“.

Kritische Prüfung unterbetriebswirtschaftlicher Abwägung

Die Stadt gibt aber zugleich zu erkennen, dass sich diese Bewertung mit der Zeit ändern könnte. So soll der Erhalt einzelner Friedhöfe oder Teilflächen auch künftig „unter betriebswirtschaftlicher Abwägung kritisch geprüft werden“. Dies, so rechnet die Verwaltung vor, werde sich aus Sicht der Bürger auch positiv auf die Gebührenkalkulation auswirken.

Bereits jetzt sind knapp 110.000 Quadratmeter Friedhofsflächen in Bonn nicht belegt und werden als „neutrale Flächen“ aus der Gebührenkalkulation herausgerechnet. Ihre Pflege wird wie bei Grünanlagen aus dem allgemeinen Haushalt getragen. Alle fünf Jahre wird ab sofort überprüft, wie viel Friedhofsfläche Bonn braucht. Als Schlüsselmaß gilt dabei das Maß von zweieinhalb Quadratmetern Friedhofsfläche je Einwohner.

Abgeschlossen ist das Thema Friedhofskonzept damit jedoch längst nicht: Vielmehr soll es die Verwaltung bis Ende 2019 fortschreiben. Im Fokus steht dann auch die Frage, was mit den Flächen aufgegebener Friedhöfe geschehen kann und soll. Auch dürfte ein Thema wiederkehren, das CDU, Grüne und FDP per Antrag ins weitere Verfahren einbrachten: Die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Friedhofsgärtnern und Bestattern soll dafür sorgen, dass Grabpflege und Betrieb der Trauerhallen und Toiletten – einschließlich Heizung und Sauberkeit – nicht nur effizient sind, sondern vor allem bürgerfreundlich.