Schüler, Weltentdecker und UN-Mitarbeiter

Gäste aus aller Welt kommen in die Jugendherberge

Seit 1996 leiten das Ehepaar Ute und Winfried Hecker gemeinsam die Bonner Jugendherberge.

Seit 1996 leiten das Ehepaar Ute und Winfried Hecker gemeinsam die Bonner Jugendherberge.

Venusberg. Die Bonner Jugendherberge auf dem Venusberg ist seit Jahrzehnten ein beliebter Tagungsort für Gruppen aus aller Welt. Früher kamen viele Politiker, heute Angehörige der Vereinten Nationen.

Die Lage der Bonner Jugendherberge auf dem Venusberg und vor allem deren unmittelbare Nähe zum Wald findet Odette Futa außergewöhnlich. Als ebenso „extraordinary“ empfindet die Ärztin aus dem Kongo die Sauberkeit und das gute Essen. Sie vergleicht die Jugendherberge am Haager Weg mit Häusern in Paris und Montreal. Von Bonn hat sie noch nicht viel gesehen. Doch das wird sie nachholen, sobald ihr die Teilnahme an dem Treffen der „Ärzte ohne Grenzen“ dazu Zeit lässt. Sechs Mal im Jahr treffen sich am Haager Weg die Ärzte der Freiwilligenorganisation, um auf ihren ersten Einsatz in Hilfsgebieten vorbereitet zu werden.

Der internationale Nothilfeverein ist ein typisches Beispiel für die Gäste der Jugendherberge, die meist in Gruppen anreisen: Schulklassen nutzen gerne zu Beginn ihrer Orientierungsstufe einen meist mehrtägigen Aufenthalt, um sich kennenzulernen. Idealerweise bei Teamtrainings in dem kooperierenden Kletterseilgarten. Ältere Schüler, Studenten und Familien und einzelreisende Weltentdecker übernachten auf dem Venusberg, um das Bonner Haus der Geschichte, besondere Ausstellungen in den Museen der Stadt, das Beethovenhaus, die Stadt selber oder auch die Brücke von Remagen und Sehenswürdigkeiten in Köln sowie im Umland zu besuchen.

Keine Besuchsmöglichkeiten in UN-Einrichtungen

„Von besonderem Interesse sind auch die Einrichtungen der UN in Bonn“, sagt Herbergsleiter Winfried Hecker, „doch leider gibt es bei den Vereinten Nationen in Bonn keinen Besucherdienst, der das große Interesse bedienen könnte.“ Auch wenn sich in Bonn rund 20 UN-Organisationen mit dem Thema einer nachhaltigen Zukunft auf dem Planeten beschäftigen, gebe es weder einen Ansprechpartner, noch einen Ort an dem die vielen jungen Besucher der Jugendherberge etwas über die Arbeit der rund 1000 UN-Angestellten erfahren könnten.

Das bedauert Ute Hecker, die mit ihrem Mann seit 1996 die Bonner Jugendherberge führt. Für die beiden ist „Nachhaltigkeit“ nicht erst seit ihre Zertifizierung durch „Sustainable Bonn“ ein Thema. Es wird nur Transfair-Kaffee serviert, Fleisch aus artgerechter Haltung verarbeitet und Vollkornbackwerk aus kontrolliert biologischem Anbau angeboten. „Wo immer es geht, vermeiden wir Portionsverpackungen oder Convenience-Produkte“, so Hecker. Damit leistet der Betrieb seinen Beitrag zu Bonn als „Konferenzort der Nachhaltigkeit“. 2018 konnten rund 40.000 Übernachtungen am Haager Weg gezählt werden. Ein guter Wert, der sich trotz zunehmender Konkurrenzangebote durch Hostels und Airbnb über die Jahre kaum gravierend verändert habe, sagt Winfried Hecker, der die Verwaltung des Hauses innehat.

Weltklimakonferenz erinnerte an Hauptstadtzeiten

Dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz Themen sind, die viele junge Menschen aus aller Welt in die Jugendherberge führt, konnte Ehepaar Hecker zur UN-Weltklimakonferenz 2017 erleben. Über das internationale bunte Treiben in ihrem Haus geraten auch heute noch beide ins Schwärmen. Die Besucher aus aller Welt erinnerten sie an die Zeit, als Bonn noch Hauptstadt war. Letztlich war dieser Status auch 1956 der Grund zum Bau der großzügig angelegten Jugendherberge als Begegnungsstätte für Besuchergruppen von Bundestag und -rat. „Zu Sitzungszeiten des Bundestags waren nicht nur wir, sondern auch alles um uns herum ausgebucht“, erinnert sich Ute Hecker. Vor allem zu den Wochenenden waren alle der 269 Betten in den Einzel-, Doppel- und Vierbettzimmern der Jugendherberge belegt.

„Damals ging man die Treffen, Tagungen und Seminare allerdings noch etwas lockerer an“, zieht Hecker einen Vergleich zu heute, wo „alles konzentrierter“ abliefe. Früher habe man sich bei Wochenendtagungen freitags getroffen und erst einmal bei einem Glas Bier oder Wein im Bistro der Jugendherberge kennengelernt, bevor man dann am Samstag „so langsam anfing“, sich mit dem Thema der Zusammenkunft zu beschäftigen“. Heute werde die Zeit viel intensiver genutzt.

Gefragt nach der Zukunft der Jugendherberge in Bonn, ist sich Ute Hecker sicher, dass die Stadt ihre Attraktivität in der bundesdeutschen Geschichte nicht verlieren werde. Was damals die Regierung war, sei heute der UN-Campus für Bonn. Winfried Hecker ist zuversichtlich, dass er eines Tages auch den vielen Anfragen von Lehrern, die mit ihren Schulklassen die UN besuchen möchten, mit einer Antwort durch die Öffnung der UN nach außen behilflich sein kann.