Kommentar zu Baumaßnahmen

Geduld bleibt eine Tugend

Auf der Nordbrücke ist die Verkehrsführung geändert.

Auf der Nordbrücke ist die Verkehrsführung geändert.

Bonn. GA-Redakteur Jörg Manhold befürchtet, dass die Baustellen in Bonn und Umgebung den Autofahrern in den nächsten Jahren viel abverlangen werden.

Autofahrer in Bonn und Umgebung brauchen in den kommenden Jahren Nerven wie Stahlseile. Denn nachdem die Straßen- und Brückensanierung in den vergangenen Jahrzehnten von der Politik vernachlässigt worden ist, gibt es momentan kaum eine Autobahn, auf der nicht viel Erde bewegt wird. Das hat einerseits damit zu tun, dass jetzt Geld in den öffentlichen Kassen ist, anderseits ist der Sanierungsdruck so groß geworden, dass es vielfach keine Alternative gibt.

Bestes Beispiel ist der Tausendfüßler, jener Abschnitt der Autobahn 565 zwischen Endenicher Ei und A 555, der ganz zügig erneuert werden muss. Der Verkehr ist dichter und die Lastwagen sind schwerer geworden. Dementsprechend sind auch die physikalischen Anforderungen an Straßen und Brückenbauwerke gestiegen. Deshalb müssen praktisch alle Strecken ertüchtigt werden. Klar, dass Pendler, die den Stau täglich von innen betrachten, entnervt reagieren, wenn wieder einmal eine neue Baustelle angekündigt wird. Vor allem wenn es relativ kurzfristig geschieht.

Deshalb ist es nicht uninteressant, rechtzeitig zu wissen, dass die Nordbrücke ab dem Jahr 2028 komplett ausgetauscht wird. Wie das genau logistisch gelöst wird, ist noch nicht klar. Am Ende soll aber an dieser Stelle eine neue Brücke über den Rhein führen, weil die jetzige zu schmal ist. Trotzdem ist vorher – voraussichtlich ab 2019 – eine Generalsanierung der alten Brücke vorgesehen. Das Gutachten dazu liegt noch nicht vor, deshalb ist auch nicht vorhersagbar, was das für den fließenden Verkehr bedeutet.

Es ist aber keinem steuerzahlenden Bürger zu verdenken, dass er sich fragt: Wieso eine Generalsanierung, wenn die Brücke ohnehin abgerissen wird? Die Antwort kann nur sein: Weil Verkehrsplaner langfristig denken und kurzfristig handeln. Für Autofahrer bleibt Geduld auf Jahre hinaus eine Tugend.