Das Programm "Pastoraler Zukunftsweg"

Gemeinden in Bonn stehen vor einem Umbau

Eine Großbaustelle ist nicht nur das Bonner Münster, sondern auch die Zukunft der katholischen Gemeinden in Bonn.

Eine Großbaustelle ist nicht nur das Bonner Münster, sondern auch die Zukunft der katholischen Gemeinden in Bonn.

Bonn. Die Kirche in Bonn wird sich langfristig wandeln. Stadtdechant Wolfgang Picken kündigt "erhebliche Veränderungen" an. In der Folge könnten weitere Pfarreien fusionieren.

Den katholischen Kirchengemeinden in Bonn stehen offenbar einschneidende Veränderungen bevor. Anlass sind die angekündigten Neustrukturierungen der Gemeinden, wie sie seit geraumer Zeit im Erzbistum Köln umgesetzt werden. Die Folge könnten weitere Fusionen von Pfarreien sein, von denen nun besonders die Katholiken im Stadtbezirk Bonn betroffen wären.

Stadtdechant Wolfgang Picken hielt sich am Montag auf GA-Anfrage zu dem Thema bedeckt: Er kündigte an, zunächst die Pfarrgremien und im Anschluss daran die Öffentlichkeit zu informieren. Schon in seinen ersten Worten im neuen Amt hatte Picken Umstrukturierungen avisiert. Die Kirche in Bonn, so sagte er während der Einführungsmesse im März, stehe „vor erheblichen Veränderungen“.

Die Leser kirchlicher Leitmedien dürften da längst gewusst haben, was den Pfarrgemeinden in der Bonner Innenstadt ins Haus stehen dürfte: Die Fusion von Pfarrgemeinden zu größeren Gemeindeverbänden, Seelsorgebereichen oder „Sendungsräumen“, wie eine noch junge Vokabel im Erzbistum die neu zugeschnittenen Einheiten bezeichnet. Treibende Kraft bei alledem ist nicht der Bonner Stadtdechant.

Vielmehr handelt es sich bei der Reform mit dem Titel „Pastoraler Zukunftsweg“ um ein Umstrukturierungsprogramm, welches das gesamte Erzbistum umfasst. In Städten wie Köln ist der Prozess längst in vollem Gange. Dort sorgte unlängst die Nachricht für Diskussionen, sonntags fortan nur noch eine Messe pro Gemeinde zu feiern – pro fusionierter Gemeinde wohlgemerkt.

Gemeinden sterben

Eine Kirche, eine Gemeinde und mittendrin ein Pfarrer. So sah, kurz gefasst, über Jahrhunderte die Struktur der Katholischen Kirche aus, deren Alltagsleben im Viertel vom Engagement durch Laiengremien, Chören und Frauengemeinschaften bis hin zum Gemeindekarneval bereichert wurde. Den meisten älteren Bonnern dürfte diese Zustandsbeschreibung rund um „ihren“ Kirchturm noch geläufig sein. Längst jedoch ist die dörflich anmutende „Veedelswelt“ ins Rutschen geraten.

Den Begriff einer „Erosion des kirchlichen Lebens“ wählte in dem Zusammenhang der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki. Er glaube, sagte er vor rund einem Jahr, dass Gemeinden sterben werden. Hierzu noch einmal das Beispiel Köln: Dort gehen die Strukturen der sechs (verbliebenen) Seelsorgebereiche der Innenstadt auf einen neuen „Sendungsraum“ mit knapp 40.000 Katholiken über.

Auch wenn das Erzbistum den Begriff der Fusion gegenüber Medien ablehnt, weil die Gemeinden ja erhalten blieben: Genau in diese Richtung gehen die Sorgen, die nun manchen Bonner Katholiken umtreiben. Kolportiert wird seit dem Wochenende in Kirchenkreisen etwa das Modell, die Münsterpfarre könnte mit anderen Gemeinden wie Stiftspfarre und Marienpfarre zusammengelegt werden. Derweil könnten Poppelsdorf, Venusberg und Ippendorf mit Dottendorf, Endenich, Lengsdorf und Röttgen fusionieren.

Sollte es so kommen, würde der längst in Gang befindliche kirchliche Konzentrationsprozess erneut an Fahrt gewinnen. Schon 2003 hatte das Erzbistum die Reform „Zukunft heute“ eingeleitet. Im Zuge jenes Sparprozesses wurden Gemeinden auf der Suche nach Synergieeffekten zu Seelsorgebereichen verbunden. Dass dies oft nur unter erheblichen Schmerzen gelang, weiß nicht zuletzt Wolfgang Picken, der die Kölner Entscheidungen seinerzeit als Dechant von Bad Godesberg umzusetzen hatte – zum Teil gegen erheblichen Widerstand.

Die Zahl der Priester sinkt auch im Erzbistum Köln rasant

2017 bekamen dann die Dechanten selbst die Neustrukturierung zu spüren: Angesichts der Gemeindefusionen zu wenigen Seelsorgebereichen erschien dem Erzbistum die Funktion der Dekanate für Bad Godesberg, Beuel, Bonn-Nord und Bonn-Mitte/Süd als überflüssig. Dort gibt es seitdem nur noch Leitende Pfarrer. Geblieben ist nur der Bonner Stadtdechant.

Die Gründe für die Entwicklung sind zwar mannigfach, haben aber alle mit Ressourcen zu tun: Die Zahl der Priester sinkt rasant, Prognosen zufolge in den kommenden zehn bis zwölf Jahren um die Hälfte. Stark rückläufig ist auch die Zahl der Kirchenmitglieder und mit ihnen der ehrenamtlichen Helfer, womit wiederum ein sinkendes Kirchensteueraufkommen korreliert. Gerade in den gewählten Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten aber wird nun eine Frage laut werden: Welches Mitspracherecht haben diese Gremien bei den kommenden Schritten?