Lärmschutz am geplanten Schwimmbad im Wasserland

Geplante Lärmschutzwand in Kessenich sorgt für Unmut

Bonn. Das geplante Schwimmbad im Wasserland kann nur mit Lärmschutzmaßnahmen gebaut werden. Zunächst war eine sieben Meter hohe Mauer zwischen Schwimmbad und Wohnsiedlung vorgesehen, jetzt ist ein mächtiger Wall geplant.

Helge Meiers Blick geht nach oben. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“, sagt er schmunzelnd, und seine Nachbarn lachen. Dabei ist ihnen wirklich nicht nach Lachen zumute. Sie stehen auf dem schmalen Weg am Wasserland, der zwischen dem Gelände für das neue Schwimmbad und der Wohnsiedlung in Kessenich liegt. Eine sieben Meter hohe Lärmschutzmauer, so heißt es in einem von den Stadtwerken Bonn beauftragten Gutachten, müsse hier entstehen, um die Geräusche des Schwimmbads abzuhalten. Die Stadtwerke verneinen das mittlerweile und wollen stattdessen einen Wall errichten. Doch die Anwohner bleiben misstrauisch.

Das liegt vor allem daran, wie sie von der Mauer erfahren haben. „Das war mehr Zufall als alles andere. Wir mussten schon sehr genau hingucken“, sagt Anwohner Josef Senft, der die Masse an Unterlagen selbst gelesen hat. Auf Seite 53 des 189 Seiten starken Gutachtens, das auf der Internetseite der Stadt Bonn eingesehen werden kann, ist von den Lärmschutzmaßnahmen die Rede. Die vier entscheidenden Lettern sind leicht zu überlesen. „h=7 m“ – so drücken die Fachleute eine sieben Meter hohe Mauer aus, die gerade einmal zwei Meter von den Gartenzäunen entfernt entstehen soll. „Unsere Grundstücke liegen sogar noch tiefer, also sind es insgesamt knapp neun Meter, wenn wir auf der Terrasse sitzen.“ Der First der Wohnhäuser ist nur zwei Meter höher. „Wir hätten statt einem Blick auf die jetzt grüne Wiese dann eine Mauer vor den Fenstern.“ Dass die Anwohner keine Sympathisanten des neuen Schwimmbads sind, daraus machen sie kein Geheimnis. Vor allem der 60-Millionen-Euro-Kredit, für den die Stadt und damit der Steuerzahler bürgt, ist ihnen ein Dorn im Auge.

„Grundsätzlich ist das Wasserland eine gute Sache. Aber uns gefällt nicht, wie es durchgedrückt wird“, sagt eine Anwohnerin. Der Grund dafür liegt Jahre zurück. So lange ist es her, dass es Streit über den Lärm gibt, den das Heizkraftwerk Süd, dessen Schornstein von den Häusern aus gut zu sehen ist, verursacht. Ein tiefes Summen stört die Anwohner immer wieder. „An die Geräusche der zischenden Pfeile vom benachbarten Bogenschießplatz oder die Kinderschreie vom Sportplatz sind wir gewohnt. Auch der Lärm der Bahnstrecke stört nicht so sehr.“ Das Problem: Durch das Schwimmbad wird wahrscheinlich auch die Auslastung des Heizkraftwerks steigen, das hauptsächlich als Reserve für die Fernwärme konzipiert ist.

Mauer soll beste Lösung sein

Laut Anwohnern läuft es im Schnitt nur 23 Tage im Jahr. Die Bezirksregierung Köln hatte zuletzt sogar festgestellt, dass der Standort ausgebaut werden könnte. Der durch das geplante Schwimmbad zumutbare Geräuschpegel soll aufgrund einer sogenannten „Gemengelage“ aus Wohnbebauung und Sportstätten um fünf Dezibel angehoben werden. „Das heißt, es könnte noch lauter für uns werden“, sagt Meier. Deshalb habe man sich mit einer Beschwerde an die Stadt gewandt, doch ein Ergebnis gebe es bisher nicht. Zudem vermuten die Anwohner, dass durch die Lärmschutzwand nun zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden sollen und gar nicht der Lärm des Schwimmbads ausschlaggebend sei.

Das aber streiten die Stadtwerke und der zuständige Planer Hermann Ulrich ab. Zwischen den Lärmquellen bestehe kein Zusammenhang. „In die Berechnungen sind nur die Immissionen des Schwimmbads eingeflossen“, erklärt Ulrich. Zudem sei man nach genauer Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass eine Mauer nicht die beste Lösung sei. Es werde stattdessen einen auf knapp 20 Meter ansteigenden Wall geben, auf dessen Kuppel eine etwa zwei Meter hohe Wand stehen soll. „Der Wall wird landschaftlich mit Büschen, Gräsern und Sträuchern gestaltet, damit er sich in die Umgebung einfügt“, sagt er. Eine Entwässerung soll dafür sorgen, dass kein Regenwasser auf die niedriger liegenden Grundstücke der Anwohner läuft.

Eine Alternative für den Lärmschutz gebe es nicht. „Wir müssen die Normen und Regelwerke für die Rechtssicherheit einhalten“, so Ulrich. Denn sollte einer der Anwohner sein Haus verkaufen, hätten der Nachfolger ein Recht auf den gesetzlich festgelegten Lärmpegel.