Giftköder in Röttgen

Gefahr für Hunde an der Andreas-Hermes-Akademie

Heinz Velten, Nadine Reuter und Jan-Lukas Gerner (von links) beim Gassigehen in der Nähe der Andreas-Hermes-Akademie. Sie werden auch künftig die Augen offen halten.

19.12.2013 RÖTTGEN. Cora, die Cavalier King Charles Spaniel-Dame von Heinz Velten läuft ein paar Schritte hinter ihrem Herrchen her und schnuppert hier und da. Noch hat sie Freilauf. Das wird sich gleich ändern. "Giftköder? Hier? Nein, davon ist mir nichts bekannt", sagt Velten. Dabei gehe er jeden Tag rund um die Andreas-Hermes-Akademie spazieren. Vorsichtshalber nimmt er Cora an die Leine.

Viele Hundebesitzer in Röttgen machen sich derzeit Sorgen um ihre Tiere. Denn rund um die Akademie soll ein Unbekannter Giftköder auslegen. Renate Dohrmann von der örtlichen Hundeschule warnt deswegen Hundebesitzer und informiert die Nachbarschaft.

Warnzettel hängen auch in den Geschäften aus. "Einige Hunde sind gestorben, ein paar haben überlebt", sagt Dohrmann. Die Tiere hätten das verbotene Pflanzenschutzmittel E605 gefressen. Das wisse sie, weil eine Hundebesitzerin ihr Tier habe obduzieren lassen. Romy Lindner, die mit drei Hunden Gassi geht, hat sehr wohl auch von dem Gerücht gehört. "Einer von meinen war auch schon vergiftet", sagt Lindner.

Zum Glück habe er offensichtlich nur eine kleine Menge gegessen, der Tierarzt konnte ihm helfen. "Hier in der Ecke wird regelmäßig so etwas verstreut", meint Lindner. Auch Hundebesitzerin Nadine Reuter hat davon gehört, dass in der Gegend Hunde vergiftet worden seien.

Sie hält den Warnhinweis der Hundeschule in der Hand. "Und ich lese gerade, was es für Symptome gibt, das kommt mir sehr bekannt vor", sagt sie. Vor zweieinhalb Wochen sei ihr Hund sehr krank gewesen. Seinerzeit sei jedoch keine Vergiftung diagnostiziert worden, sondern ein Infekt. "Aber der andere Hund hat sich nicht angesteckt, die Symptome stimmen aber total überein", sagt Reuter.

Laut Warnzettel leiden die Tiere unter starkem Speichelfluss, Durchfall, Erbrechen, Muskelzuckungen und Lähmungen. Auch Melanie Michnig berichtet, dass eine Nachbarin, deren Hund auch Gift gefressen habe, sie gewarnt habe. "Ich solle vorsichtig sein, rund um die Akademie liegen Giftköder aus, meinte sie", so Michnig. Laut Polizeisprecher Frank Piontek ist bei der Polizei nichts von diesen Vorgängen bekannt. "Es liegt keine Anzeige vor", sagt Piontek. Und auch "Dorfsheriff" Bernhard Klotz wisse nichts von vergifteten Tieren.

Dohrmann ist von der Richtigkeit der Gerüchte überzeugt. Sie habe diese Version von der Mitarbeiterin eines Geschäftes gehört, die wiederum von der Frau berichtet habe, deren Hund am Gift gestorben ist. Von wem der Hund obduziert worden sein soll, weiß sie nicht.

"Die Zettel sind eine Vorsichtsmaßnahme von mir", sagt Dohrmann. Zumindest Tierärzte aus der unmittelbaren Umgebung haben in letzter Zeit keinen Hund obduziert, der vergiftet wurde. "Wir hatten keine Vergiftungsfälle in letzter Zeit", heißt es aus der Ippendorfer Tierarztpraxis Selzer.

Auch die Alfterer Kleintierpraxis Schütterle kann keinen derartigen Fall bestätigen. Beim Röttgener Tierarzt Rainer Winand wurde der vermeintlich vergiftete Hund auch nicht obduziert. "Der Stadtordnungsdienst hat nach Ködern gesucht, aber keine gefunden", sagt Elke Palm vom Presseamt. Sie rät dazu, trotzdem achtsam zu sein, Hunde nicht abzuleinen und sich zu melden, wenn man etwas findet. (Martin Ochmann)