Barber Angels

Friseure schneiden Obdachlosen in Bonn kostenlos die Haare

Fabienne Jansen (l.) hält einen kurzen Plausch mit Lisa, die sich währenddessen von Ute Ganser-Koll die Haare schneiden lässt.

Fabienne Jansen (l.) hält einen kurzen Plausch mit Lisa, die sich währenddessen von Ute Ganser-Koll die Haare schneiden lässt.

Bonn. Die Barber Angels, ein Zusammenschluss von rund 250 Frisören in ganz Deutschland, haben am Montag in Bonn Obdachlosen und Drogenabhängigen die Haare geschnitten und die Bärte gestutzt - alles kostenlos.

Peter fühlt sich fast wie ein neuer Mensch, während Janine ihm eine neue Frisur verpasst. Der 42-Jährige ist einer von mehr als 70 Kunden, die an diesem Vormittag beim Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) an die Quantiusstraße gekommen sind. Janine ist Frisörin und schneidet als Barber Angel Haare und stutzt Bärte.

Peter ist schon das dritte Mal dabei. So oft kam das Haarschneideteam der Barber Angels schon zur Quantiusstraße. Wenn er sich dort die Haare nicht schneiden lassen kann, dann wachsen sie eben, wie er sagt. Geld für einen Frisör habe er nicht. So geht es den meisten, die an diesem Tag gekommen sind. Barber Angels ist ein bundesweit aktiver Verein von Frisören und Kosmetikerinnen, die durch die Lande ziehen und wohnungslosen und drogenabhängigen Menschen zu einem gepflegten Aussehen verhelfen. Ehrenamtlich versteht sich.

Sie tragen schwarze Lederwesten, ähnlich einer Rockergruppe. Das Outfit kommt an. Stephan findet die Sache und die Barber Angels einfach „geil“, wie er anerkennend sagt. Er muss noch eine Weile warten, bis er an die Reihe kommt. „Ich lasse mir nur den Bart schneiden, Haare sind da ja nicht mehr viel“, sagt er lachend und streicht sich dabei über seine dünne Haarpracht. „Eigentlich kann ich die auch selbst schneiden, aber das ist hier so eine tolle Atmosphäre, dass ich mich wieder angemeldet habe.“

Es sind meist Männer, aber auch einige Frauen sind gekommen. Da ist zum Beispiel Andrea mit ihrer langen lilafarbenen Mähne. „Ich weiß noch nicht, wie ich sie schneiden lasse. Auf keinen Fall kurz“, sagt die junge Frau, die von ihrem Freund Manuel begleitet wird. Aber durch die Färberei sind ihre Haare ziemlich angegriffen, ein Stück davon wird wohl abgeschnitten werden müssen.

Während sie noch überlegt, darf Diana Platz nehmen. Mit der Waschhaube werden ihre Haare angefeuchtet und mit einem Spezialshampoo durchgeknetet. Dann legt Frisörin Janine los, steckt Klemmen ins Haar, teilt einzelne Strähnen ab und beginnt zu schneiden. Ganze Büschel fallen herunter. Diana hat sich für eine Kurzhaarfrisur entschieden. „Jetzt siehst du bald aus wie eine richtige Frau“, witzelt Lisa, die nebenan von Ute Ganser-Koll einen neuen Haarschnitt erhält. „Meine Enkelin wird jetzt eingeschult“, sagt sie und freut sich schon auf das Ergebnis.

Das Angebot wird sehr gut angenommen. Mehr als 70 Kunden stehen auf der Liste, die nach Anmeldung erstellt wurde. „Kannst du mal schauen, ob ich da auch stehe?“, fragt ein älterer Herr. „Du bist Nummer 72“, sagt Ute Ganser-Koll von den Barber Angels. „Puh“, schnauft er daraufhin und sucht sich eine Bank. Am Mittag war die Aktion, die nicht die letzte gewesen sein wird, beendet.