Sanierung am Bonner Hauptbahnhof

Gleis 1 wohl erst im Sommer 2019 wieder offen

Schritt für Schritt zum neuen Dach: Einzeln werden die Rundbögen demontiert und zum Restaurieren nach Dortmund gebracht.

Schritt für Schritt zum neuen Dach: Einzeln werden die Rundbögen demontiert und zum Restaurieren nach Dortmund gebracht.

Bonn. Die Sanierung des historischen Daches am Bonner Hauptbahnhof macht zwar Fortschritte, dauert aber länger als geplant. Gleis 1 ist wohl erst wieder im Sommer 2019 offen.

Die für die Fahrgäste der Deutschen Bahn (DB) wohl wichtigste Botschaft umfasst zwei Wörter und lautet: Sommer 2019. Dann soll ihnen und den Zügen Bahnsteig 1 am Bonner Hauptbahnhof wieder zur Verfügung stehen. Noch einmal ein Vierteljahr länger als bisher kalkuliert wird es somit dauern, bis die laufende Sanierung des Hallendachs die Freigabe ermöglicht. Die letzten Handgriffe sollen nach jetzigem Stand Ende 2020 erfolgen. Am Mittwoch gaben Vertreter der Bahn vor Ort einen Überblick über den Verlauf der Restaurierungsarbeiten.

Gut 130 Jahre steht die gewölbte Dachkonstruktion des wilhelminischen Baus im Originalzustand; und nach Lage der Dinge spricht wenig dagegen, dass sie noch einmal weitere 130 Jahre hält. Jedenfalls zeigten sich die Experten beim Ortstermin auf der Montagebühne etwa zehn Meter über dem Bahnsteig zufrieden:  Trotz des Aufwands komme die Restaurierung gut voran, der erste von insgesamt sieben Bauabschnitten sei inzwischen zum erfolgreichen Abschluss gekommen.

Insgesamt sind es 5500 Quadratmeter, die sukzessive erneuert werden müssen. Nicolas Krallmann, Leiter Bau- und Anlagenmanagement der DB Station & Service, verleitete die Umgebung des historischen Baumaterials mit all den Rundbögen, Stützen, Säulenornamenten und Nieten gar zum Vergleich mit der Restaurierung eines Oldtimers, den man in einer Scheune auf dem Land in Frankreich finde.

Ganz so unverhofft ist der Bonner Hauptbahnhof der Bahn zwar nicht in den Schoß gefallen, doch veranschaulicht Krallmann den enormen Aufwand anhand der einzelnen Schritte: Zunächst werden die einzelnen Dachelemente – jeweils vier pro Bogen – demontiert und zu einer Spezialfirma nach Dortmund gebracht, wo sie untersucht und restauriert werden.

Das sei auch der Grund für den mitunter bei den Fahrgästen entstehende Eindruck, dass an der Baustelle nichts vorangehe, erklärt Kai Rossmann, Leiter Bahnhofsmanagement für 115 Haltepunkte im Rheinland. Trotz vorheriger Analyse seien Überraschungen nicht ausgeschlossen: „Je nach Zustand kann es dann vorkommen, dass sogar neue Bauteile nach Originalplänen zwangsläufig nachzubauen sind“, so Krallmann. Nach der Restaurierung werden die Dachteile wieder in Bonn eingebaut.

  Für die Fahrgäste ist das Ergebnis der Restaurierung bereits zu sehen: Teile des modernisierten Hallendachs kommen an dessen südlichem Ende bereits zum Vorschein. Die Erneuerung des Dachs wird nun Stück für Stück nach Norden „wandern“. Parallel zur großen Gleishalle werden auch die beiden Vordächer und der etwas niedrigere Anschlussbau am südlichen Abschnitt des Bahnsteigs restauriert. Letztlich wird ein Glasdach des zentralen Aufsatzes auf der Kuppel mehr Licht in die Bahnhofshalle bringen.

Hinsichtlich der Kosten bestätigten die Vertreter der Bahn die jüngste Korrektur auf 30 Millionen Euro, nachdem der Ansatz zunächst bei 13 Millionen Euro gelegen hatte. Grund sind einerseits die von Krallmann genannten Überraschungen während der Arbeiten und gestiegene Preise in der Baubranche; zum anderen wuchs der Gesamtumfang des Sanierungspakets, etwa um neue Rolltreppen und einen neuen Boden für den Bahnsteig. Die Gesamtkosten teilen sich DB, Bund und der Nahverkehr Rheinland zu je einem Drittel.