Festival in Bonn vor dem Aus

Gegen Rockaue läuft seit September Insolvenzverfahren

Bonn. Seit Mitte letzten Jahres ist die Zukunft des Bonner Musikfestivals Rockaue ungewiss. Jetzt bestätigt das Bonner Amtsgericht: Schon wenige Wochen nach der schlecht besuchten Veranstaltung im letzten Jahr stellten die Veranstalter einen Insolvenzantrag.

Das Bonner Musikfestival Rockaue steht allem Anschein nach vor dem endgültigem Aus. Wie der GA erfuhr, haben die Veranstalter bereits kurz nach dem wenig erfolgreichen Festivaltag am 8. Juli vergangenen Jahres beim Bonner Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte Gerichtssprecherin Birgit Niepmann auf Anfrage und erklärte weiter: Das Insolvenzverfahren sei am 6. September eröffnet worden. Zum Insolvenzverwalter wurde der Bonner Rechtsanwalt Andreas Schulte-Beckhausen bestimmt.

Die Geschäftsführer der Rockaue Maria Hülsmann und Daniel Ganser erklärten am Montag auf Anfrage: „Wir geben keine Stellungnahme ab, bis das Verfahren abgeschlossen ist.“ Jürgen Harder, einer der Gesellschafter, sagte, dass nach dem Festival schon klar gewesen sei, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht deckte. Seine anderen Geschäfte, wie Rhein in Flammen oder Brückenforum, seien „in keinster Weise“ davon betroffen – zumal er ja nur einer von mehreren Gesellschaftern der Rockaue sei.

Dass die Lage sehr ernst und möglicherweise sogar hoffnungslos sein könnte, dürfte sich schon während der Veranstaltung gezeigt haben. Denn das Abendkassengeschäft lief wohl auch nicht. Immer wieder wurden die Preise heruntergesetzt – ohne Erfolg. Auch wenn die Veranstalter von rund 10 000 Besuchern sprachen, war die Großveranstaltung in den Rheinauen weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Wenige Besucher trotz hochkarätiger Bands

Beobachter und die Polizei sprachen gar von nur 5000 Besuchern – und das trotz hochkarätiger Bands wie Danko Jones und In Extremo. Bei der Premiere zwei Jahre zuvor hatten noch 20 000 Fans das Festival besucht. Auch wenn das Festival als so was wie eine Fortsetzung der R(h)einkultur-Idee galt – die Initiatoren setzten von Anfang an auf Eintrittsgelder. Allerdings waren die bewusst niedrig gehalten. Das Ticket für das erste Festival kostete noch 9,90 Euro, zuletzt 29,90 Euro – für 30 Bands.

Am 25. August vergangenen Jahres hatte Harder, der mit Ganser, Hülsmann und den Green-Juice-Betreibern Forisk Entertainment die Rockaue auf die Beine gestellt hatte, dem GA gesagt: „Wir lecken noch unsere Wunden.“ Zu Gerüchten über eine mögliche Trennung des Teams versicherte er. „Wir sind alle noch zusammen und überlegen, ob und wenn ja, wie es weitergehen kann.“ Zu dem Zeitpunkt war der Insolvenzantrag bereits gestellt.

Dass das Gericht das Verfahren eröffnet hat, bedeutet indes auch, dass die Gesellschaft nicht völlig bankrott und masselos ist, wie die Gerichtssprecherin feststellte. Sie erklärte auf Nachfrage, dass bereits am 24. November eine Gläubigerversammlung stattgefunden habe. Nun müssten die Gläubiger ihre Forderungen auflisten, GA-Informationen zufolge sind 26 Gläubiger bisher dazu aufgefordert worden.