Mordfall von 1991 in Bonn-Meßdorf

Geständiger Mörder lebte 25 Jahre völlig unauffällig

PK mit dem Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender (links) und Polizeipressesprecher Robert Scholten zum Mord in Meßdorf von 1991.

PK mit dem Bonner Oberstaatsanwalt Robin Faßbender (links) und Polizeipressesprecher Robert Scholten zum Mord in Meßdorf von 1991.

Bonn. Die Schilderungen des 52-Jährigen zum damals festgestellten Tatablauf offenbaren der Polizei zufolge eindeutig Täterwissen. Die Bonner Polizei arbeitet weiterhin an der Aufklärung von 21 Gewaltverbrechen, die sich seit 1991 ereignet haben.

Er war nach GA-Informationen ein völlig unauffälliger Mann, der ein völlig unauffälliges Leben in einem kleinen Ort in Niedersachsen lebte. Bis er am 24. Februar plötzlich gestand: Am 11. November 1991 habe er in Bonn die 38-jährige Monika F. getötet.

Dieses überraschende Geständnis machte der 52-Jährige bei der Polizei in Wolfenbüttel, die ihn mitgenommen hatte, weil er in der Nacht innerhalb von zwei Stunden zwei Mal alkoholisiert am Steuer erwischt worden war. Beim ersten Mal, so erklärten am Freitag Staatsanwaltschaft und Polizei Bonn auf GA-Anfrage, habe der Alkoholtest 2,2 Promille bei dem 52-Jährigen ergeben, beim zweiten Mal 2,06 Promille. Auf die Frage, in welchem Zustand der 52-Jährige bei seinem Geständnis gewesen sei, antwortete Oberstaatsanwalt Robin Faßbender: „Er war vollkommen nüchtern. Wir vernehmen doch niemanden, der zwei Promille hat.“

Bis der Mann nach Bonn gebracht und hier vernommen worden sei, habe er keinen Alkohol mehr im Blut gehabt. In dieser Vernehmung habe er detailreich geschildert, wie er an jenem Abend seine seit der Pubertät gehegten Tötungsfantasien in die Tat umsetzen wollte, als er Monika F. durch das Fenster des Einfamilienhauses in Meßdorf gesehen habe. Den Ermittlern zufolge passen seine Schilderungen, wie er die 38-Jährige überfiel, ihr Handschellen anlegte und sie dann mit zig Messerstichen tötete, zum damals festgestellten Tatablauf und offenbaren eindeutig Täterwissen. Wegen des Verdachts des Mordes zur Verdeckung des vorherigen Angriffs auf Monika F. sitzt der 52-Jährige, der zur Tatzeit als Student in Bonn lebte, seit dem 25. Februar in U-Haft.

Staatsanwalt prüft auch noch möglichen Raub

Man gehe weiterhin allen Spuren nach, erklärte Faßbender. So auch der Frage, ob der 52-Jährige, wie seinerzeit angenommen, nicht auch noch einen Raub begangen habe. Als Monika F. tot aufgefunden wurde, war ihr Portemonnaie verschwunden. Aber vor allem eine Frage beschäftigt die Ermittler: Hat der Mann wirklich nur diesen einen Mord begangen, wie er beteuert?

Allein im Raum Bonn gibt es seit 1991 noch 21 ungeklärte Tötungsdelikte. Und die liegen mitnichten für alle Zeit bei den Akten. Im Gegenteil: Regelmäßig gehen die Ermittler des zuständigen Kriminalkommissariats 11 die Asservatenhefte jener „kalten Fälle“ durch, von denen manch einer die zuständigen Ermittler – auch emotional – bis in die Pension verfolgt. Entsprechend groß ist der Ehrgeiz, bei den Altfällen einen Fortschritt zu erzielen – was wiederum akribische Arbeit und die Fähigkeit erfordert, einfühlsam mit Angehörigen umzugehen.

Als hilfreich erweist sich dabei der permanente technische Fortschritt. Erst seit 1998 speisen die Bundesländer Erbinformationen von Kriminellen und die DNA-Spuren ungelöster Fälle in das zentrale Register des Bundeskriminalamtes ein. Zudem verbessern sich ständig die Möglichkeiten der Spurenauswertung. „Da tut sich fast in jedem Jahr etwas“, sagt Bonns Polizeisprecher Robert Scholten.

21 Fälle harren noch der Aufklärung, viele sorgten für Aufmerksamkeit und Anteilnahme – wie der des 1996 ermordeten Mädchens Claudia Ruf oder jener des 1994 verschwundenen Ehepaars Hagen.