Rat will Neubau prüfen lassen

Fraktionen erwägen Abriss der Bonner Oper

Vorher-Nachher-Effekt: So sähe das Bonner Rheinufer ohne Oper aus.

Vorher-Nachher-Effekt: So sähe das Bonner Rheinufer ohne Oper aus.

Bonn. Die 52 Jahre alte Oper könnte bald einem Abriss zum Opfer fallen. Die Bonner Ratsmehrheit will einen Neubau statt einer Sanierung prüfen lassen. Auch die Stadthalle könnte ein ähnliches Schicksal ereilen.

Mit einem Paukenschlag hat eine Mehrheit des Bonner Rates die Debatte um die Zukunft des Opernhauses gewendet: Als Alternative zur Instandsetzung soll die Stadtverwaltung nun auch den Abriss der 52 Jahre alten Oper und einen Neubau für Musik- und Sprechtheater prüfen. Darauf haben sich CDU, SPD und FDP verständigt. Ein neues Haus für beide Sparten könnte auf dem bisherigen Grundstück am Rheinufer errichtet werden. In der CDU wird jedoch auch darüber diskutiert, die marode, aber denkmalgeschützte Stadthalle in Bad Godesberg ebenfalls abzureißen und an dieser Stelle ein neues Theater zu bauen.

Vor knapp zwei Wochen war die SPD in den Ratsausschüssen noch mit dem Antrag gescheitert, die Neubau-Variante zu untersuchen. Doch der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Peter Gilles sammelte hinter den Kulissen Unterstützung für die Idee. Dem Vernehmen nach konnte er vorige Woche sowohl die eigene Fraktion als auch die FDP überzeugen. Der grüne Koalitionspartner zeigt sich zwar skeptisch, die Mehrheit für einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung steht nun aber trotzdem. Auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) befürwortet den Vorstoß: "Bei den exorbitanten Sanierungskosten ist es richtig, darüber nachzudenken, ob ein Neubau nicht wirtschaftlicher wäre", teilte er mit.

Sridharans Verwaltung hatte dem Rat vorgeschlagen, Oper und Godesberger Kammerspiele innerhalb der nächsten zehn Jahre instand zu setzen. Die aktuellen Kostenschätzungen dafür liegen für beide Gebäude bei insgesamt 109 Millionen Euro. "Die Instandsetzung führt trotz hoher Kosten nicht zu einem attraktiveren Angebot", erklärte CDU-Mann Gilles am Freitag. "Ein Neubau wäre ein Bekenntnis zu Oper und Schauspiel, aber in einem modernen Gewand." Notwendige Maßnahmen, die Sicherheitsfragen beträfen, müssten allerdings unverzüglich umgesetzt werden. Sowohl in der Oper als auch in den Kammerspielen gibt es massive Mängel beim Brandschutz.

Nach GA-Informationen favorisiert Gilles den Verkauf des Operngrundstücks und einen Neubau anstelle der Stadthalle. Dafür müsste der Denkmalschutz aufgehoben werden, notfalls durch Entscheidung der NRW-Bauministerin. Generalintendant Bernhard Helmich reagierte am Freitag zurückhaltend. Kein Theaterleiter habe etwas gegen ein "schönes neues Gebäude", sagte er dem GA. "Jede denkbare Lösung muss aber sicherstellen, dass wir kontinuierlich Theater spielen können."