Haus der Bildung

Furcht vor der nächsten Kostenexplosion

Vom Sommer an soll hier Wissen vermittelt werden. Die Politiker wüssten gern, wie viel Geld das "Haus der Bildung" am Ende kostet.

Vom Sommer an soll hier Wissen vermittelt werden. Die Politiker wüssten gern, wie viel Geld das "Haus der Bildung" am Ende kostet.

BONN. Böse Überraschungen bei städtischen Bauprojekten sind die Bonner inzwischen gewöhnt. Das Haus der Bildung am Bottlerplatz ist ein Paradebeispiel dafür. Nach zweimaliger Verschiebung des Fertigstellungstermins und massiver Kostensteigerungen gibt es auf der Baustelle offensichtlich erneut Probleme.

Das Städtische Gebäudemanagement (SGB) spricht in einer nichtöffentlichen Beschlussvorlage für die nächste Sitzung des SGB-Betriebsausschusses von einer "schwierigen Umsetzungsphase" und will deshalb ein Düsseldorfer Ingenieurbüro erneut beauftragen, das SGB bei der Bauleitung zu unterstützen. Dafür soll das Büro noch mal rund 75 000 Euro erhalten.

Hintergrund: Für das Haus, in dem die Stadtbücherei und die Volkshochschule (VHS) ihr neues Quartier beziehen sollen, musste bereits zweimal wegen gravierender Probleme auf der Baustelle, eines Streits mit einem Gerüstebauer und Firmeninsolvenzen der geplante Eröffnungstermin verschoben werden (der GA berichtete).

Mit Folgen vor allem für die Volkshochschule, die ihren Unterricht ursprünglich schon dieses Wintersemester in den neuen Räumen anbieten wollte. Zudem sind seit Baubeginn 2012 die Kosten kräftig gestiegen: Waren 2008 die Kosten gerade mal auf 11,5 Millionen Euro geschätzt worden, liegen sie dem städtischen Presseamt zufolge aktuell bei 26,4 Millionen Euro - gut sechs Millionen Euro höher als bei Baubeginn. Immerhin neun Millionen Euro werden über Landeszuschüsse finanziert.

Die aktuelle Beschlussvorlage stiftete nun in den Fraktionen einige Verwirrung. Denn ursprünglich war ein anderes Büro mit der Projektsteuerung beauftragt gewesen. Diesem war aber Anfang 2014 gekündigt worden. Warum, geht aus der Vorlage nicht hervor. Die Stadt wollte sich auf Nachfrage mit Verweis auf datenschutzrechtliche Gründe dazu nicht äußern.

Im November beauftragte das SGB dann offensichtlich das Büro mit Projektsteuerungsleistungen, das jetzt erneut einen Auftrag erhalten soll. Für den ersten Auftrag erhielt das Büro 41 367,30 Euro. Weil der Auftrag unterhalb der 50 000 Euro Grenze blieb, erfuhr der SGB-Ausschuss nichts davon.

Auch darüber sind die Politiker ziemlich sauer. "Dazu haben wir erheblichen Informationsbedarf", kündigte CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus-Peter Gilles an. Die Beauftragung des Büros, das das SGB als "leistungsfähig und erfahren" bezeichnet und als Referenz die vor wenigen Monaten fertiggestellten Abgeordnetenhäuser neben dem WCCB anführt, sieht Gilles mit großer Skepsis.

Schließlich haben sich auch bei diesem Projekt die Kosten verdoppelt. Die Sanierung der einstigen Abgeordnetenhäuser entlang der Heussallee, die heute als Boardinghäuser für UN-Tagungsgäste genutzt werden sollen, hat letztlich fast neun Millionen Euro gekostet.

"Ein Kernproblem liegt in der unzureichenden Abstimmung von Verantwortlichkeiten für Planung, Steuerung und Controlling durch das SGB. Die hieraus resultierenden Probleme und Überforderungen versucht das städtische Gebäudemanagement dann häufig noch nachträglich durch immer neue Vergaben an Externe und deren Einbindung in das Projekt zu begegnen", kritisiert Michael Faber die Beschlussvorlage. Der Chef der Linksfraktion vermisst eine klare Zuordnung von Verantwortung im SGB.

Auch Bernhard Wimmer (Bürgerbund) findet die Vorlage des SGB "einfach nur noch erschreckend". Seine Fraktion hat deshalb einen Dringlichkeitsantrag an den SGB-Ausschuss gestellt mit der Forderung, die Gründe für die jüngste Entwicklung beim Haus der Bildung im Detail darzulegen.

"Auch wollen wir wissen, ob das Projekt trotz der ganzen Probleme wie geplant fertig wird und ob es beim letzten Kostenstand bleibt", sagte Wimmer. Und Ernesto Harder (SPD) ist überzeugt: "Das Haus der Bildung galoppiert doch auf die 30 Millionen Euro zu."

Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann sagte dem GA auf Nachfrage: "Nach derzeitigem Stand werden in das Haus der Bildung rund 26,4 Millionen Euro investiert. Die Baufertigstellung ist voraussichtlich für Juni zu erwarten, Volkshochschule und Stadtbibliothek sollen im Juli einziehen. Die Volkshochschule startet am 24. August in das neue Semester, die Stadtbibliothek wird voraussichtlich nach den Sommerferien öffnen."