Bonner Literaturcamp

Forum für Blogger und Autoren

Literaturcamp: in der Vorstellungsrund erklärt Alexa Thiesmeyer, was ihr an Literatur gefällt.

Literaturcamp: in der Vorstellungsrund erklärt Alexa Thiesmeyer, was ihr an Literatur gefällt.

Bonn. Zum ersten Literaturcamp in Bonn kommen 120 Teilnehmer ins Haus der Bildung. Das zeigt: Die Szene in der Stadt ist beweglich.

Gleich eine ganze „Legion Schutzengel“ muss Rainer von zur Mühlen 1948 gehabt haben. Damals, als fünfjähriger Junge, hatte er gemeinsam mit Freund Axel in Berlin in einer Kriegsruine gespielt. „Wir haben 30 Granaten gefunden, die wir auf einen Blindgänger geworfen haben“, erinnert sich der heute 74-Jährige. Die riesige Explosion hinterließ nicht nur einem großen Krater im Keller des unbewohnten Hauses, sondern alle Zimmerdecken waren bis zum Dach durchschlagen. „Dass uns damals nichts passiert ist“, schüttelt er heute ungläubig den Kopf, wenn er von diesem Kindheitserlebnis in den Nachkriegsjahren erzählt.

Als er 16 Jahre alt war, zog die Familie nach Bonn, hier machte er sein Abitur und studierte. Als der renommierte Sicherheitsexperte dann 2015 bei einem Besuch in Berlin erstmals nach Jahrzehnten wieder vor dem Haus stand, keimt in ihm die Idee. „Ich habe mein ganzes Leben nicht mehr an die Ereignisse gedacht. Doch als ich vor Ort war, wusste ich, dass ich meine Erinnerungen aufschreiben muss“, schildert der 74-Jährige.

Seine Biografie hat er mittlerweile beendet, mit zwei Verlagen verhandelt er gerade über die Veröffentlichung. Am Samstag war Rainer von zur Mühlen einer der Teilnehmer beim ersten Bonner Literaturcamp.

Wie publiziere ich? Wird Print eher gelesen als ein E-Book? Ist die Zukunft des Buches digital oder traditionell? All diese Fragen wurden dabei angesprochen. „Wir sind wirklich überwältig von der enormen Resonanz“ freuten sich die Organisatorinnen, Christine Krauß, Ute Lange sowie Uschi Fuchs.

Mehr als 120 Schriftsteller, Autoren, Blogger, Lektoren, Verlagsmitarbeiter oder Buchhändler waren an diesem Tag ins Haus der Bildung gekommen. Dabei waren Krimi- und Kinderbuchautoren, Lyriker, aber auch interessierte Leser. „Wir wissen, dass es eine ganz aktive Literaturszene in Bonn gibt“, sagte Ute Lange. Aber: „Mit so vielen Anmeldungen haben wir nicht gerechnet. Und das auch noch zu Ferienbeginn“, freute sie sich über die gelungene Premiere.

„Wir wollen allerdings nicht nur ein Ort sein, um Netzwerke aufzubauen oder neue Kontakte in die Verlagswelt zu knüpfen“, erklärte Uschi Fuchs. Vielmehr sollte ein breiter Raum für den Erfahrungsaustausch über verschiedene Methoden des Publizierens gegeben werden. Ein festes Programm gab es deshalb nicht. Denn bei dem Barcamp zu Beginn sollten die Teilnehmer Vorschläge für die anschließenden Workshops geben. „Dadurch wird jeder Teilnehmer zum Teilgeber“, erklärte Lange.

Da Rainer von zur Mühlen bereits mehrere Sachbücher über Hightech-Sicherheit geschrieben hat, stellte er seine Arbeitstechnik vor. „Ich will anderen zeigen, wie sie beim Schreiben Prozesse konsequent zu Ende bringen und keine wichtigen Details vergessen oder auslassen. Spezielle Softwareprogramme können diese Arbeit effektiv unterstützen“, führte er aus.

In die Welt der Fantasie taucht hingegen Stephanie Braun regelmäßig ein. Seit einem Jahr hat die Bonner Psychologin einen Blog mit rund 100 Followern täglich. Zwei bis drei Rezensionen stellt sie wöchentlich ein. „Das macht mir großen Spaß. Denn ich bin vollkommen unabhängig und kann ganz subjektiv meine Meinung über ein Buch äußern“, sagt sie. Allerdings soll der Blog auch in Zukunft nur ein Hobby bleiben. „Ich fühle mich in meinem Beruf als Psychologin sehr wohl. Hier will ich heute einfach nur nette, neue Kontakte knüpfen und mich mit Menschen austauschen, für die Literatur eine ebenso große Rolle spielt wie für mich“, erzählt Stephanie Braun.

Einen ganz anderen Blickwinkel auf die Veranstaltung hatte hingegen Hans Weingartz vom Kid Verlag. „Ich bin immer auf der Suche nach spannenden Manuskripten“, sagte der Verleger.