Rundblick über Bonns Norden

GA-Leser genießen bei einer Hafenführung ein exklusives Höhenerlebnis

BONN. Noch mal Glück gehabt: Nur zwei Stunden nach dem verheerenden Sommergewitter am Donnerstag schien für eine kleine Gruppe von GA-Lesern wieder die Sonne. Und wie, denn im Zuge einer exklusiven Führung durch den Bonner Hafen genossen sie bei bestem Wetter den Blick von der riesigen Containerbrücke.

Mit einem Mini-Aufzug, der nur drei Personen fasst, geht es in 30 Meter Höhe. Und dann steht die Gruppe auch schon im Freien, auf Gitterrosten, durch die man bis zum Boden blicken kann. Nichts für schwache Nerven. Doch diese mentale Erschwernis meistern alle Teilnehmer mit Bravour, und sie erweisen sich als schwindelfrei.

"Toll, welch ein Ausblick", schwärmt GA-Leserin Margret Dalkmann, als sie oben aus dem Aufzug tritt, während der Rhein unter ihr liegt und sie das Panorama vom Drachenfels bis zum Heimatblick vor sich hat. Die Containerbrücke bewegt sich derzeit auf Schienen, die Arbeit im Hafen muss schließlich weitergehen.

Für Hafenbetreiber Am Zehnhoff-Söns, ein Familienbetrieb in dritter Generation mit inzwischen rund 200 Mitarbeitern, ist die 600 Tonnen schwere Containerbrücke ein ganz wichtiges Arbeitsgerät, das beim Beladen der Schiffe gute Dienste tut - 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Im Jahr 2011 wurden hier 183 000 Container umgeschlagen.

Am Donnerstag war es etwas ruhiger. "Derzeit ist unser Platz zu einem Drittel mit Containern gefüllt", sagt Divisional Manager Thomas Butscheidt, der nach eigenen Angaben für alles im Hafen zuständig ist, was sich bewegt. Der 43-Jährige berichtet, im Hafen könnten bis zu 1800 Container unter den Brücken gelagert werden. Nach der Erweiterung der Spundwand gibt es hier vier Schiffsliegeplätze.

"Heutzutage wird fast alles in Container verladen", erzählt Butscheidt. Auch flüssige Stoffe oder Granulate, indem ein riesiger Plastiksack im Container befestigt und befüllt wird. Inliner nennen die Experten dieses Verfahren. Überhaupt ist das Vokabular speziell: Stuffing und Stripping steht für das Be- und Entladen von Containern. Trotzdem gibt es immer noch den konventionellen Umschlag, wie man ihn von früher kennt. Dazu lagern in Boxen am Uferrand große Mengen von Kies und Salz. Für die GA-Leser war der Abstecher auf das schwankende Ungetüm, das fälschlicherweise oft als Kran bezeichnet wird, eine aufregende Sache. Zumal man, wenn überhaupt, so schnell nicht mehr in den Genuss einer solchen Führung auf den wohl höchsten Aussichtspunkt im Bonner Norden kommt.

Als der Mini-Aufzug sich wieder in Bewegung setzt und alle wieder wohlbehalten nach unten bringt, folgt anerkennendes Kopfnicken. "Es war ein tolles Erlebnis", sagt GA-Leserin Birgit Pieplow. "Aber ich bin auch jemand, der gerne runterguckt in die Tiefe." Ganz anders als ihr Mann. Der hat Höhenangst und vertreibt sich die Zeit lieber am Boden.