Tannenbuscher wehren sich gegen den geplanten Abriss

Fußgängerbrücke soll erhalten bleiben

Den Abriss der Fußgängerbrücke wollen Tannenbuscher mit einem Bürgerantrag verhindern. FOTO: ROLAND KOHLS

Den Abriss der Fußgängerbrücke wollen Tannenbuscher mit einem Bürgerantrag verhindern.

30.11.2015 Tannenbusch. Hunderte Schüler nutzen die Fußgängerbrücke an der Agnetendorfer Straße in Tannenbusch morgens als sicheren Überweg, mehr als 2000 Menschen passieren sie täglich.

Doch jetzt sollen die Tage des Bauwerks gezählt sein. Im Zuge des Förderprogramms "Soziale Stadt Neu-Tannenbusch" soll der Bereich umgestaltet werden. Die marode Betonkonstruktion soll abgerissen und der Überweg mit Zebrastreifen und einer Mittelinsel geregelt werden.

Dagegen wehren sich jedoch einige Tannenbuscher. Sie fordern den Erhalt und eine Modernisierung der Brücke sowie eine optimale behindertengerechte Ausgestaltung. Ein entsprechender Bürgerantrag steht auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung Bonn, deren Sitzung heute um 17 Uhr, im Stadthaus beginnt. Der städtische Planungsausschuss hat den Abriss bereits nach intensiver Diskussion abgelehnt.

"Die Brücke ist keine städtebauliche Blockade, sondern optimaler Verkehrsweg für rund 2000 potenzielle Nutzer", setzen sich Christa Düx und Wolfgang J. Weyer im Namen der Anlieger in ihrem Bürgerantrag für den Erhalt ein. Sie diene der sicheren und barrierefreien Verbindung zwischen drei Schulen mit 1700 Kindern und Jugendlichen, den Mietern des Studentenwohnheims und der Wohnquartiere auf der einen Seite, sowie dem Einkaufszentrum und den Haltestellen für Bus und Bahn auf der anderen.

Abriss der maroden Brücke soll 1,7 Millionen Euro kosten

Zudem würde ein Abriss mit 1,7 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine Modernisierung mit Neugestaltung des Vorplatzes jedoch deutlich weniger kosten. "Die Brücke ist das typische Produkt einer Planung aus den 70er Jahren, wo die Verkehre konsequent getrennt wurden", sagte Hillevi Burmester (SPD) im Planungsausschuss. Außerdem habe eine Begehung ergeben, dass die Brücke von Rollstuhlfahrern kaum zu befahren sei, weil die Steigung zu steil sei. Auch Valentin Brüchel (Piraten) sieht in der Brücke eher ein Trennungs- als ein Verbindungselement: "Das ist ja schon fast eine Festungsanlage gegen Fußgänger." Der Abriss sei aber besonders wichtig für die Begegnungsstätte, die dort entstehen soll. "Dafür braucht man den Außenraum, der durch die Brücke sonst arg begrenzt wäre", so Burmester.

"Die Verwaltung weist selbst darauf hin, dass die Brücke mehr Sicherheit und dem Jugendhaus einen besseren Zugang bietet, als eine Straßenquerung mit Zebrastreifen. Wie will man dann dem Steuerzahler die hohen Mehrkosten erklären, auch wenn das Land einen Großteil übernimmt?", fragen die Gegner des Abrisses weiter. Auch für Menschen mit Behinderung sei eine Brücke immer noch der sicherste Weg, um die Straße zu passieren. Hingegen würde ein Fußweg über die Fahrbahn nicht barrierefrei ausgebaut.

Deshalb sind die Forderungen der Antragsteller aus dem Tannenbusch klar skizziert: "Wir bitten darum, den Beschlussvorschlag der Verwaltung, die Brücke Agnetendorfer Straße abzureißen, abzulehnen und zu beschließen, dass sie erhalten bleibt und der Vorplatz zum Einkaufszentrum erneuert wird, an der Bushaltestelle Agnetendorfer Straße ein Zebrastreifen angebracht und die Notwendigkeit eines weiteren Zebrastreifens geprüft wird." Der Planungsausschuss hatte den Abriss jedenfalls abgelehnt. Lediglich SPD, Linke und Piraten waren dafür. Die FDP und ein Grüner enthielten sich. (Gabriele Immenkeppel und Cem Akalin)