Porträt über den Propst

Gerhard von Are ist Begründer des heutigen Münsters

Der Blick in das leere Bonner Münster.

Der Blick in das leere Bonner Münster.

Bonn. Der Propst Gerhard von Are ist Begründer des heutigen Münsters. Noch heute finden sich Spuren des Geistlichen im Bonner Stadtbild wieder.

Noch heute findet sich der Name Gerhard von Are an mehreren Stellen in der Bonner Innenstadt wieder. Eine Straße und ein Brunnendenkmal erinnern an den Probst aus dem 12. Jahrhundert, der den Ausbau des Bonner Münsters veranlasste.

Von Are wurde um 1100 geboren und stammte aus einem im Rheinland einflussreichen Adelsgeschlecht. Der Heimatsitz seiner Familie war die Burg Are im heutigen Altenahr. Als Geistlicher kam von Are nach Bonn und trat in die Gemeinschaft von Priestern im ansässigen Cassius-Stift mit der Kirche „Sankt Cassius und Florentius“ ein. 1124 wurde er zum Probst des Stifts ernannt. Während seiner folgenden 45-jährigen Amtszeit sicherte er die Unabhängigkeit des Stifts und machte ihn zu einer wichtigen Institution.

Bereits 1131 ließ er sich in einer großen Besitzurkunde durch Papst Innozenz II. die Besitztümer des Stifts bestätigen und vogtfrei stellen, sodass sie außerhalb der weltlichen Gerichtsbarkeit standen. Innerhalb von sieben Jahren vergrößerte er das Stiftsgut auf 30 Kirchen und eine Kapelle sowie Anteile an Kirchen, mehreren Höfen, Weinbergen und Waldungen. Der Papst verlieh ihm sogar die Befugnis, seine Anliegen nicht an seinen unmittelbaren Vorgesetzten, dem Erzbischof von Köln zu stellen, sondern direkt an das Kirchenoberhaupt in Rom zu richten. Während seiner Amtszeit erhielt das Bonner Münster insgesamt elf solcher Papsturkunden – so viel wie zu keiner anderen Epoche. „Gerhard ist nicht wegzudenken aus der rheinischen Politik seines Jahrhunderts“, schrieben seine Biografen über ihn.

45 Jahre lang der Probst des Cassius-Stifts

Ab 1140 widmete er sich dem Ausbau des Münsters. Der Ostchor wurde mit zwei Flankentürmen angebaut sowie ein Kreuzgang eingerichtet. Daneben ließ er eine dreigeschossige Apsis, einen sogenannten Rheinischen Etagenchor mit einer Zwerggalerie erbauen. 1149 erwarb von Are auch die im Bau befindliche Burg Drachenfels im Siebengebirge und ließ diese fertigstellen. Als der damalige Erzbischof von Köln 1156 verstarb, wurde der Bonner Probst für das Amt vorgeschlagen und unterlag der Entscheidung von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der einem anderen Kandidaten den Vorzug gab.

 

Im Mai 1166 ließ von Are die Gebeine der Heiligen Cassius und Florentius aus den Gräbern heben und sie nach einer feierlichen Prozession über den Münsterplatz in kostbaren Schreinen auf dem Hochaltar aufstellen. Anlässlich der Feierlichkeiten gewährte der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel den Bonnern einen jährlichen, abgabefreien, dreitägigen Markt. Bis heute wird dieser Tag im Bonner Münster gefeiert. Das Fest der Stadtpatrone findet hingegen um ihren Namenstag am 10. Oktober statt.

Nach seinem Tod am 23. Februar 1169 wurde von Are in der Cyriacuskapelle, dem östlichen Kapitelhaus des Kreuzgangs, beigesetzt. Sein Hochgrab wurde Ende des 18. Jahrhunderts allerdings zerstört. Zu sehen ist heute nur noch eine Bodenplatte im Kapitelsaal. Seit 2012 erinnert ein Brunnen in der Gerhard-Von-Are-Straße, der Verbindungsstraße von Gangolfstraße und Wesselstraße an der Rückseite des Münsters, an den Probst.