Ehemaliger katholischer Theologe

Georg Schwikart wird evangelischer Pfarrer in Bonn

Neue Heimat evangelische Kirche: Pfarrer Wolfgang Harnisch (links) mit dem künftigen Pfarrer der Emmaus-Kirche Georg Schwikart.

Neue Heimat evangelische Kirche: Pfarrer Wolfgang Harnisch (links) mit dem künftigen Pfarrer der Emmaus-Kirche Georg Schwikart.

Bonn/Sankt Augustin. Der ehemalige katholische Theologe Georg Schwikart wird evangelischer Pfarrer. Es ist der Abschluss einer langen Auseinandersetzung mit dem Erzbistum.

Auf einem Sideboard in seinem Zimmer des Pfarrhauses der Emmaus-Kirche am Brüser Berg stehen der Koran, das Kreuz und eine Figur der hinduistischen Gottheit Shiva nebeneinander. Für den ehemaligen katholischen Theologen und angehenden evangelischen Pfarrer Georg Schwikart gibt es verschiedene Wege zu Gott. „Die Religionen sollten sich auf Augenhöhe begegnen, aufeinander hören und voneinander lernen. Keine ist besser oder schlechter, nur anders“, sagt Schwikart.

Pfarrer Wolfgang Harnisch wird den ehemaligen Katholiken am Sonntag in der Duisdorfer Matthäi-Kirche zum Pfarrer ordinieren. „Das Reich Gottes ist schon mitten unter uns“ lautet das Thema von Schwikarts Predigt.

Es ist der endgültige Schlusspunkt einer langen Auszugsgeschichte aus der katholischen Kirche, die der 53-Jährige aus Sankt Augustin schon im Ministrantengewand reformieren will. Er plädiert für Mädchen als Messdienerinnen und später für Frauen im Priesteramt, die Freigabe des Zölibats und das gemeinsame Abendmahl mit Protestanten. Forderungen, mit denen er beim hierarchisch geprägten Klerus aneckt.

„Sie sind nicht katholisch“ kanzelt ihn Kardinal Meisner im November 2010 ab und verweigert ihm die Weihe zum Diakon (siehe Kasten). Gedemütigt und enttäuscht konvertiert Schwikart an Pfingsten 2011, dem Fest des Heiligen Geistes, zur evangelischen Kirche, vollzieht seine persönliche Reformation.

"Fremdheit darf kein Bewertungskriterium sein"

Bereits in der Pubertät lernt der Katholik durch evangelische Freunde die protestantische Alternative kennen. Der evangelische Gottesdienst irritiert ihn: „Sakrale Schauer hatte ich nicht. Aber ich fühlte mich angesprochen. Es war eine Stunde geordneten Betens und Nachdenkens. Schlicht in der Gestaltung und mit feierlicher Würde. Damals habe ich Entscheidendes gelernt: Fremdheit darf kein Bewertungskriterium sein.“

Schon früh lebt er Ökumene, besucht am Wochenende den katholischen und den evangelischen Gottesdienst. 1985, als 21-Lähriger, empfindet er die katholische Kirche nur noch als engherzig und halsstarrig, schafft sich Befreiung durch Austritt und erste Konversion zur evangelischen Kirche. Reumütig kehrt er aber nach nur elf Monaten zurück. Schwikart: „Das war damals eine Entscheidung aus falscher Motivation. Ich hatte mich in meinem Zorn negativ gegen das Katholische entschieden und nicht positiv für das Evangelische.“

Nach der zweiten und endgültigen Konversion zur evangelischen Kirche vor fünf Jahren engagiert sich Schwikart ehrenamtlich in der Bad Godesberger Christuskirche – predigt, tauft, traut und beerdigt. Danach tritt er als Theologe in der Probezeit seinen Vollzeitdienst in Neuwied/Rhein an. Seit dem 1. April dieses Jahres ist er in der Emmaus-Kirche auf dem Brüser Berg tätig. „Ich bin von den Mitgliedern der Gemeinde wohlwollend und freundlich empfangen worden“, sagt Schwikart.

Pfarrer Harnisch sieht Schwikart als große Bereicherung. „Er geht auf die Menschen zu, ist offen und kommunikativ, hat viel Humor.“ Der zukünftige evangelische Pfarrer Schwikart hat in seiner neuen religiösen Heimat längst Wurzeln geschlagen: „Ich ziehe im Haus des Glaubens nur in ein anderes Zimmer.“