Bonner Schwurgericht

Frau von schizophrener Schwiegermutter mit Beil attackiert

Eine Bronzestatue der römischen Göttin der Gerechtigkeit, Justitia.

Symbolbild.

Bonn. Eine schizophrene 56-Jährige steht wegen Mordversuchs vor dem Schwurgericht. Die Staatsanwalt fordert nun die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Es geschah beim Weihnachtsessen im vergangenen Jahr: Die 56-Jährige hatte gerade ihrem Sohn und der Schwiegertochter den Nachtisch serviert, da zog sie aus dem Schrank ein Hackbeil und schlug es der 30-jährigen Schwiegertochter mehrfach auf den Kopf und auf die zum Schutz erhobene Hand. Seit Montag steht die 56-Jährige wegen Mordversuchs vor dem Schwurgericht, doch ins Gefängnis muss sie wohl nicht: Laut Gutachter war sie schuldunfähig.

Der Ankläger beantragt nun ihre Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Denn die 56-Jährige leidet an paranoider Schizophrenie und war zur Tatzeit sicher, dass die Schwiegertochter ein Verhältnis mit ihrem und ihres Mannes Chef hatte und mit ihm und Ärzten in einem Bonner Krankenhaus plante, den Sohn bei einer Knieoperation mit einer zu starken Narkose zu töten. Nun vor Gericht gibt sie zu, was sie getan hat, bestreitet jedoch die Tötungsabsicht und versichert mithilfe einer Portugiesisch-Dolmetscherin: Sie wisse jetzt, dass es nicht stimme, was sie gedacht habe: „So etwas hätte meine Schwiegertochter nie getan.“

Genaue Gründe für die Trennung habe sie nicht genannt

In der Klinik, in der sie vorläufig untergebracht ist, wird sie medikamentös behandelt. Aber damals habe dieser Gedanke sie verfolgt, sagte sie, und sie habe im Traum gesehen, was passieren würde. Als sie morgens in der Weihnachtsmesse gewesen sei, habe sie sich wie in einer Totenmesse gefühlt. Aus Angst um ihren einzigen Sohn habe sie nicht mehr schlafen und essen können.

Sie habe ihm vergeblich 1000 Euro geboten, damit er sich woanders operieren lässt. Und auch ihrer Schwiegertochter habe sie Geld angeboten, damit die sie mit ihrem Sohn nach Portugal fahren lässt. Doch weder Sohn noch Schwiegertochter ahnten, was die 56-Jährige quälte. Und so fuhren sie am Weihnachtsmorgen mit ihren drei und fünf Jahre alten Kindern zum Festessen zur Mutter, die von ihrem Mann getrennt lebte.

Genaue Gründe für die Trennung habe sie nicht genannt, erklärte der 32-jährige Sohn nun als Zeuge. Seine Mutter habe nur gesagt, sie sei unglücklich. Allerdings, so der Sohn, habe die Mutter sich früher schon verfolgt gefühlt.

Nachdem die Kinder, die keinen Nachtisch wollten, ins Nebenzimmer gegangen waren, geschah es. So unvermittelt, dass weder Schwiegertochter noch Sohn, die mit dem Nachtisch beschäftigt waren, den Angriff kommen sahen. „Ich sah plötzlich meine Frau bluten und habe meine Mutter gepackt“, so der 32-Jährige. Seine Frau habe die Hand auf den Kopf gehalten, alles sei voller Blut gewesen. Er habe seine Mutter gegen den Schrank gedrückt und ihr das Beil weggenommen.

Schläge durchtrennten Schädeldecke bis auf Knochen

Dann habe er sich um seine Frau gekümmert, die ins Nebenzimmer gegangen sei, wo die Kinder sie sahen. Die Schläge hatten die Schädeldecke bis auf die Knochen durchtrennt und auch die Hand schwer verletzt. Die 30-Jährige lag tagelang im Krankenhaus.

Die Mutter habe sich in der Küche eingeschlossen und nach der Polizei gerufen, so der Sohn. In ihrer Aussage beteuerte die 56-Jährige: Sie habe die Schwiegertochter nicht töten, sondern nur eine „kleine Straftat begehen wollen“, damit die Polizei kommt und „die Sache“ beendet. Eine Polizistin schilderte dem Gericht: „Die Frau wirkte sehr aufgelöst und sagte, sie müsse ihren Sohn beschützen.“ Sie habe aber niemanden töten wollen.

Die Schwiegertochter soll nächste Woche gehört werden. Ihrem Mann zufolge sind die äußeren Verletzungen verheilt. Wegen des Traumas ist sie jedoch in Therapie. Seine Mutter habe sie noch nicht besucht. Er stehe zu seiner Mutter, denn er wisse: „Sie ist krank.“