Ermittlungen wegen Störung des öffentlichen Friedens

Fund am Bonner Hauptbahnhof entpuppt sich als leerer Trolley

18.11.2015 Bonn. Bei dem verdächtigen Koffer in der Linie 18 handelt es sich um einen leeren Reisetrolley. Kurz nach 16 Uhr hatte er in der U-Bahnlinie 18 in der Station am Bonner Hauptbahnhof die Fahrgäste in Alarmstimmung versetzt.

Der Bahnfahrer informierte sofort seine Leitstelle über den Fund. Polizisten und Mitarbeiter der Stadtwerke Bonn (SWB) evakuierten daraufhin den Bahnsteig und sperren sämtliche Zugänge zu den Gleisen bis zur U-Bahnstation Heussallee ab. Gut zweieinhalb Stunden später gaben Sprengstoffexperten der Bundespolizei Entwarnung: Der Koffer entpuppte sich als ein leerer Reisetrolley.

Polizeisprecherin Daniela Lindemann zufolge werde jetzt wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat ermittelt. Dies werde mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Außerdem drohten hohe zivilrechtliche Forderungen. Die herrenlosen Koffer, die am Mittag in der U-Bahnstation an der Moltkestraße in Bad Godesberg für einen kurzen Polizeieinsatz gesorgt hatten, seien dagegen voller Kleidungsstücke gewesen, sagt Lindemann. Die Polizei habe sie als Fundsache sichergestellt.

An sämtlichen Eingängen schließen die Rollgitter

Um 16.16 Uhr gingen in der U-Bahnstation im Bonner Loch an sämtlichen Eingängen die Rollgitter herunter. Während unten auf dem Bahnsteig Polizeibeamte auf die Sprengstoffexperten warteten, wurde die Menschenmenge eine Etage darüber immer dichter. Viele standen vor den Rollgittern und löchern die SWB-Mitarbeiter mit Fragen.

Einigen stand die Angst ins Gesicht geschrieben, als sie erfuhren, was los ist. Die meisten verlassen die angebliche Gefahrenzone schnell. "Damit war doch nach Paris zu rechnen", sagt eine Frau. Ein achtjähriger Junge steht aufgeregt vor einem Polizeibeamten. Er kommt aus der Schule und weiß nicht, wie er nach Godesberg gelangen soll, wo er wohnt. Die Telefonnummer seiner Eltern kennt er nicht auswendig. Der Beamte nimmt ihn mit zur Citywache. "Die finden wir heraus", tröstete er das Kind.

Die Stadtwerke hatten inzwischen einen Schienenersatzverkehr für die Strecke zwischen Innenstadt und Heussallee eingesetzt. Auf den übrigen Strecken fuhren die Bahnen wie gewohnt, erklärte SWB-Sprecher Werner Schui. Trotzdem kam es zu erheblichen Verspätungen auf den U-Bahnstrecken. Nach Aufhebung der Sperrung gegen 18.45 Uhr dauert es noch eine ganze Weile, bis die Bahnen wieder im Takt fuhren. (Lisa Inhoffen)