Kommentar zum tödlichen Fahrradunfall

Gefährlicher Winkel

Bonn. Die Zahl der tragischen Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern wie nun auf der Bornheimer Straße könnte niedriger sein. Dafür müssten bloß Abbiegeassistenten in die Lastwagen und Busse eingebaut werden. Es sollte Pflicht sein, meint GA-Redakteur Nicolas Ottersbach.

Es ist unerträglich. Immer wieder werden Menschen von Lastwagenfahrern übersehen, werden schwer verletzt oder sterben sogar. So wie die junge Frau, die am Montag an der Bornheimer Straße ums Leben kam. Dabei haben weder die Männer und Frauen hinter dem Steuer noch die Unfallopfer Schuld daran. Beim Abbiegen verschwinden Radfahrer und Fußgänger im toten Winkel der Laster, werden einfach nicht mehr wahrgenommen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist etwa jeder dritte Verkehrsunfall zwischen Lastwagen und Radfahrern, bei dem ein Mensch verletzt oder getötet wird, ein Abbiegeunfall. Und das in Zeiten, in denen Autos selbstständig einparken und Sensoren die Umgebung von Fahrzeugen erfassen.

Abbiegeassistenten sind keine Pflicht

Abbiegeassistenten sind bereits auf dem Markt, aber der Gesetzgeber macht sie nicht zur Pflicht. Obwohl es überschaubare technische Mittel sind, die sich für unter 2000 Euro nachrüsten lassen, wie der ADAC erst vor wenigen Wochen getestet hat.

Zwar sind die Geräte noch nicht mit einem Notfall-Bremssystem gekoppelt – was der nächste Schritt sein sollte –, aber sie erkennen Radfahrer mit geringen Fehlern und machen akustisch auf sie aufmerksam. Ein Piepen, das Leben retten kann.

Der Vorstoß von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, mit Förderungen die Fuhrparkbesitzer zum Nachrüsten zu bewegen, ist da nur eine kurzfristige Lösung. Die ersten fünf Millionen Euro waren nach wenigen Wochen erschöpft, auch die nun erneut angekündigten fünf Millionen werden wohl schnell weg sein.

Bis Abbiegeassistenten bei Lkw zur Pflicht werden, dauert es noch Jahre – wegen zäher EU-Genehmigungsverfahren. Nach Plänen der EU-Kommission soll die Regelung für Busse und Lkw bei neuen Fahrzeugtypen erst ab 2022, für alle neuen Lkw und Busse ab 2024 gelten.

Und so bleibt es unerträglich. Denn diese vermeidbaren, tragischen Unfälle werden weiterhin Alltag auf den Straßen sein.