Häuser sehen Erfolgsmodell

Freier Eintritt in Bonner Museen zahlt sich aus

Das LVR-Landesmuseum bietet neuerdings an jedem ersten Freitag eines Monats freien Eintritt.

Das LVR-Landesmuseum bietet neuerdings an jedem ersten Freitag eines Monats freien Eintritt.

Bonn. Seit einem Jahr haben Besucher am ersten Freitag im Monat freien Eintritt ins Bonner LVR-Landesmuseum. Seitdem ist der Freitag einer der besucherstärksten Tage überhaupt. Ähnliches gilt für die Bundeskunsthalle.

Die Kinder, die am Freitag mit Sonja Püttgen zum LVR-Landesmuseum in der Colmantstraße kamen, waren ganz darin versunken, sich mit den Touchscreens an der Glasvitrine vor der Mitmachausstellung „Ritter und Burgen“ zu beschäftigen. Die weite Anfahrt aus Hilden hatte sich für die Jungen schon gelohnt, aber auch Püttgen war zufrieden, denn sie musste an dem Tag keinen Eintritt bezahlen. „Ich wusste das gar nicht.“

Sie fand das natürlich gut. So könne man zum Beispiel in Ausstellungen gehen, die man nicht so interessant findet, ohne sich nachher zu ärgern. „Ich glaube, das erhöht die Besucherzahlen. Aber es schmälert auch die Einkünfte.“ Mit beidem hat sie recht. Seit Anfang vergangenen Jahres bietet der Landschaftsverband Rheinland in all seinen Museen und kulturellen Einrichtungen den ersten Freitag im Monat eintrittsfrei an, und laut Pressesprecherin Stephanie Müller ist das seitdem einer der besucherreichsten Tage im Monat.

Am Anfang hätten Diskussionen um einen generellen Verzicht auf Eintrittsgelder gestanden – wie es etwa das Museum Folkwang in Essen seit 2015 vormacht. Das wiederum nach dem Vorbild englischer Museen. „Das Ergebnis ist der eine Tag im Monat. Am Ende ist es halt immer eine Rechnung“, sagt Müller. Ganz auf Eintritt verzichten kann man auch beim LVR nicht. Die Idee dahinter sei, dass man damit museumsferne Besucherschichten akquirieren möchte. Beworben werde das über die Zeitung, aber auch in sozialen Medien und auf Plakatflächen am Bonner Hauptbahnhof.

Im Stadtmuseum Bonn ist der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre seit Beginn dieses Jahres ebenfalls frei. Gleiches gilt für das Kunstmuseum.  Martin Pahl war vergangenen Freitag positiv überrascht, dass er und seine Familie ohne Eintritt in die Ritterausstellung konnten. „Das ist eine gute Sache“, meinte er. „Das lockt Leute an, die sonst nicht kommen würden.“ Natürlich müsse das auch finanziert werden. Grundsätzlich sei er dafür, dass die, die das Geld haben, auch Eintritt zahlen. Christian Hank und Raul Kaiser könnten sich den Eintritt schon leisten, waren aber trotzdem gezielt am Freitag gekommen, um gratis die Ausstellung „Europa in Bewegung“ zu besichtigen.

Sie wären dafür, dass größere Museen auch dauerhaft kostenlos sein sollten – die Eintrittsgelder „machen das Kraut nicht fett“, waren sie überzeugt, siehe Essen. Allerdings werden im Museum Folkwang die entgangenen Einnahmen von einer Stiftung aufgefangen, und das auch zunächst nur bis 2020. Hank plädierte alternativ für eine stärkere soziale Staffelung, nach der etwa Menschen mit Bonn-Ausweis nur einen symbolischen Euro als Eintritt zahlen. „Das Ziel müsste sein, dass das Geld keine Hürde ist.“

Besondere Angebote für Kinder

Beim LVR-Museum können seit 2009 Kinder bis einschließlich 18 Jahre die Ausstellungen kostenlos besichtigen, im August 2015 wurde das auch für geflüchtete Menschen ermöglicht. Seit 2006 können Menschen, die Sozialleistungen des LVR beziehen, dessen Museen einschließlich einer Begleitperson kostenlos besuchen. Studierende, Senioren und andere zahlen sechs Euro, alle anderen acht Euro Eintritt.

Der eintrittsfreie Tag wird auch in anderen Städten populär. In Düsseldorf hat man jetzt zu allen städtischen Museen sonntags kostenlos Zutritt. In Dortmund ist seit einem Jahr der Eintritt generell frei. In der Bonner Bundeskunsthalle wurde auch über dergleichen diskutiert, sagt Pressesprecher Sven Bergmann. Man entschied sich aber dafür, stattdessen bestimmte Besuchergruppen anzusprechen: Der Eintritt ist bis zum 18. Lebensjahr frei, darüber hinaus aber auch für Menschen bis einschließlich 25 Jahre. „Sie geben, was sie wollen“, so Bergmann. Das sei ein Erfolgsmodell.

Das alles geht allerdings zu Lasten kleinerer Museen, meint Klara Drenker-Nagels, Direktorin des August-Macke-Hauses in der Nordstadt. „Wir sind privatwirtschaftlich unterwegs.“ Da gebe es keine öffentliche Förderung. Deshalb könne man sich einen regelmäßigen Tag ohne Eintritt nicht leisten. Museen, die sich freien Eintritt leisten könnten, würden bevorzugt. „Für die kleinen Häuser ist das schwierig, sie geraten noch ein bisschen mehr ins Abseits.“ Auch sie würde gerne Menschen Kultur kostenlos zugänglich machen. Aber: „Kultur kostet Geld.“