Neue Haltestelle am Stadthaus

Glas, Stahl und glänzender Schotter

Durch das gläserne Haltestellendach ist die emporragende Stadthaus-Fassade zu sehen. FOTOS: OTTERSBACH

Durch das gläserne Haltestellendach ist die emporragende Stadthaus-Fassade zu sehen.

BONN. Die Haltestelle am Stadthaus ist kaum wiederzuerkennen. Vorbei der Bushaltestellen-Charme mit Wartehäuschen, ab jetzt dominieren Glas, dunkelgrau gestrichener Stahl und helles Pflaster.

Bis zum 23. November, dem Tag der offiziellen Eröffnung, stehen noch einige Arbeiten an. Trotzdem ist die Haltestelle seit vergangener Woche in Betrieb. Die Bahnen stoppen nun auch am Hochbahnsteig, der bisher gesperrt war.

Wer mit dem Kinderwagen oder dem Rollstuhl unterwegs ist, soll es an der neuen Haltestelle leichter haben. "Der Hochbahnsteig ermöglicht den bequemen Ein- und Ausstieg in die Linie 66 - barrierefrei, also ohne Stufen" erklärt Markus Schmitz vom städtischen Presseamt. Von dort geht es dann über Rampen zur neuen Ampelanlage in Richtung Stadthaus-Bushaltestelle oder dem etwas tiefer liegenden Bahnsteig, den es schon früher gab und der neu gestaltet wurde.

Zwei transparente Fahrstühle ersetzen Rolltreppen

Unbedingt nötig wäre die sogenannte kombinierte Hoch- und Flachbahnhaltestelle, wie es sie am Bertha-von-Suttner-Platz schon gibt, nicht gewesen. Denn der Linie 66, die als einzige dort stoppt, hätte der Hochbahnsteig gereicht. Tiefbauamtsleiter Peter Esch wollte allerdings "für alle Eventualitäten" gewappnet sein, wenn beispielsweise andere Bahnen die Haltestelle anfahren. Außerdem stünden in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Gleisen an, sodass das Stadthaus dann als Ausweichstopp genutzt werden könnte.

Einer der teueren Kostenpunkte waren die beiden gläsernen Fahrstühle, die die Rolltreppen von der Stadthausbrücke ersetzen, bislang aber noch nicht genutzt werden können. Sie sind über einen Steg erreichbar, der wie eine Aussichtsplattform weit in die Haltestelle hineinragt und dessen Geländer durch LEDs beleuchtet ist. Aus etwa fünf Metern Höhe erkennt man die aufwendige Dachkonstruktion, die den Hochbahnsteig vor Wind und Wetter schützt.

Eines dieser Dächer wiegt knapp 20 Tonnen, sie wurden vormontiert per Schwertransport geliefert und auf das Gestell geschraubt. Die zwölf Meter hohen Stahlpfosten dafür sind aufwendig mit schweren Fundamenten im Boden verankert. Beim Abfahren der Strecke über die Kennedybrücke bis zum Konrad-Adenauer-Platz fällt auf, dass ähnliche Stelen auch als Fahrleitungsmasten dienen. In den nächsten Tagen erhalten sie noch Aufsatzleuchten. "Damit ist dann die einheitliche Beleuchtung des 'Brückenschlags' von Beuel nach Bonn komplett" erklärt Schmitz.

Eine Haltestelle für 5,4 Millionen Euro

Die Haltestelle ist auch ein Prototyp: Die Stadtwerke (SWB) testen den Einsatz von verklebtem Schotter im Gleisbett. Bisher werden neben Müll und Laub immer einige Steine mit aufgesaugt, sobald die großen Reinigungswagen über die Schienen fahren. "Langfristig erhoffen wir uns dadurch, Geld zu sparen und die Bahnsteige leichter sauber zu halten" heißt es von den SWB. Netter Nebeneffekt: Der Kleber lässt den Schotter glänzen.

90 Prozent der Kosten in Höhe von 5,4 Millionen Euro finanziert das Land durch die Pauschale für den öffentlichen Personennahverkehr. Als größte Kostentreiber nennt das Tiefbauamt die zwölf Meter hohen Masten, die Aufzüge und den kombinierten Hoch- und Flachbahnsteig. Aufwendig seien die Arbeiten aber auch gewesen, weil stets Rücksicht auf den fließenden Verkehr genommen werden musste.