Stadt Bonn will Bestand retten

Geburtshelferkröten im Kottenforst stark gefährdet

Ein Geburtshelferkröten-Männchen trägt ein Eipaket, das um die Hinterbeine gewickelt ist: Ein unverkennbares Bestimmungsmerkmal.

Ein Geburtshelferkröten-Männchen trägt ein Eipaket, das um die Hinterbeine gewickelt ist: Ein unverkennbares Bestimmungsmerkmal.

Röttgen. Die Untere Umweltbehörde der Stadt Bonn schlägt Alarm: Der Bestand der seltenen und geschützten Geburtshelferkröten im Kottenforst ist stark gefährdet. Jetzt soll ein Notprogramm die Amphibien retten.

Tropische Hitze und kaum Regen. Nicht nur die Landwirtschaft hat mit den Folgen des vergangenen Sommers zu kämpfen. Der Kottenforst als sensibles Ökosystem leidet ebenfalls unter den Klimaveränderungen. Das Wasser in Tümpeln und Teichen verdunstet, auf den Böden sammelt sich zu viel Schlamm an. Mit der Folge, dass immer mehr Gewässer versanden. Damit verschwindet jedoch der natürliche Lebensraum vieler Insekten und Amphibien.

Besonders gravierend sind diese Entwicklungen nach Ansicht der Unteren Umweltbehörde der Stadt Bonn für die streng geschützten Geburtshelferkröten im Kottenforst. Dort, so heißt es in einer Beschlussvorlage für die nächste Sitzung des Naturschutzbeirats, sei die Population der kleinen grau-braunen Lurche derzeit massiv gefährdet.

Durch das Anlegen eines sogenannten Trittsteingewässers sowie eine Aufwertung des Ursprungsgewässers im „Waldreservat Kottenforst“ will die Stadt Bonn den Bestand der Amphibien auf Dauer sichern. In der Sitzung am 6. November soll daher grünes Licht für die Anlage eines weiteren Trittsteingewässers gegeben werden. Es soll südlich des Annaberger Hofs im Wald angelegt werden. Da das Waldreservat Bestandteil eines Natur- und Landschaftsschutzgebietes nach den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (FFH) ist, muss zunächst eine naturschutzrechtliche Befreiung für das Projekt erteilt werden.

Maßnahmen dienen der Erhaltung der Kröte

„Die geplanten Maßnahmen dienen der Erhaltung und Förderung der letzten Restvorkommen der Geburtshelferkröte im Kottenforst“, begründet die Verwaltung ihren Vorstoß. Die Art komme derzeit nur noch vereinzelt und sehr isoliert in wenigen Regionen von Nordrhein-Westfalen vor. „Das aktuelle Vorkommen befindet sich in einem sehr kritischen Zustand und droht ohne populationsstützende Maßnahmen in den kommenden Jahren ganz zu erlöschen. Es ist gleichzeitig die einzige Population auf linksrheinischer Seite der Stadt Bonn“, so die Begründung. Durch die Schaffung von Trittsteingewässern in den Jahren 2017 und 2018 (vorrangig für Springfrösche und Kammmolche) seien im Umfeld zwar auch die Lebensräume der Geburtshelferkröten aufgewertet worden, allerdings müssten weitere Schritte folgen.

Neben der Anlage eines Trittsteingewässers favorisiert die Stadt eine Auswertung der Habitate an Land. Um einer weiteren Verschlammung der Gewässer vorzubeugen, sollen gezielt Bäume im Uferbereich entfernt werden, damit mehr Licht einfällt. „Bedeutsame Bäume sollen aus ästhetischen Gründen erhalten werden und gleichzeitig für eine Teilbeschattung des Gewässers sorgen, um die Gefahr der schnellen Verkrautung zu minimieren“, schlägt die Verwaltung weiter vor.

Würden die Wurzelteller abgesägter Bäume stehen bleiben, dann hätten die Kröten einen idealen Unterschlupf. „Die Habitatoptimierung des Ursprungsgewässers ist für die erfolgreiche, dauerhafte Besiedlung der Art unverzichtbar“, erklärt die Stadt weiter.