Chef des Städtebunds

Gerd Landsberg ist mit Leib und Seele Bonner

Kennt sich im Bund und Land, aber auch in Bonn bestens aus: Gerd Landsberg ist seit 1998 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.

BONN. Es gibt Menschen, die altern scheinbar nicht. Gerd Landsberg ist so ein Mensch. Groß gewachsen und sportliche Figur. Ein jugendlicher Typ. Dazu außerordentlich klug und eloquent. Man glaubt ihm aufs Wort, wenn er sagt, er könne sich vorstellen, bei der Kommunalwahl 2020 in Bonn als Oberbürgermeisterkandidat anzutreten.

Dann ist der Jurist mit CDU-Parteibuch 68 Jahre jung. "Das ist natürlich eine rein theoretische Überlegung. Aber Adenauer war deutlich älter, als er Kanzler wurde", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Für die OB-Wahl im nächsten Jahr hat der 61-Jährige der CDU allerdings als Kandidat abgesagt. Mit ihm, so ist die Parteispitze überzeugt, hätte die Union das Amt nach dann mehr als 20 Jahren in SPD-Hand wieder zurückgeholt. Doch Landsberg ist erst 2012 als Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds (DStGB) für acht Jahre wiedergewählt worden. "Ich fühle mich meiner Aufgabe in Berlin verpflichtet. Ich muss diesen Job erst einmal weitermachen. Das wird auch von mir erwartet. Der Zeitpunkt ist deshalb nicht der richtige", erklärt er.

Gelockt hätte ihn der OB-Job schon. Daraus macht er kein Hehl. Ein Kandidat wie aus dem Bilderbuch. Am 29. Oktober 1952 in Wiesenbronn in Bayern geboren, verbrachte er Kindheit und Jugend in Friesdorf. Über sich selbst sagt er: "Ich bin ein überzeugter Bonner. Nur meine Frau ist bönnscher als ich." Mit seiner Familie lebt er seit vielen Jahren in Dottendorf. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er in Bonn Jura und Politik. Mit gerade einmal 29 Jahren wurde er promoviert.

Von da ab ging es für ihn beruflich steil bergauf. Von 1981 bis 1989 war er als Richter am Landgericht Bonn und im Justizministerium in Düsseldorf tätig. Landsberg arbeitete anschließend als Referent im Bundesministerium der Justiz. 1991 ging er als Richter an das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Nur ein Jahr später ernannte ihn der DStGB zum Beigeordneten. 1998 übernahm Landsberg als Geschäftsführendes Präsidialmitglied die Hauptgeschäftsführung des kommunalen Spitzenverbandes in Berlin. Nach wie vor hat der DStGB aber auch ein Büro an der August-Bebel-Allee in Bonn. Natürlich muss der 61-Jährige oft in Berlin präsent sein. An der Spree spielt schließlich die Musik. Familientechnisch ist das auch kein Problem für ihn. Denn die drei Kinder sind inzwischen erwachsen.

Mit seinem Verband vertritt Landsberg die Interessen von 52 Millionen Bürgern in mehr als 14.000 kreisangehörigen Städten und Gemeinden in Deutschland. Die kreisfreien Städte wie Bonn vertritt der Deutsche Städtetag. Trotzdem ist Landsberg über alles, was in Bonn geschieht, bestens informiert.

Und vor allem: Sein Herz schlägt für diese Stadt. Das spürt man bei jedem Satz, den er über Bonn sagt. "Bonn ist eine tolle Stadt. Hier geschieht auch viel. Denken Sie nur an die Museumsmeile. Oder die Idee des Festspielhauses. Das ist schon etwas ganz Besonderes." Landsberg schätzt vor allem die hohe Lebensqualität, die die Bundesstadt ihren Bürgern zu bieten hat. Er selbst ist gerne in der Rheinaue oder im Kottenforst unterwegs. Joggend natürlich.

Sorgen bereitet dem Verwaltungsexperten die finanzielle Lage seiner Heimatstadt. Wenn er darüber spricht, wird seine Miene ernst. Eine Stadt wie Bonn kann aufgrund der hohen Ausgaben für die gesetzlichen Aufgaben ihren Haushalt nicht mehr aus eigener Kraft sanieren, sagt er. Oder, dass es nichts bringt, Schwimmbäder zu schließen. Landsberg ist ein Mensch, der Klartext redet. Und ein Überzeugungstäter.

Den Vorschlag von OB Jürgen Nimptsch, vorübergehend die Grundsteuer anzuheben, findet er gar nicht schlecht. Aber: "Wenn man dem Bürger mehr Geld abverlangt, muss man genau sagen, was man damit macht." Transparenz wirkt sich auf das Anspruchsdenken der Leute aus, ist er überzeugt.

Typisch bönnsch

Das sagt Gerd Landsberg über seine Heimatstadt:

An Bonn gefällt mir die herrliche Lage am Rhein, der Hofgarten, die Museumsmeile, das studentische Leben und das internationale Flair.

Ich vermisse mehr Bahnunterführungen, damit man nicht immer vor der Schranke steht, und ein geschlossenes Radwegenetz mit sicheren Abstellplätzen.

Mein Lieblingsplatz ist der Kottenforst rund um den Annabergerhof, wo ich - wenn es geht - jogge, um mich vom Beruf zu entspannen.

Typisch bönnsch ist für mich die fröhliche, gelassene rheinische Art der Menschen, das bunte Zusammenleben verschiedener Kulturen.