Filmnächte auf der Bundeskunsthalle

Freiluftkino in Bonn fast immer ausverkauft

Über 400 Besucher sehen am Mittwochabend auf dem Dach der Bundeskunsthalle den poetischen Dokumentarfilm "Sternenjäger".

Über 400 Besucher sehen am Mittwochabend auf dem Dach der Bundeskunsthalle den poetischen Dokumentarfilm "Sternenjäger".

Bonn. Halbzeit des Sommerkinos: Sigrid Limprecht von der Bonner Kinemathek, die auch die Stummfilmtage im Arkadenhof der Universität und das Open-Air-Kino im Friesdorfer Freibad organisiert, ist zufrieden.

„Das sieht schon einmal gut aus. Nur das Wetter müsste noch besser sein.“ Was der Astrofotograf Bernd Pröschold auf der Suche nach sternenklaren Nächten in den Weiten Norwegens für den Dokumentarfilm „Sternenjäger“ formuliert, gilt auch für die Filmnächte der Bundeskunsthalle. Zur Halbzeit am Mittwochabend warten Filmfans in einer langen Schlange vor der Treppe zum Dachgarten. Darüber türmen sich dunkle Regenwolken.

Veranstaltungsleiterin Kristina Walter sieht es gelassen. „Wir haben einen Plan B“, sagt sie um 20 Uhr dem zweifelnden Reporter. Die Zuschauer haben derweil mehr damit zu tun, sich mit Bockwurst, Bier und Apfelkuchen und Funk-Kopfhörern zu versorgen. Schon jetzt ist die Mehrzahl der 420 Plätze bunt belegt mit Studierenden verschiedener Nationalität, aber auch etlichen Senioren.

Andreas Buhl hat frühzeitig in der ersten Reihe Platz genommen. Seit fünf Jahren lässt er mit seiner Frau, die später nachkommt, möglichst keinen Film aus. „Die gelöste Atmosphäre hier oben ist sehr anregend“, findet er – und das Filmprogramm sowieso. Seit dem Start der diesjährigen Reihe am vergangenen Freitag haben die beiden keinen Abend ausgelassen. Die homoerotische Romanze „Call me by your name“ aus Italien hat beide bislang am meisten bewegt. Im Herbst wollen sie auch wieder die Brotfabrik besuchen, wo es schließlich ebenfalls ein exzellentes Filmprogramm gebe.

Immer ausverkauft

Carla Vanzelow aus Kessenich ist zum ersten Mal auf das Kunsthallendach gestiegen. „Mit so vielen Menschen unter freiem Himmel einen Film zu schauen, ist sehr reizvoll“, findet auch sie. Das geht offenbar auch anderen so, die kurz vor Filmstart noch die Schaukeln der aktuellen Ausstellung „The Playground Project“ ausprobieren oder mit den drei beleuchteten Kegeln im Hintergrund ein Selfie schießen. Dann heißt es Kopfhörer auf, als der große Videoprojektor die ersten Bilder in 4K-Qualität auf die riesige Leinwand wirft.

Sigrid Limprecht von der Bonner Kinemathek, die auch die Stummfilmtage im Arkadenhof der Universität und das Open-Air-Kino im Friesdorfer Freibad organisiert, ist zufrieden. „Nach 23 Nächten möchte ich gar nicht mehr in einen Kinosaal“, sagt sie. Auf dem Kunsthallendach waren die Abende bis auf fünf Restkarten am Eröffnungsabend immer ausverkauft.

Auf der Leinwand begleitet Rufus Beck aus dem Off fünf Astrofotografen rund um die Welt. Galaxien, Planeten und tausend Sterne ziehen in deren Zeitraffer-Aufnahmen gestochen scharf durchs Bild. Und als sich bei der Sonnenfinsternis in Indonesien im Film der Himmel verdunkelt, kommt auf dem Dach synchron ein kühler Luftzug auf, der die Schwüle des Tages vertreibt.

Nur die Sterne lassen sich an diesem Abend über Bonn so wenig blicken wie im Film über Bernd Pröscholds Heimatstadt Köln. Der Regen immerhin kommt erst später in der Nacht.