Gedenken an Hans-Egon von Gottberg

Der 87 Jahre alte Neffe Ernst-Döring von Gottberg schreibt über seinen Onkel, den Gründer des Pfadfinder-Korps Bonn.

Am 10. Oktober 1914 verstarb der Gründer des Pfadfinder-Korps Bonn, Leutnant Hans-Egon von Gottberg, im Alter von 23 Jahren an seinen schweren Verwundungen, die er am 19. September in der Marne-Schlacht erlitten hatte. Dieser "Gottberg-Gedenktag" wird noch heute von den Bonner Pfadfindern begangen.

Im Nachrichtenblatt der Gemeinschaft Bonner Alt-Pfadfinder vom Oktober 1928 lesen wir folgenden Erlebnisbericht:

Als wir uns am 29. Juni 1914 am Tomberg versammelten, drang zu uns die Kunde von der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand. Diese Nachricht führte zum Abbruch in der frisch-frohen Stimmung der Pfadfinder und zum Ende der Veranstaltung. Die Frage, ob dieser Mord zu einem Krieg führen könnte, wurde vielleicht von den Erwachsenen erörtert, wir Pfadfinder dachten nicht weiter darüber nach.

Es kam der Monat Juli. Es bestand „Kriegsgefahr“! Dessen ungeachtet hatten die Pfadfinder unter Hans-Egon von Gottberg und dem Oberspielleiter am Stadttheater Vorbereitungen zur Aufführung des Schauspiels „Zopf und Schwert“ zu Gunsten des „Roten Kreuzes“ getroffen. Da schlägt wie aus heiterem Himmel die Nachricht vom Kriegszustand ein. Der Gaufeldmeister, Oberstabsarzt Dr. Branslow, kam noch kurz zur Verabschiedung in den Saal. Am 3. August 1914, seinem 23. Geburtstag, wird Hans-Egon noch kriegsgetraut. Dann kam auch für ihn die Trennungsstunde von seinen Pfadfindern im Grottensaal des „Kölner Hofes“. Ein kurzer Händedruck und ein banges „Auf Wiedersehen“, und es sollte für immer sein!

Als Leutnant von Gottberg Ende September 1914 nach schwerer Verwundung der Marneschlacht ins Lazarett Friedrich-Wilhelm Stift eingeliefert wurde, gab er seinen Pfadfindern noch Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen im Pfadfinderheim in der Feldstraße. Es kam aber anders. Diejenigen Pfadfinder, die am 10. Oktober 1914 auf der Pfadfinderwache in der Martinsstraße 10 ihren Dienst taten, erhielten die Todesnachricht als erste.

Die Pfadfinder hatten ihren Führer, Kameraden und Gründer des Pfadfinder-Korps Nordrhein-Westfalen verloren, der nur wenige Jahre mit ihnen zusammen war, aber in dieser kurzen Zeit die Herzen aller Pfadfinder erobern konnte. In ganz Bonn wurde diese Todesnachricht mit Wehmut aufgenommen. Man kannte ihn in der ganzen Stadt und auch weit über die Grenzen Rheinland-Westfalens hinaus.

Im Zeitungsbericht zu seiner Beerdigung lasen wir: „Eines steht fest, unter den Fittichen des Pfadfinder-Korps, unter dem ernst-fröhlichen Kommando des Leutnants von Gottberg sind die Jungens nicht allein wohl geborgen, sondern sie lernen auch viel Gemeinnütziges.“

Und der Oberspielleiter G. Wittmann sprach am Grab: „Er war ein leuchtend Vorbild aller Jugend, und gab die seine treu dem Vaterland.“

Auf dem Poppelsdorfer Friedhof befindet sich das Ehrengrab der Stadt Bonn für den Dichter und Gründer des Bonner Pfadfinder-Korps, Hans-Egon von Gottberg. Mit 23 Jahren endete dieses hoffnungsvolle Leben durch die in diesem schrecklichen Weltkrieg vor 100 Jahren erlittenen Kriegsverletzungen.