Besuch des Bundespräsidenten

Frank-Walter Steinmeiers erster Tag in Bonn

Bonn. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird für zwei Tage in der Villa Hammerschmidt logieren und in Bonn Termine wahrnehmen. Am Montag besichtigte er das Haus der Bildung und das Beethovenhaus.

Bevor der hohe Besuch in der dunklen Limousine vor dem Haus der Bildung am Mülheimer Platz am Montagmorgen anrollt, üben die 21 Schüler der Gemeinschaftshauptschule August-Macke-Schule und des Amos-Comenius-Gymnasiums schon mal den Ablauf: Sie posieren probehalber für das Abschlussfoto auf der großen Freitreppe im Atrium des Gebäudes.

Draußen durchsuchen Sprengstoffhunde Mülleimer und Bänke. Es sind Sicherheitsvorkehrungen für den Besuch von Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender. Es ist sein zweiter Besuch in Bonn als Bundespräsident seit Ende Mai. Im Rahmen eines zweitägigen Aufenthalts besichtigt er am Montag neben dem Haus der Bildung auch das Beethovenhaus, trifft sich mit 
Vertretern der Nationalen Anti-Doping-Agentur und der Wissenschaftsorganisationen und informiert sich über den High-Tech- Gründerfonds. 

Um 9.06 Uhr fährt der Konvoi am Haus der Bildung vor. Oberbürgermeister Ashok Sridharan und seine Ehefrau Petra Fendel-Sridharan warten schon. „Guten Morgen Herr Oberbürgermeister“, begrüßt Steinmeier den Gastgeber. „Der letzte Besuch liegt noch nicht so lange zurück, aber ich bin gern wiedergekommen.“

Als Schirmherr der Stiftung Lesen, die Steinmeier im April diesen Jahres übernommen hat, informiert er sich über die Angebote im Haus der Bildung und das Lesefest Käpt'n Book. Während Bibliotheksleiterin Helga Albrecht die Gäste durch die Räume der Stadtbibliothek führt, warten die Schüler aufgeregt im Großen Saal auf ihre Begegnung mit dem Staatsoberhaupt.

Sie haben in einem Stuhlkreis Platz genommen. „Hallo, guten Morgen“, begrüßt Steinmeier sie. Er freue sich, dass so viele Kinder und Jugendliche an Büchern interessiert seien, und „nicht nur das Smartphone vor Augen haben“. Denn, so meint er: „Lesen hilft dabei, sich eine eigene Meinung zu bilden.“ Er selbst habe in den vergangenen Jahren während seiner Reisen viel Zeit mit Lesen verbracht. Derzeit liegt bei ihm „Das Glück des Zauberers“ von Sten Nadolny auf dem Nachttisch.

„Ich warte darauf, dass er fertig gelesen hat“, gesteht seine Frau lachend. Bei ihrem Rundgang durch die Kinderbibliothek entdeckt das Ehepaar auch Bücher, die es seiner Tochter als Kind vorgelesen hat – von Kirsten Boie, Cornelia Funke oder „Pettersson und Findus“. Stolz präsentiert Schülerin Melina dem Bundespräsidenten ein selbst hergestelltes Buch – mit Papier aus alten Jeansstoffen.

Steinmeiers Lieblingsbuch ist „100 Jahre Einsamkeit“

Unter der Moderation von Käpt'n Book, alias Hanno Friedrich, berichten die Jugendlichen über den Leseclub an der August-Macke-Schule, der von der Stiftung „Run and Ride for Reading“ gefördert wird. Beim Lesefest trafen sie auch ihre Lieblingsautoren. „Die können ihre Bücher besser vorlesen als die Lehrer“, erzählt ein Schüler. Die Runde lacht.

Laut Cornelia Kothe, Organisatorin des Lesefestes, haben sich für dieses Jahr bereits 300 Autoren angemeldet. „Die Autoren bewerben sich? Dann sind Sie schon weit gekommen“, lobt Steinmeier das Projekt, das seit 2003 in Bonn und der Region stattfindet. Dann hakt er nach und will wissen: Macht sich der Erfolg des Festes auch in den Bibliotheken bemerkbar?

Am Ende der Runde dürfen die Schüler ihm Fragen stellen: „Was ist denn Ihr Lieblingsbuch?“ Der Politiker zögert kurz: „100 Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Márquez. Wenn er Schülern etwas vorlesen solle, greife er aber gerne auf die Werke von Astrid Lindgren zurück. Zum Abschied gibt es das geprobte Erinnerungsfoto auf der Treppe. 

Zu Fuß geht es weiter über Münster- und Marktplatz zum 
Beethovenhaus. Auf dem Weg nimmt sich der Bundespräsident Zeit für Selfies mit Passanten, winkt und ruft den Wartenden ein freundliches „Hallo“ zu. Die winken erfreut zurück. Vor der Bonn-Information steht eine Gruppe Radfahrer: „Wir sind extra aus München gekommen.“

Kurzzeitig verirrt sich in Steinmeiers Tross eine englischsprachige Reisegruppe – sehr zur Verwirrung ihres Stadtführers. Vor dem Beethoven-Denkmal dann noch ein Erinnerungsfoto. Ob er denn Beethoven auch privat hören würde, fragt einer der Journalisten. „Gelegentlich“, sagt Steinmeier. In der jetzigen Situation in Europa sei es aber gut, die Ode an die Freude zu hören. 

Am Dienstag nimmt er in Köln an der Kranzniederlegung am Gedenkkreuz für das RAF-Attentat auf Hanns Martin Schleyer teil. Abends ist er wieder in Bonn zu Gesprächen in der Villa Hammerschmidt – seinem zweiten Amtssitz.