Auferstehungskirche auf dem Venusberg

Gotteshaus fast ohne Ecken und Kanten

VENUSBERG. Keine Ecken; in der Auferstehungskirche auf dem Venusberg ist alles rund: Der kreisförmige Grundriss bietet in einer runden Nische Platz für ein rundes Taufbecken, und auch der Altar - auf einem halbrunden Podest platziert - hat keine Ecken.

"Nur die Kanzel steht massiv und mit groben Ecken und Kanten im Raum", stellt Pfarrer Udo Schwenk-Bressler die Besonderheiten des Gebäudes am Haager Weg vor. Ganz bewusst wurde bei der Architektur dieser Bruch gewählt.

"Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt" - diese Aussage aus dem Lukasevangelium lag der Planung zugrunde. "Ihre Form und Wuchtigkeit symbolisieren die Anstößigkeit des Wortes Gottes in einer ansonsten runden und harmonischen Kirche", so Pfarrer Dr. Udo Schwenk-Bressler.

Von dem Vorplatz aus muss der Besucher sieben Stufen nehmen, den Altar erreicht man nach weiteren fünf. "Zwölf Stufen als Symbol für die zwölf Apostel oder die zwölf Stämme Israels", erklärt Pfarrer Schwenk-Bressler weiter. Zufall oder Plan? "Diese Symbolik wurde bei der Planung ganz bewusst gewählt", ist er sich sicher.

Der Grundstein für die Kirche wurde am 24. Februar 1957 gelegt. Nach einer Bauzeit von nur elf Monaten erfolgte am 27. Oktober 1957 die Einweihung. Altar, Kanzel und Taufstein sind aus Muschelkalk gefertigt. Es sind Steinmetzarbeiten von Horst Strempler aus Mettmann.

Die Kirche ist bewusst sparsam ausgeschmückt. Hinter dem Altar hängt ein fast wandhohes Kreuz. "Das hat ein Ippendorfer Schreiner gefertigt", erklärt der Pfarrer, der gleich wieder auf eine besondere Symbolik hinweist.

"Das riesige Kreuz ist nicht am Boden befestigt. Es scheint sich über dem Boden zu erheben", knüpft Schwenk-Bressler an die Theologie an und nimmt wieder auf die Auferstehung Bezug. Er erwähnt allerdings noch schnell eine Besonderheit: "Eigentlich war das Kreuz nur ein Provisorium und sollte durch ein anderes ersetzt werden. Damit hat man sich jedoch zu lange Zeit gelassen. Denn seit 1999 steht die Auferstehungskirche und damit auch dieses Kreuz unter Denkmalschutz."

Etwas ganz Besonderes ist für ihn allerdings die Bronzefigur rechts neben der Kanzel. Seit 1994 hängt der Abguss an prominenter Stelle. Betrachtet Schwenk-Bressler sie, kommt er schnell ins Schwärmen: "Sie strahlt so eine Dynamik aus. Christus ist nicht mit schmerzverzehrtem Gesicht dargestellt, sondern als ein Auferstehender, der sich in einer aktiven Bewegung erhebt." Die ursprüngliche Figur wurde in Österreich von Josef Elter aus Mirabellenholz gefertigt. "Es wurden nur zwei Bronzeabgüsse genommen. Einer hängt hier in unserer Kirche", freut sich der Pfarrer.

Das Gotteshaus ist als zweistufiger Bau konzipiert: Auf einem aus Ziegeln gemauerten Untergeschoss erhebt sich in der oberen Etage ein etwas kleinerer Kreis, der ebenfalls mit Bänken ausgestattet ist.

Von der Empore gehen drei kleine Fenster nach außen, die von Karl Jörres gefertigt wurden. Sie zeigen das Lamm mit der Siegesfahne, den Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut ernährt, und als Symbol für die Auferstehung Phönix, der aus der Asche aufsteigt.

Erst 1963 wurde eine Klais-Orgel - natürlich auf einer halbrunden Empore - eingebaut. Sie verfügt über zwei Manuale, ein Pedal, 20 Register und 1370 Pfeifen mit mechanischer Traktur und elektrischer Registerschaltung.

Auch die Decke der Auferstehungskirche ist eine Besonderheit. Hinter einer hölzernen Deckenkonstruktion in Form eines Sterns mit 16 Zacken verbergen sich die Versorgungsleitungen. Bis zu 500 Gläubige finden in dem Gotteshaus am Rande des Landschaftsschutzgebiets auf dem Venusberg Platz.