Drei Jahre Bauzeit

Gesamtschule Bonns Fünfte bezieht die neuen Gebäudeteile

Kessenich. Am Mittwochmorgen haben Schüler und Lehrer der Gesamtschule Bonns Fünfte erstmals die neuen Gebäudeteile betreten. Mehr als drei Jahre wurde am Neubaukomplex gebaut.

"Wo geht es denn zu Team 2?", fragt ein Schüler und blickt sich zwischen den Gebäuden mit der hellen Fassade um. Schulleiterin Ursula Dreeser deutet auf einen Eingang ein paar Meter entfernt. Fast im Minutentakt gibt Dreeser an diesem Mittwochmorgen Wegbeschreibungen ab. Nach mehr als dreijähriger Bauzeit dürfen Lehrer und Schüler an diesem Morgen zum ersten Mal die neuen Gebäudeteile von Bonns Fünfter betreten.

"Es ist ein bisschen wie an Weihnachten unterm Tannenbaum", sagt Dreeser. Im Hintergrund rangiert ein Bagger auf dem Schulhof. Für 40.684.000 Euro hat die Stadt an der Eduard-Otto-Straße/Hausdorffstraße den Neubaukomplex mit einer Dreifachturnhalle für die inklusive Gesamtschule errichten lassen. Die angrenzenden Gottfried-Kinkel- und Theodor-Litt-Schule, wo die Schüler bisher untergebracht waren, sollen in den nächsten anderthalb Jahren leer geräumt und saniert werden.

Auf dem Flur halten Catharina, Hannah und Justus inne. Sie erkunden mit einer Rallye das Areal. "Wie kommst du am schnellsten zu den NW-Räumen?" lautet eine Frage auf ihrem Zettel. "Wir haben schon das Sekretariat gefunden", sagt Catharina stolz. Sie hat sich kurzerhand auf den Boden gesetzt, um die Antworten auf dem Blatt zu notieren. Genau das ist ein erklärtes Ziel der räumlichen Gestaltung: Mit grauen Schulfluren haben die Gänge der neuen Gesamtschule nämlich wenig gemeinsam: Heller Sichtbeton wechselt sich mit orangefarbenen Flächen ab. Oberlichter lassen Tageslicht in die Durchgänge. Nischen mit Sitzbänken sollen alternative Orte zum Lesen und Lernen bieten. Zukünftig sollen die Schüler auch mit Sitzkissen auf dem Flur Platz nehmen können, um sich in kleineren Lerngruppen außerhalb der Klassenräume zusammenzufinden.

Unterrichtet wird hier nicht im klassischen Klassenverband, sondern in jahrgangsübergreifenden Klassen abgehalten. Anne Stein, Lehrerin für Religion, Pädagogik und Biologie, probiert die neuen Lernräume direkt mit ihren Schülern aus. "Diese Nischen sind klasse, sonst hätten wir einen Stuhlkreis gemacht", sagt sie. Und was stößt bei den Schülern auf besonderes Interesse? Die Toiletten. In jedem Trakt gibt es WC-Anlagen mit jeweils einer Behindertentoilette, sodass die Schüler nicht mehr das Gebäude verlassen müssen. Ausgestattet sind die Sanitäranlagen mit länglichen Fliesen in einem leuchtenden Blauton, der an das Ischtar-Tor erinnert. Aber auch der neue Glasgang, der die Gebäude miteinander verbindet, gefällt den Schülern, ebenso der größere Schulhof. "Toll an dem Gelände ist, dass man so viele Eingänge hat", sagt die Schulleiterin.

Komplett eingerichtet ist der Komplex allerdings noch nicht. In manchen Ecken stapeln sich Umzugskisten, in den Regalen fehlen noch Lehrbücher und Lexika. Auch das Wlan funktioniert noch nicht. Die Verwaltung aus Sekretariat und Schulleitung zieht daher erst in der kommenden Woche in ihre neuen Büros um.

"Meine Traumräume sind die Mensa und das Selbstlernzentrum", erzählt Dreeser und deutet den Weg zur Mensa. Parallel zum Schulhof erstreckt sich der neue Speisesaal, Panoramafenster geben den Blick auf das Gelände frei. Noch herrscht hier Stille. Die Stühle sind teilweise noch in Luftpolsterfolie eingepackt, der Kiosk ist noch leer und auch die Kochtöpfe stehen noch nicht auf dem Herd, aber es lässt sich schon erahnen, wie geschäftig es hier künftig zur Mittagszeit zu gehen wird. Ab der kommenden Woche sollen die rund 700 Schüler hier mit Essen versorgt werden.

Gleich nebenan befindet sich das Selbstlernzentrum mit der Bibliothek. Auch hier sind die Regale noch leer, auf einigen Tisch ist noch eine feine Schicht von Baustaub. Eine Gruppe von Schülerinnen hat die Sitzinsel im Zentrum des Raumes bereits für sich eingenommen - fast so als, wäre es schon ihr alltäglicher Treffpunkt. "Das Selbstlernzentrum/Bibliothek haben wir mit eigenen Mitteln eingerichtet", erzählt Dreeser. Filzhocker in grasgrün und Sitzinseln in Flieder und Magenta erinnern eher an ein Jugendzentrum als an einen Schulraum.

"Es war anstrengend", sagt Dreeser rückblickend über die Bauzeit. Die Freude und Erleichterung über den Einzug sind ihr daher umso mehr anzumerken.