Fiesta Viktoria in Bonn

Gelebte Vielfalt im Viktoria-Viertel in Bonn

Vor drei Monaten ins Viktoriaviertel gezogen: Sandra Gehrig (li.) und Maysara Malik haben sich gezielt mit ihre "House of Lashes" im Viertel niedergelassen.

Vor drei Monaten ins Viktoriaviertel gezogen: Sandra Gehrig (li.) und Maysara Malik haben sich gezielt mit ihre "House of Lashes" im Viertel niedergelassen.

Bonn. Die Organisatoren der Fiesta Viktoria machen auf kleine Läden und städtische Subkultur im Viktoriakarree aufmerksam. Der Verein sammelt Unterschriften für mehr Bürgermitsprache bei der Stadtentwicklung.

Das Viktoriaviertel lebt, und das wollten die Organisatoren der Fiesta Viktoria am Samstag zum dritten Mal zeigen. „Ich kann es nicht mehr hören, wenn Leute sagen, das Viertel sei heruntergekommen. Ich lebe hier und ich lebe hier gerne“, sagte Klara Esch, Mitorganisatorin der Fiesta Viktoria. Der Zusammenhalt sei super und es tue sich etwas im Viertel. Die Fiesta sei nicht als Demo zu sehen, sondern als eigenständige Veranstaltung. Gelebte Subkultur wollen die Veranstalter fördern und eine Nische sein für kleine, inhabergeführte und irgendwie auch andere Läden, innovative Ideen zulassen und sich abheben vom „Einheitsbrei“.

Musik, Zauberei und Clownerie

Am frühen Abend herrschte im Co-Working-Space „the 9th“, einem Gemeinschaftsbüro, noch betriebsame Hektik. Die kleine Bühne musste noch ausgeleuchtet, die Getränkebar noch an die richtige Stelle gerückt werden. Cedrik Teichmann von „the 9th“ rannte hin und her. Seine Räume an der Stockenstraße eignen sich auch für Theater- und Musikdarbietungen. Den Anfang machten Ursula Wüsthof und Thomas Krutmann mit Episoden aus dem Stück „Protest“. Wer keinen Sitzplatz bekommen hatte, blieb einfach vor dem Eingang stehen. Neugierig warfen vorbeischlendernde Besucher einen Blick hinein und schlenderten dann weiter.

Das Fest, das von einem jungen Organisatorenteam mit zehn Mitgliedern gestaltet wird, bot eine Fülle von Musik, Zauberei, Clownerie und Theater. Das Zentrum lag dabei an der Stockenstraße, in der Rathausgasse war es ein wenig leerer. „Die kommen alle später“, waren sich Sandra Gehrig und Maysara Malik vom „House of Lashes“ einig.

13 Spielorte

Vor drei Monaten haben sie ihr kleines Studio, in dem sie unter anderen Wimpernverlängerungen anbieten, an der Rathausgasse eingerichtet. „Wir sind gezielt hierher gekommen, das Viertel ist im Aufbruch und bietet so kleinen Läden wie unserem eine Fläche“, sagt Gehrig. Genauso sieht es Axel Bergfeld, nicht nur Inhaber des Bioladens, sondern auch Initiator des zurückliegenden Bürgerbegehrens. „Wir waren 2015 unter den Ersten, die sich hier wieder niedergelassen haben. Jetzt ist es langsam wieder gewachsen, das Viktoriaviertel“, sagte Bergfeld.

Das Fest wollen die Macher unabhängig sehen von dem politischen Hintergrund. „Wir haben eigentlich nichts damit zu tun“, sagte Linus Zurmühlen, einer der Organisatoren. Aber so ganz könne man die Fiesta Viktoria dann doch wieder nicht vom Streit um das Viktoriakarree trennen. „Wir sind ja auch dem Protest entstanden“, sagte er.

14 Spielorte sollten es zunächst sein, 13 waren es letztlich am Samstag. „Die Stadt hat untersagt, den Kiosk miteinzubeziehen. Es fehle eine Toilette“, erklärte Klara Esch. Das Programm wechselte den gesamten Abend. Jede Stunde stand jemand anderes auf der Bühne. Sie alle traten ohne Gage auf. Am Ende der Vorstellung wurde gesammelt.

Der Verein Viva Viktoria sammelte Unterschriften und warb für mehr Mitspracherecht. „Bonn ist unsere Stadt“ stand auf den Flugblättern. Daniel Eder vom Verein hält das Werkstattverfahren, das bereits stattgefunden hat, für einen „Witz“. „In anderthalb Stunden kann man nichts entwickeln. Den gesamten Prozess aber hält er für wichtig, wie alle, die gezielt gekommen sind, um die Lebendigkeit des Viertels zu erleben.