Konferenz im DGB-Haus

Gewerkschaft fordert Solidarität mit Flüchtlingen

Sozialdezernent Hermann Allroggen verlangt Planungssicherheit für die Kommunen. FOTO: FROMMANN

Sozialdezernent Hermann Allroggen verlangt Planungssicherheit für die Kommunen.

Bonn. Über Flüchtlinge reden im Moment alle. Die Vorfälle in Köln in der Silvesternacht bestimmen dabei die Diskussionen. Sie kamen auch am Samstag bei der Flüchtlingskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbunds Bonn/Rhein-Sieg im DGB-Haus an der Endenicher Straße immer wieder zur Sprache.

Geplant hatte der DGB diese Konferenz allerdings lange vorher. Hintergrund war unter anderem ein Beschluss des Gewerkschaftsbundes, Solidarität mit den  Flüchtlingen zu zeigen, erläuterte DGB-Kreisverbandssprecher Bernd Weede. Die steigenden Flüchtlingszahlen seien für alle eine große Herausforderung. "Aber die Menschen, die aus solchen Notlagen kommen, willkommen zu heißen, ist eine moralische und humanitäre Verpflichtung, der man sich nicht entziehen kann", betonte er.

Eine Aussage, die viele, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, unterschreiben können. Parteiübergreifend. Das zeigte auch die Podiumsdiskussion am Ende der Konferenz mit der Integrationsbeauftragten der Stadt Bonn, Coletta Manemann, einst Grünen-Stadträtin, Georg Fenninger, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Bonn und  CDU-Ratsherr,  sowie Hermann Allroggen, Sozialdezernent des Rhein-Sieg-Kreises (SPD).

"Wir können vor Ort nicht die Debatte über Obergrenzen führen", sagte Manemann, "unsere Aufgabe ist es, die Flüchtlinge aufzunehmen und würdig unterzubringen". Da befinde sich inzwischen vieles im Aufbau und sei auf gutem Wege. Einen großen Anteil daran, dass die Flüchtlingsunterbringung in Bonn bisher ohne größere Probleme funktioniere, hätten vor allem die mehr als 30 ehrenamtlichen Initiativen, die die Stadt und das Land unterstützten, lobte Manemann. Sie wünsche sich angesichts der brennenden Probleme,  etwa bei der Wohnungs- oder Arbeitsplatzfrage,  allerdings einen Masterplan des Bundes, "denn niemand weiß, wie es weitergehen wird", räumte sie ein.

Ein Dilemma. Auch für Fenninger, der mit dem DRK den Betrieb der Notunterkünfte in der Ermekeilkaserne, in Turnhallen und weiteren Gebäuden in Bonn und im Kreis managt. Mit Erleichterung hat der DRK-Vorsitzende beobachtet, dass das Engagement der vielen Helfer trotz der Kölner Vorfälle nicht nachgelassen hat.

Wer vor Ort arbeite, sei mit vielen Einzelschicksalen konfrontiert, berichtete er, "das sind Schicksale, die mich sehr berühren". Ein Problem, dass vor allem die Gewerkschafter interessiert: Weil niemand  vorhersagen kann, wie  lange der Flüchtlingsstrom noch anhält, sind die Arbeitsverträge des DRK mit den vielen neuen Mitarbeitern nur befristet.  "Die Flüchtlingshilfe ist einerseits ein Jobmotor, der viele Menschen in Lohn und Brot bringt, die vorher keine Arbeit hatten", sagte Fenninger. Ihm wäre indes viel lieber, wenn er längerfristig planen könne. Allroggen beklagte vor allem die Planungsunsicherheit bei der Unterbringung von Flüchtlingen. "Die kurzfristigen Aufnahmen sind ein Riesenproblem für uns", sagte der Dezernent.

Zu Beginn der Konferenz hatte Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik über Fluchtursachen informiert. Manfred Kusserow von der Agentur für Arbeit beleuchtete die Möglichkeiten der beruflichen Integration.