Viktoriakarree

Flüchtlinge ziehen in leer stehende Wohnungen

Dieses Bild stammt aus einem der Signa-Häuser im Viktoriakarree. Insgesamt will die Stadt 1200 Quadratmeter mieten.

Dieses Bild stammt aus einem der Signa-Häuser im Viktoriakarree. Insgesamt will die Stadt 1200 Quadratmeter mieten.

Bonn. Manchmal funktioniert der direkte Draht am Besten: In einem Telefonat mit dem Top-Management der österreichischen Signa-Holding hat Oberbürgermeister Ashok Sridharan gestern vereinbart, leerstehende Wohnungen im Viktoriakarree befristet zur Unterbringung von Flüchtlingen anzumieten. Der Vertragsabschluss werde in Kürze erfolgen, erklärte Sridharan nach dem Gespräch mit Signa-Manager Christoph Stadl-huber auf GA-Anfrage.

Nach „geringfügigen Umbaumaßnahmen“ stünden die Wohnungen binnen zwei Wochen nach Vertragsunterzeichnung zur Verfügung. „Damit können wir viele Menschen zentrumsnah unterbringen, anstatt sie in Sammelunterkünfte zu schicken“, sagte Sridharan. „Das ist eine gute Sache.“ Erst kürzlich hatte die Stadtverwaltung betont, dass es immer schwieriger werde, geeignete Gebäude für die Flüchtlinge zu finden. Die Unterbringung in Wohnungen ist preiswerter als in Sammelunterkünften, weil sich die Menschen in der eigenen Küche selbst mit Lebensmitteln versorgen können.

Im Viktoriakarree hatte die Signa der Stadt nach GA-Informationen rund 1200 Quadratmeter in den Häusern Belderberg 28, Franziskanerstraße 17-19, Rathausgasse 8 und 2-6 sowie Stockenstraße 1 angeboten. Allerdings schickte das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) vor wenigen Tagen eine Absage, wie aus verlässlichen Quellen zu hören ist. Die nötigen Investitionen in den Brandschutz seien für eine Interimsnutzung zu hoch, hieß es in dem Schreiben.

Das SGB bezog sich auf einen Bericht der Feuerwehr, die die Häuser überprüft hatte. Angesichts der Tatsache, dass vor einiger Zeit noch Mieter in den Häusern gewohnt haben – die Mängel demnach nicht so groß sein dürften – kassierte der Oberbürgermeister nach Rücksprache mit der Feuerwehr die Absage und nahm Kontakt mit Signa auf. Wer die bauliche Ertüchtigung der Häuser bezahlt, war gestern noch ebenso unklar wie die Laufzeit der Mietverträge und die genaue Zahl der Menschen, die in den Wohnungen unterkommen sollen. Die Signa-Holding hatte die Häuser gekauft, um im Viktoriakarree ein Einkaufszentrum zu bauen. Das Bürgerbegehren der Initiative Viva Viktoria stoppte jedoch den Verkauf der städtischen Flächen, die Signa gebraucht hätte.

In einer Bürgerwerkstatt soll – wohl ab Herbst 2016 – über die Zukunft des Viertels diskutiert werden. In einer Pressemitteilung wirft die Initiative der Signa vor, alle befristeten und kurzfristigen Verträge gewerblicher Mieter nicht verlängern zu wollen. Dazu erklärte Signa-Sprecher Robert Leingruber nur: „Wir bewerten die Situation neu und führen Gespräche.“

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg hat sich unterdessen bei vier Enthaltungen erneut für die Entwicklung des Viktoriakarrees zum attraktiven Einzelhandelsstandort ausgesprochen. „Den Chancen stehen zwar Risiken – Aufgabe des Betriebsstandorts, eventuelle Mieterhöhungen, baubedingte Behinderungen – insbesondere einiger im Karree ansässigen Unternehmen gegenüber“, sagte IHK-Präsident Wolfgang Grießl: Die Vollversammlung sehe aber besondere Risiken für die Innenstadt, wenn der Standort nicht im Sinne eines Einzelhandelsdreiecks zwischen Nordfeld, Friedensplatz und Viktoriakarree umgestaltet werde.

Die Vollversammlung regte an, einen Beteiligungsprozess mit den betroffenen Unternehmen durchzuführen. Zwar könnten Einzelhändlern an den jeweiligen Rändern der Achsen in diesem Geschäftsdreieck Umsatzverluste drohen, etwa in der Friedrichstraße. Ohne das Viktoriakarree-Projekt aber könne die ganze Innenstadt ihr Potenzial, noch mehr Kunden anzulocken, nicht voll ausschöpfen.