Trauriger Auszug

Flüchtlinge nehmen Abschied vom Paulusheim in Bonn

Abschiedsfest Paulusheim: Jugendliche haben zum Abschied und als Dank Bilder für die vielen ehrenamtlichen Helfer gemalt.

Abschiedsfest Paulusheim: Jugendliche haben zum Abschied und als Dank Bilder für die vielen ehrenamtlichen Helfer gemalt.

Endenich. Mit dem Auszug aus dem Paulusheim geht für viele Flüchtlinge ein Stück Zuhause verloren. Das Gebäude wird abgerissen.

Auf dem Gelände des früheren Seniorenheims Paulusheim in Endenich entstehen bald 210 Wohnungen. Damit müssen bis Ende März auch die Flüchtlinge, die dort von der Stadt Bonn untergebracht wurden, ausziehen. Bei einem Abschiedsfest blickten Bewohner und Helfer auf die vergangenen vier Jahre zurück, in denen das Gebäude Unterkunft und Zufluchtsort war.

Noura Youssef fällt der Abschied schwer. Ein knappes Jahr lebt sie im Paulusheim. „Ich habe hier Freunde gefunden“, erzählt die 17-Jährige. Auch wenn viele ihrer Bekanntschaften mittlerweile auf andere Unterkünfte in Bonn verteilt worden sind, ist das Areal an der Sebastianstraße ihr Treffpunkt geblieben. „Für uns ist das ein Zuhause geworden, wo wir nicht gerne weggehen, aber müssen“. Was das Paulusheim so besonders gemacht hat: Zum einem gab es genügend Wohnraum, der durch die vielen Zimmer Privatsphäre garantierte. Zum anderen konnte in den großen Sälen und Räumen gemeinsam Zeit verbracht werden.

„Das ist eine ziemlich glückliche und einzigartige Situation gewesen“, sagt Helena Nguyen, die die mehr als hundert Helfer über die Jahre koordiniert hat. Ein Arbeitskreis aus katholischer und evangelischer Kirche betreute die mehreren Hundert Flüchtlinge, die über die Jahre eine vorübergehendes Quartier bekamen. „Hier wurde denen, die in Not waren, immer geholfen. Erst in der Heilanstalt, anschließend jahrzehntelang im Seniorenheim, dann den Flüchtlingen. Viele sind sehr traurig, dass diese Ära nun zu Ende geht.“ Menschen aus 30 Nationen hätten zeitweise zusammengelebt, was auch für Probleme gesorgt habe. „Aber es war auch eine wunderbare Mischung von vielen jungen Männern, Familien, einigen wenigen Älteren, die das Gebäude wieder neu mit Leben gefüllt haben.“ Für 20 Neugeborene war das Paulusheim das erste Zuhause.

Wie das Leben dort aussah, zeigten Bilder, die zwischen den Reden von Bewohnern und Vertretern der Stadtverwaltung, die das Gebäude seit April 2014 angemietet hatte, an die Leinwand projiziert wurden. Kochabende, Ausflüge, Sportfreizeiten und auch die Fahrradwerkstatt waren darunter. „Wir hatten hier viel Platz, um das alles veranstalten zu können“, sagte Pfarrer und Helfer Uwe Grieser. Sozialarbeiterin Anette Stachs, die vor allem Jugendliche betreute, bezeichnete das als „Segen“: „Es ging immer darum, Brücken in die Gesellschaft zu bauen.“

Anfangs sei das wegen fehlender Sprachkenntnisse schwierig gewesen. „Die Geduld hat sich aber ausgezahlt, viele haben es geschafft auszuziehen und ein selbstständiges Leben zu beginnen.“ Das ist auch der Traum von Noura Youssef. Sie will Polizistin werden, wenn sie mit der Schule fertig ist. Mohammed Omar aus ihrem Freundeskreis möchte studieren. „Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg“, sagt sie. Das Containerdorf, in das sie nun ziehen muss, sei zwar nicht so schön wie das Paulusheim. „Aber auch dort wird es tolle Momente geben.“