Akademie in Röttgen und neues Bürogebäude

GIZ stärkt durch Neubauten den Standort Bonn

Bonn. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hat am Dienstag in Röttgen den Grundstein für ihr neues Fort- und Weiterbildungszentrum gelegt. Die Akademie ist eines von drei Neubauprojekten des Bundesunternehmens in Bonn.

Die GIZ hatte die Liegenschaft der ehemaligen Andreas-Hermes-Akademie in der Wehrhecke im November 2013 erworben. Seit September vergangenen Jahres läuft die Sanierung der dort bereits bestehenden Gebäude. Jetzt sollen sie durch einen Neubau ergänzt werden. „Lebenslanges Lernen ist unabdingbar, wenn wir die Herausforderungen der Gegenwart meistern wollen“, sagte GIZ-Vorstandssprecherin Tanja Gönner anlässlich der Grundsteinlegung. Bonn sei der perfekte Ort dafür.

Die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) werde zu diesem Zweck künftig zahlreiche Trainings- und Fortbildungsangebote anbieten, sowohl für die eigenen Mitarbeiter als auch für Beschäftigte aus anderen Organisationen. Eine Kernleistung sei zum Beispiel die Vorbereitung von Experten und Beratern auf ihre Einsätze in Schwellen- und Entwicklungsländern. Insgesamt 28 Millionen Euro werden laut der GIZ in den Standort Röttgen investiert. Die Sanierung des Gebäudebestands soll im Herbst diesen Jahres abgeschlossen sein. Der Neubau sei voraussichtlich im Herbst 2017 bezugsfertig.

Die Investition in die neue Akademie sei ein deutliches Signal für eine Stärkung des Standorts Bonn, heißt es vonseiten der GIZ. Bereits mit dem Mäanderbau an der Friedrich-Ebert-Allee, in dem seit 2015 rund 500 Beschäftigte tätig seien, habe man ein Zeichen gesetzt. Bis 2019 solle der Komplex am Trajektkreisel durch ein zusätzliches Bürogebäude erweitert werden. Insgesamt 158 Millionen Euro investiere die GIZ in den sechsstöckigen Neubau an der B9, der auf 30.000 Quadratmetern rund 900 Mitarbeitern Platz bieten soll.

Davon profitieren laut GIZ vor allem die eigenen Beschäftigten. Bis jetzt arbeiteten die Mitarbeiter in Bonn an drei Standorten. Mit dem neuen Bürogebäude entstehe gemeinsam mit dem Mäanderbau ein Campus, auf dem alle Arbeitsplätze unmittelbar beieinander liegen. „Der GIZ-Campus soll einmal 1.300 Beschäftigte haben“, kündigte Gönner an.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan begrüßte die Stärkung des Standorts am Rhein. „Das ist nicht nur ein Grundstein, sondern ein Meilenstein für das internationale Bonn“, sagte er. Die Bundesstadt habe sich auch durch das Wirken der GIZ zu einem globalen Nachhaltigkeitszentrum entwickelt. Weltweit hat die GIZ nach eigener Aussage rund 16.500 Mitarbeiter. Der Großteil arbeite in den Büros und Programmen im Ausland. In Deutschland seien für die GIZ rund 3.000 Mitarbeiter tätig, davon derzeit 900 in Bonn und 1.700 am zweiten großen Sitz im hessischen Eschborn.

Bonn sei gerade wegen seiner Nähe zum Hauptauftraggeber, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), von großer Bedeutung für die GIZ, betonte Vorstandssprecherin Gönner. Deshalb habe man im September 2015 den wichtigen Bereich Sektor- und Globalvorhaben nicht etwa in Eschborn, sondern in der Bundesstadt gebündelt. Gleichzeitig weist die GIZ den Vorwurf von sich, in Bonn würden keine wichtigen Entscheidungen getroffen. Nach der Fusion der damaligen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit (GTZ, Inwent und DED) zur GIZ im Jahr 2011 gab es Kritik, dass die Geschäftsführung zumeist in Eschborn sitze und der Standort Bonn vernachlässigt würde.

2013 monierten zudem die Bonner Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber (SPD) und Katja Dörner (Grüne), dass die Zahl der Stellen in der Entwicklungsarbeit in Bonn nach der Fusion entgegen einer Vereinbarung zwischen dem BMZ und dem Land NRW um fast 100 Arbeitsplätze gesunken sei. Am Dienstag war Kelber zuversichtlicher: „Mit der aktuellen Entwicklung bin ich zufrieden. Sie sollte aber auch so weitergehen.“

Eine Benachteiligung Bonns gegenüber Eschborn entbehre aus heutiger Sicht jeder Grundlage, heißt es vonseiten der GIZ. Das Unternehmen gestalte seine Arbeit von beiden Sitzen gleichermaßen. Die Errichtung der Akademie und der neuen Bürogebäude stellten ein klares Bekenntnis zum Standort Bonn dar.